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Superwahljahr 2009 - Berichte & Umfragen

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11. September 2009, 11:10 Uhr

Wahlkrampf im Web

Barack Obama hat's vorgemacht – jetzt wollen die deutschen Parteien im Netz punkten. Neue Webauftritte wurden geschaffen, die Politiker stürmten die sozialen Netzwerke. Und dann? Von Björn Erichsen

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"Frag Angie" heißt ein Videoformat mit der Kanzlerin© team2009.de

Wer verstehen möchte, wie die etablierten Parteien Online-Wahlkampf betreiben, möge sich auf dem Youtube-Kanal der CDU das Format "Frag Angie" anschauen. Darin beantwortet die Bundeskanzlerin vor laufender Kamera ausgewählte Fragen von Internet-Nutzern. Sie gibt ein paar Belanglosigkeiten zum Urheberrecht zum Besten, rühmt ihre Verdienste für Rente und Generationenvertrag und darf auch noch Konkurrent Steinmeier einen mitgeben. Ihr gegenüber sitzt ein breitschultriger Moderator und nickt artig. Ab und an kommentiert er: "Verstanden!" oder "Klare Antwort!". Das Werbefilmchen dauert etwas länger als 16 Minuten und wäre nur halb so peinlich, würde es der Moderator am Ende nicht frohgemut zum "Sozialen-Netzwerk-Interview" erklären, zu "CDU.TV 2.0 sozusagen".

Im Netz tobt der Wahlkampf, in Scharen haben sich die Volksvertreter ins Web 2.0 aufgemacht, um vor der Bundestagswahl am 27. September die Stimmen der Netzgemeinde zu gewinnen. Ein dichtes Geflecht von Websites soll die Bürger informieren und zum Mitmachen ermuntern. Die Parteien betreiben Videokanäle, da wird gebloggt und getwittert, und natürlich haben Guido, Frank-Walter, Oskar und all die anderen auch eigene Profile in den Social Networks. Das sieht gut aus, ist modern und natürlich total Obama: Hat doch der US-Präsident im letzten Jahr vorgemacht, wie man im Netz Spenden, Unterstützer und schließlich Wahlen gewinnt. Im deutschen Wahlkampf 2009 gibt es da nur ein Problem: Es funktioniert nicht.

Nur technisch auf dem neuesten Stand

Technisch gesehen ist alles auf dem neuesten Stand. Zwischen fünf und zehn Prozent ihres Budget investieren die etablierten Parteien in den Online-Wahlkampf und haben ihren Webseiten im Wahljahr allesamt einen neuen Anstrich verpasst. Im Zentrum stehen Kampagnenseiten, die "meinespd.net", "team2009.de", "mitmachen.fpd.de", meinekampagne.gruene.de" oder "linksaktiv.de" heißen und sämtliche Grundfunktionen des Web 2.0 erfüllen: Wer als "Unterstützer" mitmacht, bekommt ein eigenes Profil, kann Fotos hochladen, einen Blog anlegen und sich mit "Freunden" vernetzen. Spenden kann man online natürlich auch, das macht aber kaum einer in Deutschland.

Die Idee ist durchaus zeitgemäß: Politisch Interessierte können sich engagieren, ohne gleich Parteimitglied werden zu müssen. Und Arbeit gibt es genug: Telefonkampagnen, Veranstaltungen organisieren, Plakate kleben. Die SPD fordert zum "Aktiv fernsehen" auf und will, dass man zum TV-Duell Wahlpartys organisiert. Bei den Grünen kann man über den Namen des Wahlmaskottchens, einen grünen Eisbären, abstimmen. Unter anderen stehen "Grüno", "Gero" oder "Fairbär" dort zur Auswahl. Die CDU dagegen verteilt Fleißpunkte, 20 gibt es für einen positiven Twitter-Eintrag, 200 für einen Leserbrief. Die Punktbesten fahren am Wahlabend nach Berlin. Den Willen der Fans berücksichtigende Aktionen wie die von der FDP, bei der über den Wahlslogan abstimmt werden konnte, sind allerdings eine echte Seltenheit im deutschen Online-Wahlkampf. Das Ergebnis der Liberalen lautet übrigens: "Leistung muss sich lohnen".

"Bei den Parteien heißt es noch sehr häufig: Mitarbeit ja, Mitbestimmung nein", sagt Christoph Bieber vom Zentrum für Medien und Interaktivität in Gießen. "Die Parteien tun sich schwer mit den flacheren Hierarchien im Netz und fürchten, die Kontrolle über ihre Kampagnen zu verlieren." Vermutlich ist auch das ein zentraler Grund, warum die Resonanz auf die Angebote der Parteien im Netz eher überschaubar ist: So kommen CDU und SPD, selbst jetzt, in der heißesten Wahlkampfphase, mit ihren Plattformen gerade einmal auf gut 25.000 beziehungsweise 17.000 Unterstützer - bemerkenswert wenig für zwei Volksparteien mit zusammen mehr als einer Million Mitglieder.

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KOMMENTARE (5 von 5)
 
Mikeorganizer (12.09.2009, 09:56 Uhr)
Also das ist ja schon bitter.....
erst treten die Parteien unsere Grundrechte und die Internetfreiheit mit Füßen. Hacken auf den Gamern als potenzielle Kinderschänder und Schulamokläufer rum - setzen den Internetzensurgrundstein und geben zur Krönung auch noch ihre verlogenen, schöngetünschten Wahlversprechungen in diesem Medium zu besten. Sie treten also nicht nur auf den Grundrechten jedes Bürger (ähm ..habs vergessen...jedes potenziellen Terroristen meinte ich natürlich) , sondern verhöhnen ihn auch noch damit, dass sie sich ganz unverschämt des Mediums bedienen welches sie zukünftig zensieren und kontrollieren wollen um jetzt ihre Lügenpropaganda zu verbreiten. Ich frage mich, was muss dem gemeinen Deutschen Bürger noch wiederfahren, dass er endlich aufsteht und sich gegen diese volksfeindliche Organe wehrt ? Ich sage nur - meine Quittung ist klar - 27.09.09 !!
lowbas (11.09.2009, 16:43 Uhr)
Der Einzige der es auf den Punkt bringt,
warum man wählen gehen sollte, ist der Kabarettist Wilfried Schmickler von den Mitternachtsspitzen des WDR in seinem Beitrag: http://www.youtube.com/watch?v=HvUP6mj2q_8
olga1805 (11.09.2009, 16:35 Uhr)
Was sich das "KOHLMADEL" . . . .
in letzter Zeit so alles verbittet. Jetzt wieder der OpelTreuhänder, damals Kritik am Luftangriff. Bescheidene Frage : Darf man sich auch langsam dieses Madel verbitten. Ich glaube ganz ernst, es reicht mit undemokratischen Äußerungen und Handlungen. Meine Rache : 27.09
ganzbaf (11.09.2009, 16:24 Uhr)
Bei der SPD gibt es...
nicht mal ein offenes Parteien- Diskussionsforum...
Seit 3 Jahren nicht mehr..;-S
entienti (11.09.2009, 15:28 Uhr)
Wahl des Deutschen Bundestages 2009
Kleine interessante Zusammenfassung der Zeitgeschichte.
Für meine Begriffe, durchaus lesens- verfolgens- und anschauenswert.

Übrigens AUCH und GERADE für Politiker!

http://newstopaktuell.wordpress.com/category/wahl-des-deutschen-bundestages-2009/
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