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28. November 2009, 13:56 Uhr

"Andere schwärmten für Pferde, ich für Kohl"

Nach dem Abgang von Franz Josef Jung ist die erst 32-jährige Kristina Köhler die neue CDU-Familienministerin: Modern, ehrgeizig, aus Hessen - und ausgestattet mit einem Faible für Helmut Kohl. Von Sven Becker

Zoom
Krisitna Kö,hler, Jung, Leyen, Familienministerin

Mit 32 Jahren Familienministerin: Kristina Köhler© Renate Blanke/Deutscher Bundestag/AP

Kristina Köhler twittert gerne. "Habe gerade eine Rede im Plenum zum Thema behördliche Übermittlungspflichten bei illegalen Migranten gehalten", teilt sie noch am Donnerstagabend über den Kurznachrichtendienst mit. Zu diesem Zeitpunkt ist die 32-Jährige einfache Abgeordnete und sitzt im Innenausschuss des Bundestages. Fast täglich zwitschert sie aus ihrem Leben ("Um 7 Uhr in Frankfurt gelandet, jetzt ist mein Koffer weg"). Doch als Angela Merkel am Freitag vor die Kameras tritt und sie zur neuen Familienministerin beruft, bleibt Köhlers Twitter-Account zum ersten Mal seit Langem stumm.

Köhler hätte wohl selber nicht damit gerechnet, dass ihre Karriere so schnell einen so gewaltigen Sprung machen würde. Doch nach dem Rücktritt von Franz Josef Jung braucht die Union dringend ein sauberes Gesicht, das am besten aus Hessen stammt. Da kommt die ledige Wiesbadenerin gerade recht.

"Ich schwärmte für Helmut Kohl"

Am 9. November 1989 sitzt Köhler als 12-Jährige vor dem Fernseher, als die Mauer fällt. "Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl", sagt Köhler und klebt sich damals einen "I like Birne"-Aufkleber auf ihre Schulmappe. Ihr bürgerliches Elternhaus frohlockt. Mit 14 Jahren tritt Köhler in die Junge Union (JU) ein und legt eine klassische CDU-Karriere hin: Wahl in den JU-Kreisvorstand, 1994 Eintritt in die Partei, Studium in Mainz, 2002 erster Einzug in den Bundestag - mit 25 Jahren. Als die Medien sie als "Bundestags-Beauty" bezeichnen, findet sie das zunächst "ganz okay". Doch dann beginnt Köhler, auch ihr politisches Profil zu schärfen.

Schnell entdeckt Köhler die Themen Islam und Migration für sich. Ihren ersten Achtungserfolg erzielt sie 2005 mit dem Verbot der türkischen Zeitung Vakit durch den damaligen Innenminister Schily. Zuvor hatte Köhler im Bundestag öffentlich gemacht, dass die Zeitung den Holocaust leugnet. Bald tritt sie für islamischen Unterricht an deutschen Schulen ein und für eine Öffnung ihrer Partei gegenüber integrationswilligen Muslimen. Davon sind konservative Parteigenossen ebenso wenig begeistert wie von ihrer Mitarbeit in der CDU-Grundsatzkommission. Köhler will das Familienbild der CDU modernisieren. "Es wäre ein Fortschritt, wenn man Akademikerinnen nicht länger vorwerfen würde, sie seien im Gebärstreik", sagt Köhler vor zwei Jahren.

Mitglied der Pizza-Connection

Für die Zukunft schließt Köhler eine Jamaika-Koalition nicht aus. Um die Abgeordneten der Grünen kennenzulernen, nimmt sie an Treffen der Pizza-Connection teil, eine Gruppe junger Abgeordneter aus den Reihen von CDU/CSU und Grünen. "Union, FDP und Grüne sind bürgerliche Parteien, das sieht man an der Sozialstruktur ihrer Wähler und Mitglieder. Das Bürgerliche verbindet uns", sagt Köhler.

Den Respekt aller Fraktionen erarbeitet sie sich im BND-Untersuchungsausschuss im Dezember 2008. Sie ist zu der Zeit als Obfrau die oberste Fragestellerin der Union. Viele trauen ihr die Aufgabe nicht recht zu. Doch Köhler stellt dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier so unangenehme Fragen, dass der sie anfährt: "Wenn sie irgendwo später an verantwortlicher Stelle sitzen, dann wünsche ich ihnen ein ähnliches Verantwortungsgefühl."

Nun ist es soweit.

Von Sven Becker
KOMMENTARE (10 von 49)
 
raptor-xl (30.11.2009, 15:13 Uhr)
albern...
wo wurde denn die junge dame aus dem hut gezaubert? und was soll die denn bitte bewirken?

muss man denn nur noch merkel treu ergeben sein und schon darf man mitregieren? ist erfahrung, sachkompetenz und durchsetzung nicht mehr gefragt? beliebigkeit überall, aber dafür keine reformen, keine wirtschaftspolitik und keine sozialumbauten?!

der witz war doch, dass die junge dame selbst überrascht war. die hatte das ja nicht mal im entferntesten selbst auf dem radar...
das ist weder geleitet von willen zur reform, noch von dem ideal, wirklich eine familienpolitik machen zu wollen.

wie sah denn das bewerbungsgespräch aus? "setz dich hin, lächle in die kamera, aber fass hier ja nicht an..."?!
raptor-xl (30.11.2009, 12:32 Uhr)
mhhh, ist kompetenz ist gefragt???
um den reigen der jasager im kabinett zu vervollständigen, fragte frau merkel ja erst ihren friseur. aber der hat von familienpolitik noch weniger ahnung... zwar scheint es darauf nicht anzukommen, denn ahnung muss man scheinbar von politik und den ämtern gar nicht mehr haben, denn die hauptsache ist die treue und loyalität zur mutti.
und als nachdem auch der taxifahrer, die büroputzfrau und alle anderen abgesagt hatten, fand man irgendwie frau köhler. woher der tipp kam, dass weiss keiner mehr. denn bisher tauchte diese frau nirgends groß auf...

aber allein weiblich, auch wenn sonst von eigener familie keine ahnung, ist ja scheinbar schon als pluspunkt zu werten. zumindestens macht sie keinen ärger, so wir der wirtschaftsverband der cdu oder die länderfürsten. denn von denen bekommt mutti ja mächtig ärger. da haben wohl so langsam einige die nase von stillstand und beliebigkeitspolitik richtig voll.

für mich auch allzu verständlich. dachten doch alle, dass es einen umbau, eine reformbereitschaft nach der wahl gäbe... aber stat reformen, steueränderungen, wirtschaftsrahmen neu definieren, mittelstand stärken und schuldenabbau, kam bisher nix. alles so lassen und dazu neue schulden, um ein bisschen steuern zu senken... was für ein mist! so hatte ich mir
sebale1 (30.11.2009, 11:47 Uhr)
Oh Gott
Um auch Mal wieder auf die manipulierenden Methoden des Stern hinzuweisen - mein Kommentar vom 28.11.09 - sehr kritisch mit der Bestzung eines wegweisenden Amtes mit einem jungen, unerfahrenen Mädel, dass zudem noch von zweifelhaften Werten, Vorbildern und Prioritäten (Facebook statt Familie) geleitet ist, wurde vom Stern zensiert /gesperrt - ohne dass man mir beleidigenden Wortschatz, Aufforderung zu Gewalt o.ä. vorwerfen kann.

Das sind mittlerweile die Realitäten in unserem Land. Stern = Bild in Hochglanz !
Tempelhofer (29.11.2009, 21:02 Uhr)
Herzlichen Glückwunsch
Sehr geehrte Frau Köhler, Herzliche Glückwünsche zu Ihrer Ernennung. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in Ihrem neuen Amt.
jetrabbit (28.11.2009, 22:22 Uhr)
"Andere schwärmten für Pferde, ich für Kohl"
das wars wohl mit der karriere...
Benkku (28.11.2009, 17:06 Uhr)
Von der Vergangenheit eingeholt.
Frau Merkel trägt die Verantwortung für ihre Personalpolitik. Eins wir deutlich an ihrer Handlungsweise: Das alte Führungsmuster aus ihrer DDR-Zeit als Agitprop kommt wieder zum Durchbruch. Diese Leute haben damals ihr Falschspiel bis zum Exzeß betrieben. Vorausgesetzt, sie verfügten über ein gehöriges Maß an Dickfälligkeit.
Nursery (28.11.2009, 16:33 Uhr)
Welche Ignorranz
Gerade bei den Jüngeren hätte man mehr Selbstkritik in Fragen "Öffentlicher Ämter" und den Umgang mit Schwarzen Kassen erwartet. Als Vorbild taugt Kohl am wenigsten.Und noch weniger eine Sozialpädogin die meint wie man in Deutschland Familie und Job in Einklang zu bringen hat.
hamburg123 (28.11.2009, 16:15 Uhr)
@erichmonika
Falsch! Weniger als die Hälfte der Wähler habn CDU und FDP gewählt. Von den Stimmberechtigten waren es noch nicht mal ein Drittel....
erichmonika (28.11.2009, 15:44 Uhr)
Was habt ihr da zusammengewählt?
Das habt ihr jetzt davon, dass ihr CDU und FDP gewählt habt. Eine Chaostruppe und weine Ministerin, die in jungen Jahren für Kohl schwärmte. Aber ihr habt auch so einen Westentaschen Berlusconi wie den Koch gewählt, der nun die Pressefreiheit abschaffen will und einen Außenminister der un blamiert.
ganzbaf (28.11.2009, 15:22 Uhr)
Kohl ist ein löbliches...

Gemüse.
Und ein schlechter Politiker.
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