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24. November 2009, 11:51 Uhr

Was bringt das Betreuungsgeld?

Pro und Contra

Sollen Eltern, die ihre Kinder nicht in den Kindergarten geben, Geld vom Staat bekommen? Ja, sagt Christoph Schäfer, Erziehung ist eindeutig Familiensache. Manuela Pfohl widerspricht.

Erziehung gehört in die Familie

Die Deutschen, so scheint es dieser Tage, trauen sich selbst nicht mehr über den Weg. Die allermeisten Frauen in der Bundesrepublik haben eigene Kinder, doch die Mehrheitsmeinung im Land geht dahin, dass sich der Staat um die Erziehung der Kleinen kümmern sollte. Je früher, desto besser!

Natürlich muss ein Kind mit sechs, sieben Jahren in die Schule und sollte nicht etwa daheim erzogen werden. Daran zweifelt in Deutschland seit Jahrzehnten niemand mehr. Auch ein Kindergarten, in den die Kleinen häufig bereits mit drei Jahren geschickt werden, hat sein Gutes. Was aber ist das Beste für die Kleinsten der Gesellschaft?

Zu niedrig, aber ein Anfang

Die Schutzwürdigsten können in den ersten drei Lebensjahren am Sinnvollsten zu Hause erzogen werden. Der Elternteil, der deshalb nicht arbeiten geht, soll dafür als Anerkennung 150 Euro im Monat erhalten. Der Betrag ist zwar zu niedrig, doch er ist immerhin ein Anfang.

Die Mehrheit der veröffentlichten Meinung sieht das anders. Der moderne Zeitgeist will die Kinder quasi direkt aus dem Kreißsaal in staatliche Obhut schicken und hält das ab 2013 geplante Betreuungsgeld für unnütz. "Die deutsche Unterschicht versäuft die Kohle ihrer Kinder!", poltert beispielsweise Heinz Buschkowsky, der berühmte Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln.

Dabei krankt der Streit gleich an zwei zentralen Stellen: Erstens rufen die Gegner des Betreuungsgelds immer "Kita-Plätze STATT Betreuungsgeld". Dabei könnte beides finanziert werden, wenn die Politik nur wirklich wollte. "Kita-Plätze UND Betreuungsgeld" wäre für alle die mit Abstand beste Lösung.

Noch zu klein gedacht

Zweitens macht sich die ganze Republik nur noch darüber Gedanken, ob die Kinder von Arbeitslosengeld-II-Beziehern damit am besten fahren. Das ist viel zu klein gedacht! Die übergroße Mehrheit der Kinder in Deutschland wächst nicht in Hartz-IV-Haushalten auf. Und anders als es mancher Fernsehbeitrag vermuten lässt, ist die übergroße Mehrheit der Betroffenen auch nicht dauer-alkoholisiert und unzurechnungsfähig, sondern schlicht ohne Job und deshalb in materieller Not. Welches Menschenbild steckt also hinter der Vermutung, Langzeitarbeitslose würden sich nicht mehr gut um ihre Kinder kümmern!?

Kurz gesagt: Die allermeisten Familien können mit Geld vernünftig umgehen und wissen selbst am besten, wie sie zusätzliches Geld am sinnvollsten verwenden. Gleiches gilt für die Erziehung: Die Allermeisten können ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren prima zu Hause betreuen. 150 Euro als Anerkennung für zahlreiche durchwachte Nächte und unzählige Windel-Wechsel sind angesichts von Hunderten Milliarden Euro für die Rettung deutscher Banken sicher nicht zu viel verlangt.

Stimmen Sie Christoph Schäfer zu? Oder haben Sie eine andere Meinung? Diskutieren Sie das Thema unter www.stern.de/betreuungsgeld.

KOMMENTARE (2 von 2)
 
so-zi-al (25.11.2009, 12:28 Uhr)
Sehr gelungen!
Da ist dem "stern" aber eine schöne Kombination gelungen: Der eine Autor, Christoph Schäfer, sagt alles, was zu sagen ist, durchaus pointiert, aber rein argumentativ, und die andere Autorin, Manuela Pfohl, schreibt einen solch tendenziösen Stuss dagegen, dass er direkt als Realsatire gegen die Gegner des Betreuungsgeldes verwendbar ist, ich zitiere nur "Da ist sie also wieder, die deutsche Mutti" oder "Betreuungsgeld ist keine Garantie für gute Erziehung". - Argumentiert Ihr Gegner des Betreuungsgeldes immer nach dem Motto "Wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich lese was ich schreibe?" Wer behauptet denn, dass das Betreuungsgeld eine "Garantie für gute Erziehung" sein soll? Und wollt Ihr allen Ernstes behaupten, dass "Betreuung" eine "Garantie für gute Erziehung" wäre? Immer mehr Kinder landen den ganzen Tag in der Kindertagesstätte, im Hort, in perversen Ganztagsschulen - und was kommt bei den Universitäten an? Menschliche Wracks, die jede Sozialisation vermissen lassen, asoziale Ellenbogenmentalitäten, die perversen Unsinn wie den "Bachelor" widerstandslos akzeptieren und sich noch gegen den Bildungsstreik wenden, weil womöglich ihre Vorlesung ausfallen und ihr Studium ein Semester länger dauern könnte! - Bei so viel Dummheit wird mir regelmäßig speiübel!
thoelz (25.11.2009, 10:33 Uhr)
Warum Bargeld?
Keine Frage: Kindererziehung sollte stärker anerkannt und gefördert werden.

Der Einwand, die 150 ? des B Betreungsgeldes könnten zweckentfremdet ausgegeben werde, halte ich allerdings für sehr berechtigt - egal ob von deutscher Unterschicht versoffen oder für Flachbildschirme ausgegeben.

Zudem würde dies den falschen Anreiz für Migranten darstellen, nämlich ihre Kinder daheim zu lassen, mit den daraus ergebenden negativen Folgen bzgl des Erlernens der deutschen Sprache.
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