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27. November 2009, 21:10 Uhr

"Andere schwärmten für Pferde, ich für Kohl"

Nach dem Abgang von Franz Josef Jung ist die erst 32-jährige Kristina Köhler die neue CDU-Familienministerin: Modern, ehrgeizig, aus Hessen - und ausgestattet mit einem Faible für Helmut Kohl. Von Sven Becker

Krisitna Köhler, Jung, Leyen, Familienministerin

Mit 32 Jahren Familienministerin: Kristina Köhler© Renate Blanke/Deutscher Bundestag/AP

Kristina Köhler twittert gerne. "Habe gerade eine Rede im Plenum zum Thema behördliche Übermittlungspflichten bei illegalen Migranten gehalten", teilt sie noch am Donnerstagabend über den Kurznachrichtendienst mit. Zu diesem Zeitpunkt ist die 32-Jährige einfache Abgeordnete und sitzt im Innenausschuss des Bundestages. Fast täglich zwitschert sie aus ihrem Leben ("Um 7 Uhr in Frankfurt gelandet, jetzt ist mein Koffer weg"). Doch als Angela Merkel am Freitag vor die Kameras tritt und sie zur neuen Familienministerin beruft, bleibt Köhlers Twitter-Account zum ersten Mal seit Langem stumm.

Köhler hätte wohl selber nicht damit gerechnet, dass ihre Karriere so schnell einen so gewaltigen Sprung machen würde. Doch nach dem Rücktritt von Franz Josef Jung braucht die Union dringend ein sauberes Gesicht, das am besten aus Hessen stammt. Da kommt die ledige Wiesbadenerin gerade recht.

"Ich schwärmte für Helmut Kohl"

Am 9. November 1989 sitzt Köhler als 12-Jährige vor dem Fernseher, als die Mauer fällt. "Die anderen Mädchen schwärmten für Pferde, ich für Helmut Kohl", sagt Köhler und klebt sich damals einen "I like Birne"-Aufkleber auf ihre Schulmappe. Ihr bürgerliches Elternhaus frohlockt. Mit 14 Jahren tritt Köhler in die Junge Union (JU) ein und legt eine klassische CDU-Karriere hin: Wahl in den JU-Kreisvorstand, 1994 Eintritt in die Partei, Studium in Mainz, 2002 erster Einzug in den Bundestag - mit 25 Jahren. Als die Medien sie als "Bundestags-Beauty" bezeichnen, findet sie das zunächst "ganz okay". Doch dann beginnt Köhler, auch ihr politisches Profil zu schärfen.

Schnell entdeckt Köhler die Themen Islam und Migration für sich. Ihren ersten Achtungserfolg erzielt sie 2005 mit dem Verbot der türkischen Zeitung Vakit durch den damaligen Innenminister Schily. Zuvor hatte Köhler im Bundestag öffentlich gemacht, dass die Zeitung den Holocaust leugnet. Bald tritt sie für islamischen Unterricht an deutschen Schulen ein und für eine Öffnung ihrer Partei gegenüber integrationswilligen Muslimen. Davon sind konservative Parteigenossen ebenso wenig begeistert wie von ihrer Mitarbeit in der CDU-Grundsatzkommission. Köhler will das Familienbild der CDU modernisieren. "Es wäre ein Fortschritt, wenn man Akademikerinnen nicht länger vorwerfen würde, sie seien im Gebärstreik", sagt Köhler vor zwei Jahren.

Mitglied der Pizza-Connection

Für die Zukunft schließt Köhler eine Jamaika-Koalition nicht aus. Um die Abgeordneten der Grünen kennenzulernen, nimmt sie an Treffen der Pizza-Connection teil, eine Gruppe junger Abgeordneter aus den Reihen von CDU/CSU und Grünen. "Union, FDP und Grüne sind bürgerliche Parteien, das sieht man an der Sozialstruktur ihrer Wähler und Mitglieder. Das Bürgerliche verbindet uns", sagt Köhler.

Den Respekt aller Fraktionen erarbeitet sie sich im BND-Untersuchungsausschuss im Dezember 2008. Sie ist zu der Zeit als Obfrau die oberste Fragestellerin der Union. Viele trauen ihr die Aufgabe nicht recht zu. Doch Köhler stellt dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier so unangenehme Fragen, dass der sie anfährt: "Wenn sie irgendwo später an verantwortlicher Stelle sitzen, dann wünsche ich ihnen ein ähnliches Verantwortungsgefühl."

Nun ist es soweit.

Von Sven Becker
 
 
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