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Hummer-Vorstellung: Friedhof der Kuschelsäufer

Maßlos der Spritverbrauch, wuchtig die Größe und ungeheuer die Geländefähigkeit. Hummer stellte in den Rocky Mountains die neuen H2 und H3-Modelle vor. Vermutlich die letzten Kolosse einer aussterbenden Art.

"Benzin ist immer noch zu billig!", sagte mir doch tatsächlich vor einiger Zeit der stimmgewaltige General Motors Chairman Bob Lutz über die Spritpreise in seiner US-Heimat, und recht hat der gestandene Mann, denn mit umgerechnet 75 Cents für den Liter Normalbenzin haben es Bobs Landsleute noch verhältnismäßig gut. Dass in Bobs Stall "gas guzzlers" wie der Cadillac Escalade oder die Hummers verkauft werden, erklärt der mächtige Mann mit der kapitalistischen Kraft der Nachfrage: "So lange die Leute es kaufen, werden wir es bauen."

Auch die Amerikaner wollen sparen

Mit der Nachfrage könnte bald Schluss sein, und mit dem Bauen auch, denn die Amerikaner beginnen ihre Liebe zu Sprit-vernichtenden Landmaschinen zu überdenken, seit sich die Preise für den Kraftstoff haben innerhalb der letzten drei, vier Jahre verdoppelt haben. In Folge der enormen Benzinpreiserhöhungen fielen innerhalb der letzten sechs Monate die Verkäufe von sogenannten "trucks" (die bei den Amis so beliebten Kleinlaster) und SUVs ins Bodenlose. Die ehemals "Grossen Drei" - General Motors, Ford und die Chrysler/Dodge-Gruppe – bekommen ihre Laster wenn überhaupt nur noch mit mächtigen Abschlägen vom Hof, und selbst die Japaner, die sich tapfer auf den hochmotorisierten Lastverkehr gewagt hatten, stehen mit blauen Augen da – die Verkäufe von Toyota, Nissan und Honda im Truck- und SUV-Segment sind im gleichen Masse ebenso rückläufig wie die der Amerikaner. Insgesamt hat der Markt um die Hälfte abgenommen.

Mit dem H1 ist es vorbei

"Don't ride a dead horse", heißt ein amerikanisches Sprichwort, man solle nie ein totes Pferd reiten. Und deshalb stellte Hummer, die General Motors-Marke zuständig für enormen Benzinverbrauch, auch vor einigen Monaten die Produktion ihres zivilen Halbpanzers H1 ein. "Unsere Hersteller brauchten die Produktionskapazitäten für die HumVees für den Irak-Krieg", redete Martin Walsh, General Manager bei Hummer, die Einstellung des zwischenzeitlich unverkäuflichen Urwelt-Monsters schön. Zeitgleich wurden Stimmen laut, dass auch den Nachfolger, den Hummer H2, das gleiche Schicksal ereilen könnte. Immerhin wurden im letzten Jahr nur noch 14.000 Stück von den nur leicht getrimmten martialischen Dampfnudeln verkauft (im Gegensatz zu über 70.000 des Stadt-freundlicheren H3), und die einstmals profitable Marge war bei solch homöopathischen Verkaufszahlen bei Hummer natürlich nicht mehr zu halten. "Das Gerücht machte vor allem im Internet die Runde", sagte Martin Walsh bei einem Interview mit stern.de anlässlich der Vorstellung des leicht modifizierten H2s in Durango im amerikanischen Bundesstaat Colorado. "Der H2 wird weiter produziert und wird im Modelljahr 2009 (also nächstes Jahr, denn der US-Modellwechsel wird immer ein Jahr voraus gezählt) mit einem neuen V8-Dieselmotor auf den Markt kommen."

Zubehör: Spucktüte

Zugegeben: der Hummer H2 vollführt – ebenso wie sein kleinerer und Frauen-affiner Bruder, der H3 – ohne größere Anstrengung im Gelände Kunststücke, die einem schon beim Zusehen den Angstschweiß in die Handflächen treibt, und nach zweimaligem Erklimmen einer fast senkrechten Wand (ohne Winde!) traut man dem Teil und seinen Ingenieuren sogar zu, sowohl den "EitschTuh" als auch den "EitschThrie" über die Zimmerdecke entlang zu fahren. Profane physikalische Gesetze wie Schwerkraft scheinen die Hummer nicht zu kennen, und wenn dann ignorieren sie sie einfach. Selbst Felsdurchfahrten, die für das breite Fahrzeug eigentlich zu schmal sind, schafft der Dreieinhalbtonner schräg an die Wand gelehnt und auf den Reifenschultern balancierend. Prophylaktischerweise lagen in den vorgestellten Testfahrzeugen gleich halbdutzendweise Pflaster gegen "motion sickness" parat. Auch der Achtzylinder, der dem H3 nun verpasst wurde, um die Brustschwäche des Baby Hummer erträglich zu machen, macht aus dem bisherigen Möchtegern endlich auch auf der Strasse ein passables Auto.

Was darf der Spaß kosten?

Aber wer fährt die über dreitausend Kilo schon mal im Gelände, und wenn ja, warum um Gottes willen? Und das in chromglitzendem, lederbestückten Interieur und dem DVD-Spieler fürs hintere Feauteuille? Mit Beschleunigungswerten von unter acht Sekunden auf die Hundert? Der effektive Nutzen einer über vierzigprozentigen seitlichen Neigungsfähigkeit bleibt – außer einundzwanzig Bergbauern in Montana – allen vernünftigen Menschen verschlossen, und in der Zeit, die der Hummer brauchte, um die sechzig Prozent Steigung zu knacken, hätten wir Betrachter bei der Begehung zu Fuß gemütlich ein halbes Six-Pack leeren können. Vorausgesetzt natürlich, wir hätten den Anstieg zu Fuß geschafft. Sein Auto brauche eigentlich keine Sau, sagte einmal der Vorstandsvorsitzende einer deutschen Sportwagenschmiede über eines seiner Produkte, aber es mache eben Spaß, es zu fahren. Nun beginnen auch die Amerikaner, sich über den Spaß zu streiten - bei einem geschätzten Verbrauch von über 24 Liter auf 100 Kilometern (und ohne Angaben über CO2 Ausstoß) fließt schon mal das Bruttosozialprodukt eines karibischen Kleinstaates durch den Tank des Hummers. Und das alle dreihundert Meilen. Das mögen sich viele Amerikaner, die den allergrößten Teil der Hummer-Kundschaft ausmacht, vielleicht nicht mehr lange leisten. So war der Präsentation in den Rocky Mountains, so beeindruckend sie auch die Fähigkeiten modernen Offroad-Autobaus unter Beweis stellte, eine gewisse Melancholie nicht abzusprechen. Irgendwie konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dem wohl letzten, aber durchaus prächtigen Hurra einer einstmals großen und beherrschenden Spezies beizuwohnen. Den Sauriern hat ein Komet den Garaus gemacht, den mächtigen Hummern, den Offroad Champions unserer Zeit, vielleicht das zunehmend warme Wetter.

Kraftstrotzende Freizeit

Auf dem Weg zum Flughafen in Colorado kamen mir auf dreißig Meilen vier Hummers entgegen, zwei mit Booten im Schlepptau, die in Florida jedes Rennen mit der Küstenwache gewinnen könnten, einer mit sechs (!!!) Mountain-Bikes auf dem Dach, und einer mit einem SurfBoard (???) auf der Ladefläche. Im Gebirge. Die Zukunft des H2s scheint dann doch gesichert. Vielleicht hat sich der Surfer ja schon auf die neuen Umstände eingerichtet – der Hummer meistert Sintfluten bis zu einer Höhe von 61 Zentimetern.

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