Umfragedesaster und ein neues Fettnäpfchen

5. April 2013, 06:46 Uhr

Zuletzt hatte Peer Steinbrück kaum Negativ-Schlagzeilen gemacht, dennoch ist der Umfrage-Abstand zur Kanzlerin so groß wie nie. Jetzt bringt ihm eine Äußerung zum Sportunterricht neuen Ärger ein.

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35 Prozentpunkte hinter der Kanzlerin: So groß war der Abstand Steinbrücks zu Merkel im Deutschlandtrend noch nie©

In den vergangenen Wochen blieben die Negativ-Schlagzeilen aus, aber auch die Ruhe scheint dem Image von Peer Steinbrück nicht gut zu tun: Im ARD-Deutschlandtrend ist der SPD-Kanzlerkandidat weiter zurückgefallen.

Im Direktvergleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel würden ihn demnach nur 25 Prozent der Befragten wählen, das ist ein Prozentpunkt weniger als im Vormonat. Die CDU-Vorsitzende Merkel kommt dagegen auf einen Wert von 60 Prozent (plus zwei) - einen so großen Abstand zwischen den beiden Politikern gab es im Deutschlandtrend noch nie.

Steinbrück für getrennten Sportunterricht

Jetzt bringt sich Steinbrück selbst mit einer umstrittenen Äußerung zurück in die öffentliche Kritik: Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, sprach sich der SPD-Mann bei einer Veranstaltung in Berlin für getrennten Sportunterricht von muslimischen Mädchen und Jungen aus. "Wenn die Schulen es einrichten können, sollten sie da Rücksicht auf die religiösen Gefühle nehmen und getrennten Sportunterricht anbieten", zitiert die Zeitung den SPD-Politiker.

Steinbrück habe auf die Frage eines Schülers geantwortet, wie weit Toleranz gehen solle. Der Junge habe von einem muslimischen Vater erzählt, der sich gegen gemeinsamen Sportunterricht seiner Tochter mit Jungen gewehrt hatte. Steinbrück habe daraufhin eingeräumt, dass dies "ein schwieriges Thema" sei, zu dem alle "eine andere Meinung" hätten.

Berlins langjährige Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) nannte Steinbrücks Äußerungen rückwärtsgewandt. "Die Diskussion über eine Trennung ist von gestern", sagte sie dem Blatt. "Kinder und Eltern müssen sich daran gewöhnen, dass die Geschlechter bei uns gemeinsam aufwachsen und gleichberechtigt leben." Getrennter Unterricht sei "der falsche Weg". Der FDP-Innenpolitiker Serkan Tören sprach von einem ganz falschen "Signal für die Integration von Muslimen in Deutschland".

Mehr Glanz durch Treffen mit Hollande?

Steinbrück trifft heute in Paris mit einem weiteren angeschlagenen Sozialdemokraten zusammen: Der SPD-Kanzlerkandidat besucht den französischen Präsidenten François Hollande, der zuletzt in Umfragen abgestürzt war und durch eine Schwarzgeld-Affäre in den eigenen Reihen zusätzlich unter Druck gerät.

In seinem Präsidentschaftswahlkampf 2011 hatte Hollande während eines Auftritts beim SPD-Parteitag in Berlin den deutschen Sozialdemokraten Unterstützung aus Frankreich zugesichert.

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