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Wähler laufen Union wegen Flüchtlingskrise in Scharen davon

Angela Merkel sagt zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zwar "Wir schaffen das", die Wähler sehen das aber anders. Die Zustimmung zur Union sinkt rapide. Und viele Bundesbürger stimmen inzwischen sogar Pegidas "Lügenpresse"-Vorwurf zu.

Kanzlerin Angela Merkel gerät wegen ihrer Flüchtlingspolitik immer stärker unter Druck

In Sorge: Kanzlerin Angela Merkel gerät wegen ihrer Flüchtlingspolitik immer stärker unter Druck. In der Wählergunst sackt ihre Union rapide ab.

Die Beunruhigung angesichts der anhaltenden Flüchtlingskrise lässt die Union im Vergleich zur Vorwoche gleich um zwei Prozentpunkte abrutschen. Im stern-RTL-Wahltrend kommen CDU/CSU jetzt nur noch auf 36 Prozent - 5,5 Prozentpunkte weniger als bei der Bundestagswahl 2013. Das ist ihr schlechtester Wert seit drei Jahren.

Die SPD profitiert vom Sympathierückgang der Union allerdings nicht und liegt weiterhin bei 24 Prozent. Dafür legt die FDP um zwei Punkte zu und wäre nun mit 6 Prozent sicher im Bundestag vertreten. Die Grünen behaupten ihre 11 Prozent, während die Linke einen Punkt verliert und nun bei 9 Prozent liegt.

Nutznießer AfD? Weit gefehlt

Auch die AfD büßt wieder einen Punkt ein und steht in dieser Woche wieder bei 6 Prozent, während der Wert der kleineren Splitterparteien von 6 auf 8 Prozent ansteigt. Der Anteil der Nichtwähler und Unentschlossenen beträgt weiterhin 34 Prozent und ist damit deutlich größer als bei der Bundestagswahl 2013.

Der abgesackte Präferenzwert der Union wirkt sich auch auf die Kanzlerpräferenz aus. Wenn die Spitze des Kanzleramts direkt gewählt werden könnte, würden sich nur noch 46 Prozent der Wahlberechtigten für Angela Merkel entscheiden. Sie liegt damit aber immer noch 30 Prozentpunkte vor Sigmar Gabriel mit 16 Prozent.

Bei der politischen Kompetenz - welche Partei also mit den Problemen in Deutschland am besten fertig wird - büßen sowohl CDU/CSU als auch die SPD jeweils einen Punkt ein auf 24 beziehungsweise 9 Prozent. 8 Prozent trauen anderen Parteien, 59 Prozent allerdings keiner Partei politische Kompetenz zu.

Tschüss, Union. Hallo FDP!

Wo die CDU-Abwanderer geblieben sind, hat Forsa-Chef Manfred Güllner ermittelt: "Von den Abwanderern, die 2013 noch die CDU gewählt haben, ihr derzeit aber nicht mehr ihre Stimme geben würden, sind 15 Prozent zur FDP, 12 Prozent zur SPD, 11 Prozent zur AfD und je 6 Prozent zu den Grünen und den Splitterparteien weitergewandert." 50 Prozent allerdings befänden sich im Lager der Nichtwähler und Unentschlossenen – und seien deshalb, so Güllner, auch leichter wieder zur Rückwanderung zur CDU zu bewegen.

In einer weiteren Umfrage für den stern untersuchte das Forsa-Institut das Verhältnis der Bundesbürger zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung. Seit es die Pegida-Demonstrationen in Dresden gibt, wurde immer wieder behauptet, dass die Pegida-Sympathisanten aus der Mitte der Gesellschaft kämen. Diese Einschätzung wurde schon zu Beginn des Jahres von einer Minderheit von 26 Prozent der Deutschen geteilt. Jetzt sind noch 22 Prozent der Meinung, dass Pegida für die Mitte der Gesellschaft stehe. Für die große Mehrheit von 70 Prozent ist Pegida allerdings nur eine kleine Gruppe am rechten Rand des politischen Spektrums.

44 Prozent halten "Lügenpresse"-Vorwurf für legitim

Um zu prüfen, inwieweit inhaltliche Positionen aus dem Pegida-Umfeld geteilt werden, wurden den 1002 repräsentativ ausgesuchten Bundesbürgern zehn Original-Aussagen vorgelesen - mit der Bitte anzugeben, ob sie der jeweiligen Aussage voll und ganz, eher, eher nicht oder überhaupt nicht zustimmen. Eine nennenswerte Zahl von Deutschen, nämlich 44 Prozent, stimmt mehr oder weniger lediglich der kritischen Einschätzung der "Lügenpresse" zu, nach der die Medien in Deutschland "von ganz oben gesteuert" würden und deshalb "geschönte und unzutreffende Meldungen" verbreiteten.

26 Prozent stimmen eher bis voll und ganz zu, dass Muslime nicht in Frieden leben könnten und den Krieg auch hierher brächten - 74 Prozent waren dieser Meinung nicht. 20 Prozent teilten mehr oder weniger die Auffassung, dass die Flüchtlinge ihr Gastland auf verschiedene Weise erpressen, um das zu bekommen, was sie fordern.

Die restlichen sieben Positionen aus dem Pegida-Umfeld finden jedoch nur Zustimmung bei maximal einem Zehntel der Bundesbürger. Beispiel: Der Aussage "Die von Merkel gerufenen Flüchtlinge wollen unsere Geschäfte plündern, unsere Frauen und Töchter vergewaltigen und unsere Wohnungen demolieren, ohne dass sie bestraft werden" schließen sich nur 2 Prozent der Deutschen voll und ganz und 2 Prozent eher an. Von den Anhängern der AfD dagegen teilten diese Position 34 Prozent (eher bis voll und ganz).

Während diese Meinungen aus dem Pegida-Umfeld von den Anhängern der Union, der SPD, der Grünen, der FDP und der Linken in geringerem Umfang geteilt werden als vom Durchschnitt aller Bundesbürger, stimmen AfD-Anhänger in deutlich höherem Maße als alle anderen Befragten den einzelnen Pegida-Positionen zu.

Datenbasis Wahltrend: Das Forsa-Institut befragte vom 19. bis 23. Oktober 2015 im Auftrag des Magazins stern und des Fernsehsenders RTL 2501 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 2,5 Prozentpunkten. 

Datenbasis Pegida-Umfrage: Das Forsa-Institut befragte am 22. und 23. Oktober 2015 im Auftrag des Magazins stern 1002 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. An 100 Prozent fehlende Angaben: weiß nicht. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten



Werner Mathes

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Kommentare (6)

  • Default Author
    Stern-Moderation

    Hat die Union in der Flüchtlingskrise auch Ihrer Meinung nach falsch reagiert?

  • stern-Moderation
    Wir verabschieden uns für heute und schließen die Kommentare unter diesem Artikel. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an sterncommunity@stern.de /cs
  • athenapallas
    athenapallas
    Ich habe seit einem Jahrzehnt erstmals das Gefühl, dass Frau Merkel das Land wirklich regiert.
    Ich bewunder die Standfestigkeit von Frau Merkel, die hier nach ihrem Herzen handelt.
    Sie tut das nenschlich richtige und genau so eine Kanzlerin wünsche ich mir für Deutschland.
    Wir sind ein starkes Land, und das auch weil wir von schwächeren Ländern profitieren. Es ist Zeit mal etwas zurückzugeben.
    Ich werde noch Merkel-Fan.
  • Sevenfifty 01
    Sevenfifty 01
    Die Union aus SPD, CDU, Linke und Grüne haben uns eine Entwicklung eingebrockt, an der wir noch viele Jahre tragen werden. Alle Lösungsansätze wie Bekämpfung der Fluchtursachen, die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU etc. sind gescheitert. Warum gibt es keinen Diskurs und entsprechende Beschlüsse im Parlament? Wir Bürger sind unisono außen vor. Wähnte ich mich vor Kurzem noch in der Mitte unserer Gesellschaft muss ich nun realisieren als Menschenfeind und Ausgrenzer abgestempelt zu werden. Durch unsere Gesellschaft geht ein tiefer Riss. Wir werden sehen, wer tatsächlich die Mehrheit in diesem Lande verkörpert. Bis dahin heißt es Augen zu und durch.
  • Sevenfifty 01
    Sevenfifty 01
    44 Prozent halten "Lügenpresse"-Vorwurf für legitim.

    Wer in den letzten Wochen und Monaten auf die deutsche Presse und Nachrichtensender angewiesen war, ist arm dran. Besonders der Stern ist immer auf Linie. Die Berichterstattung wird zwar nicht zentral von oben aber doch vom vermeintlichen Mainstream gesteuert. Meinung und sogenannte Berichterstattung gehen kreuz und quer durcheinander. Habe ich mich vor einiger Zeit noch primär beim Spiegel, Stern und WDR 5 bzw. Tagesschau informiert, bin ich heute auf ausländische Medien angewiesen. Mein Vertrauen in die deutsche Berichterstattung geht nun gegen null. Diese Einschätzung teilt der größte Teil meiner Bekannten und Freunde. Ich kann jetzt nach empfinden wie sich die Menschen in der DDR gefühlt haben müssen. Ich kaufe jedenfalls auf absehbare Zeit keine Nachrichtenmagazine mehr.
  • Iblis
    Iblis
    "Hat die Union in der Flüchtlingskrise auch Ihrer Meinung nach falsch reagiert?"

    Von einer falschen Reaktion zu sprechen scheint mir hier nicht auszureichen. Der Regierung war bekannt, dass die bis dahin angefallene Zuwanderung längst nicht bewältigt ist. Man wusste, welches zahlenmäßige Potential dort besteht, dass die Aufnahme in Europa eine Sogwirkung hat und dass die Gründe für die Flucht noch lange andauern werden. Ferner war und ist jedem klar, dass es eine Lösung dieser Probleme nur in den fraglichen Ländern und durch die betroffenen Menschen selbst geben kann. Wenn die Unzufriedenen eine Ausweichmöglichkeit haben, ändert sich dort umso weniger.

    Die Regierung hätte sofort jeder unerlaubten Einreise entgegenwirken müssen. Möglicherweise war- und ist es sogar nötig, die Regelungen für Flucht und Asyl sehr viel enger zu fassen, weil sie in der jetzigen Form angesichts der Größenordnungen obsolet sind. Natürlich ist so etwas unbequem und unpopulär. Wer das allerdings scheut, kann keine Verantwortung tragen - schon gar nicht für ein ganzes Land.

    Die Untätigkeit, das Verschleudern von Geld (welches vorher angeblich nicht da war), die bewusste Irreführung (da kommen Fachkräfte, wir schaffen das), das Unterdrücken und Zurechtschrauben von Zahlen und Meldungen, der rücksichtslose Umgang mit den Nachbarländern, der unangemessene Druck auf Kritiker - nein, das alles ist nicht nur eine "falsche Reaktion".
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