Jubel in Sachsen: Die Schüler des Freistaats haben bei der neuen Pisa-Studie am besten abgeschnitten. Ob in Mathematik, den Naturwissenschaften oder der Lesekompetenz - die Sachsen schafften in allen Disziplinen den Sprung auf Platz eins. Diese Entwicklung ist kein Zufall. Von Niels Kruse und Christoph Schäfer

Die Schüler in Sachsen haben sich in der neuen Pisa-Studie an die Spitze gesetzt© Patrick Pleul/DPA
Wenn Schuleschwänzen ein Indikator dafür ist, wie gut oder schlecht es um die Qualität der Lehranstalten bestellt ist, dann scheint in Sachsen vieles zum Besten zu stehen. Gerade einmal 3,5 Prozent der Schüler haben laut einer Untersuchung der TU Dresden aus dem Jahr 2006 mindestens einen Tag im Jahr unentschuldigt gefehlt. Das sei ein Spitzenwert, hieß es damals. Zwar gab es zu dem Zeitpunkt keine vergleichbaren Studien aus anderen Bundesländern, allerdings schätzten Experten den Wert im Rest der Republik deutlich höher, zwischen vier und zehn Prozent.
Aus dem gleichen Jahr stammen auch die Daten der Pisa-Studie, deren Ergebisse nun vorgestellt wurden und die die Sachsen zum Siegerland in Sachen Schulbildung gemacht haben. Sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften sowie bei der Lesekompetenz haben die getesteten 15-Jährigen ihre Altersgenossen aus anderen Bundesländern hinter sich gelassen. In Fächern wie Informatik, Naturwissenschaften und Technik liegt das ostdeutsche Bundesland sogar direkt hinter dem Pisa-Gesamtsieger Finnland auf Platz zwei.
Dieser Erfolg der Sachsen kommt für die meisten Experten nicht überraschend: Lehrer, Pädagogen und Bildungspolitiker loben vor allem, das in sächsischen Klassenzimmern vergleichweise wenig Schüler sitzen. So kommen in Sachsen 22,6 Schüler auf eine Klasse, in Nordrhein-Westfalen 26,6. "Die Lehrerversorgung ist im Osten recht gut", sagt Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands.
Auch der geringe Anteil an Migrantenkindern hat zum Pisa-Erfolg der Sachsen beigetragen. Lediglich 3,7 Prozent der Schüler an allgemeinbildenden Schulen des Freistaats kommen aus Familien mit Nicht-Deutschen Wurzeln, in anderen Bundesländern sind es bis zu zehnmal mehr. Wie alle anderen einschlägigen Studien auch, belegt die Pisa-Studie, dass Kinder aus Einwandererfamilien im Bildungssystem vergleichsweise schlecht integriert sind. "Im Hinblick auf die Kompetenzen", so die Studie, "erreichen Jugendliche mit Migrationshintergrund ein deutlich geringeres Niveau als Jugendliche ohne diesen Hintergrund." Dies gelte besonders für Schüler, deren Eltern beide im Ausland geboren wurden.
Als Konsequenz seien Jugendliche mit ausländischen Wurzeln "in den Schularten unterrepräsentiert, die zu weiterführenden Abschlüssen führen und in den Schularten überrepräsentiert, die zu einem Hauptschulabschluss führen". Außerdem müssten sie "sehr viel häufiger" eine Klasse wiederholen. Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin und Vorsitzender des Aktionsrats Bildung, weist zudem darauf hin, dass die Migrantenkinder in Ostdeutschland oft aus anderen Herkunftsländern stammen als die im Westen. Vor allem Jugendliche mit vietnamesischen Wurzeln könnten "in der Schule oft hervorragend mithalten". Die Vize-Vorsitzende der sächsischen Lehrergewerkschaft GEW, Uschi Kruse, schränkt aber ein, dass auch in Sachsen Schüler mit Migrationshintergrund durch das Schulsystem benachteiligt würden. "Weil es aber nicht so viele von ihnen hier gibt, fallen sie bei Pisa nicht so ins Gewicht."
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