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Autotrend: Geiler Geiz in kleinen Wagen

Sparmobile statt Spritfresser sind gefragt. Autozwerge wie VW Fox oder Toyota Aygo helfen, an der Tankstelle bares Geld zu sparen.

Angesichts der Rekordbenzinpreise achten Kunden beim Autokauf immer stärker auf den Kraftstoffverbrauch. Sparmobile statt Spritfresser sind gefragt. Autozwerge wie VW Fox oder Toyota Aygo helfen, an der Tankstelle bares Geld zu sparen. Mit einem Verbrauch von 4,5 bis 5 Litern sind sie den Kompaktwagen wie Astra oder Golf klar überlegen. "Der Markt für Kleinstwagen wächst, weil die Geiz-ist-Geil-Stimmung vorherrscht und die Leute weniger Geld im Portemonnaie haben", sagt Jürgen Pieper, Autoexperte der Metzler Bank.

Weniger Geld, auch für das Auto

Die Autobauer überbieten sich vor der Internationalen Automobil- Ausstellung IAA darin, kleine und sparsame Wagen für weniger als 10 000 Euro anzukündigen. Teurer Sprit, sinkende Einkommen und überfüllte Innenstädte machen die Mini-Autos attraktiv. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) setzt auf geringen Benzinverbrauch als Werbebotschaft: Die Flotte der ausländischen Autohersteller habe 2004 durchschnittlich nur noch 6,8 Liter verbraucht, heißt es.

"Das Kleinwagen-Segment wurde über Jahre hinweg vernachlässigt", sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. "Nun hat die Konzentration auf das untere Segment den deutschen Automarkt belebt." Von Januar bis Juli dieses Jahres wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 70 636 Kleinwagen neu zugelassen - das waren 4,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das Prognose-Institut B & D Forecast erwartet, dass das Kleinwagen-Segment von derzeit knapp 3,6 auf 7 Prozent im Jahr 2007 wächst.

Je kleiner das Auto, desto geringer die Marge

Seit Frühjahr sind der VW Fox, die auf einer gemeinsamen Plattform basierenden Drillinge Peugeot 107, Citroen C1 und Toyota Aygo unterwegs. Im nächsten Jahr soll eine ganze Palette neuer Kleinwagen auf den Markt rollen. Erwartet werden ein Van des VW-Fox sowie die neuen Stadtflitzer Ford Ka, Daihatsu Cuore, Opel Agila und Renault Twingo. "Der Preis ist das entscheidende Argument für den Autokauf bei solchen Haushalten, die nur eine begrenzte Summe zur Verfügung haben", sagt Heymann.

Als Rettungsanker für deutsche Hersteller taugen Kleinwagen nach Expertenansicht nicht. "Je kleiner das Auto, desto geringer die Marge", sagt Jürgen Pieper. Zu eng seien die Preise kalkuliert, zu gering die Ausstattung. "Die Autohersteller schreiben mit Kleinwagen in der Regel eher rote Zahlen." Als Paradebeispiel gilt der Verlustbringer Smart unter dem DaimlerChrysler-Dach. In den Mini- Segment tummeln sich vor allem Importeure wie Peugeot, Citroen und Toyota.

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Keine Lösung für den Standort Deutschland

Der Standort Deutschland hat bei dieser Entwicklung das Nachsehen. Die Kleinwagen werden in der Regel im Ausland gebaut, weil Deutschland wegen der hohen Kosten nicht wettbewerbsfähig ist. Der Fox entsteht in Brasilien, der Logan im rumänischen Pitesti. "Die Verlagerung der Autoproduktion ins Ausland gewinnt an Tempo, das ist schlecht für Produktion und Beschäftigung in Deutschland", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Die Käufer verlangen aber auch beim Billigwagen einigen Komfort und Sicherheit. Kein Renner ist daher der als "Geizauto" gefeierte Dacia Logan, der gerade einmal 7200 Euro kostet. Knapp drei Monate nach dem Start in Deutschland sind nur 796 dieser Einfach-Autos zugelassen. Zum Vergleich: Beim Fox, dem VW-Einstiegsmodell, waren es allein im Juli 3 788 Neuzulassungen. Und nachdem der Logan jüngst bei der "Elchtest"-Fahrwerksprüfung des ADAC umgekippt ist, dürfte sich am schleppenden Absatz auch nicht viel ändern.

Marion Trimborn/DPA

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