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Ford Focus Coupé-Cabriolet: Kölner Frischling

Fords Blech-Dach-Coupé kommt als letztes Verwandlungswunder auf den Markt. Mit italienischer Maßkonfektion, klasse Straßenlage und attraktiven Preisen will er Familien mit Sinn für Frischluft überzeugen.

Von Martin Westerhoff/Siena

Wenn ein gewöhnliches Auto zum Coupé mit versenkbarem Klappdach mutiert, muss eine gewisse Eleganz mitschwingen. So preist Fords Design-Direktor Chris Bird das neue Focus Coupé-Cabriolet auch gleich als "Ford Focus mit italienischem Maßanzug" an. Pininfarina, die Meister schwungvoller Karossen, haben schließlich mit Hand angelegt, um der Kölner Golfklasse italienischen Stil einzuflößen. Zusätzlich produzieren sie den Klappdach-Sprössling in Turin. Allgemeinen Vorurteilen zufolge passt es ins Konzept, dass es der "Italiener" mit der Pünktlichkeit nicht so genau nimmt. Peugeot 307 CC, Opel Astra TwinTop und VW Eos stehen längst bei den Händlern, während die ersten Faltdach-Focus pünktlich zur Cabrio-Saison Mitte November in Deutschland ausgeliefert werden.

Kurven-Knaller

Ein italienischer Bello gleicht Verspätung mit Temperament aus. Wovon der Focus am meisten in Kurven versprüht. Sein Fahrwerk gilt unter den Fronttrieblern der Klasse als sportlicher Primus. Bei der ersten Fahrvorstellung - passenderweise in der Toskana - konnte in dieser Hinsicht auch das Coupé-Cabriolet überzeugen. Der bei offenen Autos nachlassenden Verwindungssteifigkeit rückten die Ingenieure mit Stahlverstärkungen zu Leibe. Allerdings macht sich schwere Kost auf der Waage bemerkbar. Mit Klappdach bringt der Focus satte 220 Kilogramm mehr auf die Waage als ein Dreitürer mit gleicher Motorisierung. Pfunde, die die Leichtfüßigkeit gegenüber den anderen Karosserie-Varianten eintrüben. Trotzdem: Im Vergleich zu Eos und Co. hinterlässt das Focus Coupé-Cabriolet beim Erstkontakt einen deutlichen agileren Eindruck.

Mäusekino für's Dach

Bei der Dachkonstruktion geht Ford auf Nummer sicher. Nichts aufregend Neues, sondern eine zweiteilige Blechkonstruktion öffnet und schließt sich über den Köpfen der Insassen. Die dafür verantwortlichen fünf Hydraulikzylinder und drei Elektromotoren haben es auch nicht besonders eilig. Immerhin 29 Sekunden vergehen, um von Coupé auf Cabrio - oder umgekehrt - zu wechseln. Nett hingegen, dass das Boarddisplay mit einer Art "Ladebalken", wie er vom Computer bekannt ist, die verbleibende Zeit darstellt. Da hat der Fahrer wenigstens etwas zu tun, wenn er schon nicht weiterfahren kann: Das System funktioniert nur im Stand. Der Kölner Autobauer hofft trotzdem, dass das technologisch schlichte Dach bei den Kunden auf Dauer ankommt - wegen einer erhofften geringeren Störanfälligkeit.

Einer für alle

Anders als bei klassischen Cabrios zielt Ford darauf ab, das Focus Coupé-Cabriolet auch als Erstwagen in Familien unterzubringen. Neben der Ganzjahrestauglichkeit dank Metallmütze ist es deshalb als Viersitzer ausgelegt. Hinter einem 1,80 Meter großen Fahrer darf allerdings niemand sitzen, der deutlich über 1,70 Meter misst. Sonst wird’s eng. Für zwei Kinder reicht der Platz aber allemal. Um im Innenraum nobler als die restliche Baureihe zu sein, wurde in die Farbkiste gegriffen. Neben schwarzen Verkleidungen und dunkelgrauem Mobiliar können die Sitzbezüge auch in hellem Beige geordert werden. Dazu treten dann Armaturenbrett und sonst typisch schwarzer Kunststoff in einem dunklen Lila-Ton auf. Egal, welche Außenfarbe der Wagen hat. Weniger gewöhnungsbedürftig ist der Kofferraum: Satte 534 Liter Gepäck passen bei geschlossenem Heck hinein. Und immerhin noch 248 Liter, wenn sich die Koffer den Platz bei gutem Wetter mit dem zusammengeklappten Dach teilen müssen. Klassenbestwerte, die Limousinen-Umsteiger schätzen können.

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Lass den Diesel schieben

Zur Präsentation standen zwei der drei Motoren zur Verfügung, die bei Markteinführung zu haben sein werden: Ein 2-Liter-Benzinmotor mit 145 PS und ein 136 PS starker Turbodiesel mit ebenso viel Hubraum und Partikelfilter. Nach rund 200 Kilometer langen Testfahrten durch die kurvigen Landstraßen der Toskana war schnell klar, dass der füllige Drehmomentverlauf des Dieselmotors mit einem Maximum von 320 Newtonmetern wesentlich leichteres Spiel mit dem CC-Focus hat als die 185 Newtonmeter des Benziners. Um das über 1,5 Tonnen schwere Auto zügig voranzubewegen, muss der Benziner stets auf Drehzahl gehalten werden. Der nochmals rund 80 Kilogramm schwerere Diesel schiebt in schnell gefahrenen Kurven zwar etwas früher über die Vorderräder, hat dafür aber Druck in allen Lebenslagen. Schaltfaules Dahingleiten passt erstaunlich gut zu einem offenen Wagen. Dass wir die Einstiegsmotorisierung nicht fahren konnten, deutet darauf hin, dass der 100 PS starke 1,6 Liter Benziner wahrscheinlich mit der Masse zu kämpfen hat. Ein richtiges Kraftpaket mit jenseits von 200 PS lässt genauso auf sich warten wie ein Automatikgetriebe. Während die Ford-Leute die Automatik für 2007 versprechen, wollen sie hinsichtlich stärkerer Motoren erst noch die Kundenwünsche beobachten.

Schluss mit teuer

Wünschen werden sich die Kunden in jedem Fall den günstigen Preis. Und da wird das Focus Cabriolet-Coupé gegenüber den Konkurrenten eine interessante Alternative werden. Der 1,6-Liter-Benziner wird ab 22.975 Euro zu haben sein, der Benziner mit 2 Liter Hubraum ab 24.925 Euro und der Diesel ab 27.250 Euro. Kein schlechtes Angebot, denn neben einer Klimaanlage enthalten die Einstiegspakete alle wichtigen Sicherheitsfeatures wie beispielsweise ein elektronisches Stabilitätsprogramm. Damit der späte Auftritt im Winter auch ohne Schlingern gelingt.

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