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18. November 2008, 16:33 Uhr

Darum ist Sachsen so gut

Jubel in Sachsen: Die Schüler des Freistaats haben bei der neuen Pisa-Studie am besten abgeschnitten. Ob in Mathematik, den Naturwissenschaften oder der Lesekompetenz - die Sachsen schafften in allen Disziplinen den Sprung auf Platz eins. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Von Niels Kruse und Christoph Schäfer

Die Schüler in Sachsen haben sich in der neuen Pisa-Studie an die Spitze gesetzt© Patrick Pleul/DPA

Wenn Schuleschwänzen ein Indikator dafür ist, wie gut oder schlecht es um die Qualität der Lehranstalten bestellt ist, dann scheint in Sachsen vieles zum Besten zu stehen. Gerade einmal 3,5 Prozent der Schüler haben laut einer Untersuchung der TU Dresden aus dem Jahr 2006 mindestens einen Tag im Jahr unentschuldigt gefehlt. Das sei ein Spitzenwert, hieß es damals. Zwar gab es zu dem Zeitpunkt keine vergleichbaren Studien aus anderen Bundesländern, allerdings schätzten Experten den Wert im Rest der Republik deutlich höher, zwischen vier und zehn Prozent.

Aus dem gleichen Jahr stammen auch die Daten der Pisa-Studie, deren Ergebisse nun vorgestellt wurden und die die Sachsen zum Siegerland in Sachen Schulbildung gemacht haben. Sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften sowie bei der Lesekompetenz haben die getesteten 15-Jährigen ihre Altersgenossen aus anderen Bundesländern hinter sich gelassen. In Fächern wie Informatik, Naturwissenschaften und Technik liegt das ostdeutsche Bundesland sogar direkt hinter dem Pisa-Gesamtsieger Finnland auf Platz zwei.

Dieser Erfolg der Sachsen kommt für die meisten Experten nicht überraschend: Lehrer, Pädagogen und Bildungspolitiker loben vor allem, das in sächsischen Klassenzimmern vergleichweise wenig Schüler sitzen. So kommen in Sachsen 22,6 Schüler auf eine Klasse, in Nordrhein-Westfalen 26,6. "Die Lehrerversorgung ist im Osten recht gut", sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands.

Auch der geringe Anteil an Migrantenkindern hat zum Pisa-Erfolg der Sachsen beigetragen. Lediglich 3,7 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen des Freistaats kommen aus Familien mit Nicht-Deutschen Wurzeln, in anderen Bundesländern sind es bis zu zehnmal mehr. Wie alle anderen einschlägigen Studien auch, belegt die Pisa-Studie, dass Kinder aus Einwandererfamilien im Bildungssystem vergleichsweise schlecht integriert sind. "Im Hinblick auf die Kompetenzen", so die Studie, "erreichen Jugendliche mit Migrationshintergrund ein deutlich geringeres Niveau als Jugendliche ohne diesen Hintergrund." Dies gelte besonders für Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden.

Migrantenkinder am Gymnasium unterrepräsentiert

Als Konsequenz seien Jugendliche mit ausländischen Wurzeln "in den Schularten unterrepräsentiert, die zu weiterführenden Abschlüssen führen und in den Schularten überrepräsentiert, die zu einem Hauptschulabschluss führen". Außerdem müssten sie "sehr viel häufiger" eine Klasse wiederholen. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin und Vorsitzender des Aktionsrats Bildung, weist zudem darauf hin, dass die Migrantenkinder in Ostdeutschland oft aus anderen Herkunftsländern stammen als die im Westen. Vor allem Jugendliche mit vietnamesischen Wurzeln könnten "in der Schule oft hervorragend mithalten". Die Vize-Vorsitzende der sächsischen Lehrergewerkschaft GEW, Uschi Kruse, schränkt aber ein, dass auch in Sachsen Schüler mit Migrationshintergrund durch das Schulsystem benachteiligt würden. "Weil es aber nicht so viele von ihnen hier gibt, fallen sie bei Pisa nicht so ins Gewicht."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Bildungsexperten zweigliedrige Schulsysteme empfehlen, und weshalb Sachsen auch heute noch von der Bildungspolitik der DDR profitiert.

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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Buureremmel (18.11.2008, 21:10 Uhr)
Wenn die Sachsen so schlau sind,
warum haben sie dann eine Horde primitiver Nazis in den Landtag gewählt?
Von flächendeckender Schläue scheint man auch dort noch entfernt zu sein, was die Verdienste der aktuellen Schülergeneration aber nicht schmälern soll.
galonero (18.11.2008, 19:55 Uhr)
Sachsen
In NRW Migrantenanteil über 30% nur mal so als Hinweis, in Sachsen werden dafür Migranten von Neonazis bedroht, tolle Quote, dreht den Ossis den Geldhahn zu. Mein Soli für NRW!!!!!
chrgue (18.11.2008, 18:53 Uhr)
Ja, und jetzt reicht es aber auch!
Ist ja wohl alles bestens im deutschen Bildungssystem, außer in den SPD-Ländern natürlich! Aber es reicht jetzt so langsam! Es gibt wichtigere Dinge, STERN.
SethusCalvisius (18.11.2008, 18:13 Uhr)
Fakten
Ein paar Fakten:
Ausländeranteil Bremen (Pisa-Letzter)
12,9 %
Ausländeranteil Sachsen (Pisa-Sieger)
2,8 %
Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ich habe nichts gegen Ausländer, aber dass man in einer Schule, in der ein großer Teil der Schüler die deutsche Sprache nicht versteht, nicht so gute Ergebnisse erzielt, ist doch wohl logisch. Da soll man uns doch bitte nicht mit irgendwelchen Erklärungen wie besseres Schulsystem oder Haltung der Lehrer kommen. Integration und Sprachförderung sind der Schlüssel zum Erfolg.
Oetker333 (18.11.2008, 17:58 Uhr)
Stolz auf Sachsen!
Ich bin als Gymnasialschüler mit Migrationshintergrund (Eltern aus Vietnam) in Sachsen wirklich stolz darauf. Ich kann eigentlich diesen Artikel nur Recht geben. In meiner Klassenstufe wollen mehr als die Hälfte einen naturwissenschaftlichen Leistungskurs absolvieren (ich zähl nicht dazu - Geschichteleistungskurs).
horst.pachulke (18.11.2008, 17:56 Uhr)
Uns hat man erklärt...
... dass die Pisa-Studien lediglich nominalen Charakter aufwiesen, es unwahrscheinlich sei, dass ordinales und ausgeschlossen, dass metrisches Niveau erreicht würde.
Mich würde interessieren, ob die Unterschiede in den Mittelwerten immer noch so gering sind, dass die Ersteller des Pseudo-Rankings sich nicht bemüßigt sehen, die Signifikanzen der Unterschiede anzugeben.
Auf Nichtstatistischem Deutsch:
Die Pisa-Kataloge wurden als Erhebungsinstrument für die Wissenschaft entwickelt. Zweck ist, einen Zustand zu erheben. Ein Vergleich ist mit diesen Daten zwischen Staaten sehr sicher nicht, zwischen Bundesländern eher nicht und zwischen Messzeitpunkten auch eher nicht zu bewerkstelligen.
Das Gegenteil wurde bisher noch nicht einmal versucht zu beweisen. Es sei denn, in der neuen Studie wurde dies alles auf einen Schlag nachgeholt. Ich glaube allerdings nicht daran...
undjetztnochder (18.11.2008, 17:20 Uhr)
Glückwunsch an Sachsen
Zunächst einmal: Glückwunsch an die Sachsen. Da kann man als Westler, der gelernt hat, dass sich viele Ostdeutsche irgendwie benachteiligt oder unterlegen fühlen, nur neidisch sein - und das bei einem so extrem wichtigen Thema wie der Bildung. Nun heißt es für den Rest der Republik: von Sachsen lernen! Der Artikel diskutiert ja schon ganz gut die Gründe, warum die sächsischen Kinder fast Finnland-Niveau erreichen. Ich hoffen, dass nun ein gewisser Wettbewerb um die beste Schulbildung in den Bundesländern einsetzt, ein Prozess, bei dem Deutschland nur gewinnen kann.
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