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Verbietet nicht die Hilfe zum Sterben

Der Bundestag debattiert über Sterbehilfe. Viele Abgeordnete, darunter Angela Merkel und Gesundheitsminister Hermann Gröhe, wollen organisierte Hilfe zum Suizid verbieten. Doch der Gesetzentwurf, den sie unterstützen, ist rechtlich unlogisch und unmoralisch.

Von Laura Himmelreich

Sterbehilfe-Debatte im Bundestag

Unsere Autorin findet, es ist unmoralisch, Sterbenswillige alleine zu lassen oder sie zu zwingen, Freunde und Angehörige um Hilfe beim Suizid zu bitten

Es ist nicht verboten, sich selbst umzubringen. Kein Mensch, der einen Suizidversuch überlebt, muss fürchten, dass er anschließend vor Gericht landet. Und das ist auch gut so. Denn es gibt keine staatlich verordnete Pflicht zum Leben.

Doch jetzt wollen viele Bundestagsabgeordnete, darunter auch Angela Merkel, Gesundheitsminister Hermann Gröhe und die Fraktionsvorsitzenden der Koalition, die Hilfe zum Suizid verbieten - zumindest dann, wenn sie organisiert ist, zum Beispiel durch Vereine oder durch Ärzte, die häufiger beim Sterben helfen. Rechtlich ist das unlogisch. Moralisch ist es verwerflich.

140 Strafrechtler, darunter renommierte Professoren, wehren sich gegen dieses Vorhaben. Denn wie kann der Suizid erlaubt sein, aber die Hilfe dazu verboten? Juristisch stringent ist das nicht. Doch viele Politiker ignorieren diesen Einwand. Geht es nach Merkel, Gröhe und Co., droht Ärzten, die mehrfach Hilfe bei der Selbsttötung leisten, gar eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Der Gesetzesentwurf ist unmoralisch

Auch moralisch ist der Gesetzesentwurf verwerflich. Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich selbst zu töten, verdienen jede nur denkbare Hilfe: psychologische Betreuung, medizinische Beratung und palliativmedizinische Begleitung, um ihre Schmerzen zu mildern. Doch wenn ein Mensch ernsthaft die Absicht hat, sein Leben zu beenden, wird er sich nur an Stellen wenden, die ihm im Fall der Fälle auch beim Sterben helfen. Kein Patient wird jedoch seinen Arzt in Bedrängnis bringen wollen, indem er ihn um Hilfe bittet, wenn dem Arzt droht, so seine Zulassung zu verlieren oder sich gar strafbar macht.

Es muss jedoch Möglichkeiten für Menschen mit Todeswunsch geben, eben diesen offen zu äußern. Nur dann können Ärzte und Psychologen unnötige und unnötig grausame Selbsttötungen verhindern. Es ist unmoralisch, Sterbenswillige alleine zu lassen oder sie zu zwingen, Freunde und Angehörige um Hilfe beim Suizid zu bitten. 

Es ist aber auch unmoralisch den Ärzten gegenüber. Diese brauchen Rechtsicherheit und eben deshalb die Erlaubnis helfen zu dürfen, wenn ein kranker Mensch nicht mehr leiden möchte. Im Zweifelsfalle müssen sie es auch mehrfach tun dürfen. Denn warum sollte eine Handlung ein Mal erlaubt sein, zwei, drei oder vier Mal aber nicht?

Der Staat muss dem Urteil der Ärzte vertrauen. Die Gründe, warum Menschen nicht mehr leben wollen, sind unendlich vielfältig. Der Staat kann Barrieren bauen, um leichtfertige Suizide zu verhindern, durch mehrere verpflichtende ärztliche Gutachten zum Beispiel. Bis ins letzte Detail regulieren kann er den Suizid nicht.

Geld verdienen mit dem Sterben anderer

Es bleibt die Frage, ob man mit dem Sterben anderer Geld verdienen darf. Hier ist es das gute Recht der Bundestagsabgeordneten zu sagen: Das wollen wir nicht. Das finden wir abstoßend. Doch bei solchen Organisationen reicht es, Geldstrafen zu verhängen. Dann rechnen sich ihre Geschäfte nicht mehr. Die härteste Keule des Staates, das Strafrecht, braucht man dafür nicht. Im Übrigen werden solche Vereine ohnehin überflüssig, wenn Ärzte helfen dürfen.

Noch bis Herbst werden viele Bundestagsabgeordnete mit sich ringen, welchem der vorliegenden Gesetzentwürfe zur Sterbehilfe sie zustimmen. Es gibt Vorschläge, die Ärzten mehr Rechtsicherheit bieten und Sterbenswillige weniger bevormunden. Hoffentlich nehmen sich die Abgeordneten im Sommer die Zeit, diese zu lesen und folgen nicht blind dem Entwurf, auf dem die Namen der Kanzlerin, des Gesundheitsministers und der Fraktionsvorsitzenden stehen. 

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