HOME

Brilliance in Europa: Kampfansage im Glückskeks

Zuerst Deutschland, Österreich, Polen, die Schweiz und Benelux. Bis 2008 dann ganz Europa. Widerstand ist zwecklos: Die Chinesen kommen.

Es klingt so, als würde ein General seine Truppen in die Schlacht ausschicken: Zuerst Deutschland, Österreich, Polen, die Schweiz und Benelux. Bis 2008 dann ganz Europa. 3.000 Autos noch in diesem Jahr, in 2007 schon 15.000 und in 2010 nicht weniger als 75.000 Stück. Autoimporteur Hans-Ulrich Sachs von HSO Motors Europe hat viel vor mit seinem neuesten "Baby"" Brilliance JinBei Automobile. Schon im Dezember kommen die ersten BS6 nach Deutschland - knapp fünf Meter lange Limousinen der gehobenen Mittelklasse. Dann soll es Schlag auf Schlag gehen. Ein Kompaktwagen und ein SUV sind in der Pipeline, auf der Automesse in Peking war bereits das Coupé M3 zu sehen.

Die Resonanz auf die Markteinführung der Chinesen in Deutschland jedenfalls war enorm. Mehr als 200 Journalisten aus acht Ländern waren nach Bonn gekommen. Ein ganzes Heer von Kamera-Teams umlagerten Hans-Ulrich Sachs sowie den Brilliance JenBei-Chef Yu Min Qi und dessen Vize Yang Bo.

Sonnige Zeiten für das Land der Mitte

Mit einem trockenen "Guden Dach"" begrüßte Yu Min Qi die Gäste, um dann auf Chinesisch fortzufahren. "An diesem sonnigen Tag feiert Brilliance seine Markteinführung", ließ er über seinen neben ihm sitzenden Dolmetscher verlauten. Statt blumiger Reden, gespickt mit fernöstlichen Weisheiten, gab es dann aber harte Fakten, klare Strategien und sehr viel Selbstbewusstsein. Die Chinesen legen den etablierten Herstellern eine unmissverständliche Nachricht in den Glückskeks: Mit uns müsst ihr rechnen.

Brilliance hat in China etwa 9.100 Mitarbeiter, produziert Minibusse, Kleinlaster und PKW. Das Unternehmen erwirtschaftete 2005 einen Umsatz von umgerechnet 523 Millionen Euro. Gleichzeitig betonen die Brilliance-Manager ihre engen Verbindungen zu Deutschland. Der Konzern kooperiert mit BMW, die Brilliance-Limousinen laufen in derselben Fabrik in Shenyang vom Band wie die für den chinesischen Markt bestimmten 3er und 5er. Ob Presswerke, Schweißanlagen oder Fertigungsstraßen - alles stamme von deutschen Herstellern, betonen die Chinesen stolz. "Wenn man durch die Fabrik geht, spürt man regelrecht, dass die Chinesen ein europäisch geprägtes Produkt machen wollen", sagt Hans-Ulrich Sachs. Für die Karosserie-Gestaltung des neuen BS6 zeichnete kein Geringerer verantwortlich als Italdesign. Das Fahrwerk wurde in Zusammenarbeit mit Porsche entwickelt. Der Motor allerdings kommt von Mitsubishi.

Überfluteter SUV: Mann will sich die Waschanlage sparen - doch das ist keine gute Idee

Händler bitte melden

Die China-Limousinen werden nach Bremerhaven verschifft und dort aufbereitet. Noch gibt es kein Händlernetz - aber das dürfte nicht mehr lange dauern: ""Wir haben in den Ländern der ersten Markteinführung bereits 50 Interessenten", sagt Hans-Ulrich Sachs. Die ersten Händler, die Brilliance in ihre Produktpalette aufnehmen, werde man in wenigen Wochen nennen. ""Wir werden in den wichtigsten Metropolen des Landes vertreten sein."

Bei der Sicherheit müssen die Chinesen allerdings dringend nachbessern. ESP sowie Seiten- und Kopfairbags sind in der Mittelklasse mittlerweile selbstverständlich - bei Brilliance kann man diese Extras gar nicht bieten. Beim Euro-NCAP-Crashtest fuhr der BS6 zudem mit zwei von fünf Punkten ein Ergebnis ein, das im Vergleich mit aktuellen Modellen der Konkurrenz äußerst dürftig ausfällt. Spätestens seit dem Crashtest-Desaster des Jiangling Landwind dürften Kaufinteressenten für das Thema besonders sensibilisiert sein. Der chinesische Geländewagen erreichte in einem Crashtest des ADAC katastrophale Werte.

Brilliance dagegen hat mit dem BS6 immerhin den Frontalcrash nach ECE-Norm, eine Voraussetzung für die Zulassung auf dem deutschen Markt, anstandslos hinter sich gebracht. Auch im NCAP-Test will Brilliance bald bessere Ergebnisse erzielen - "koste es, was es wolle", sagt Sachs.

Schnell-Lerner

Die etablierten Hersteller mit ihren hervorragenden Crashtest-Ergebnissen und der besseren Motorentechnik werden sich allerdings kaum auf ihren Lorbeeren ausruhen. "Die Chinesen lernen schnell", weiß Sachs. Der gelernte Mechaniker, Diplomingenieur und Honorarprofessor war unter anderem bei Volkswagen und der Dekra tätig. Unter seiner Regie wurde ab 1991 die koreanische Marke Hyundai in den deutschen Markt eingeführt. Etwa zehn Jahre dauerte es, bis sich die zuerst mitleidig belächelten Koreaner auf dem Markt behauptete - wenig im Vergleich zum langen Kampf der japanischen Hersteller. Nun will Sachs noch mehr Gas gaben und Brilliance in fünf Jahren zu einer europaweit anerkannten Marke machen.

Pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity