HOME

Kia cee´d: Griff nach der Weltmacht

Kia geht in die Offensive. Der koreanische Autohersteller will Europäer werden. Wichtiger Schritt auf diesem Weg: Der cee´d als neues Auto in der Golfklasse. In Europa gebaut. Und mit satten sieben Jahren Garantie.

Deutlicher hätte die Kampfansage an Golf, Focus & Co. wohl kaum ausfallen können: Wenn Kias Cee'd ("seed" ausgesprochen) Ende des Jahres in Europa auf den Markt kommt, dann zu einem Basispreis von unter 15.00 Euro - und mit einer übertragbaren Garantie von sieben Jahren oder 150.000 Kilometer. Nicht von profanen Rostlöchern ist hier die Rede sondern von einer nur leicht eingeschränkten ganz normalen Garantie: Auf das komplette Auto gilt sie fünf, auf den Motor zwei weitere Jahre. In Europa bietet das kein anderer Hersteller auf seine Autos - erst recht nicht im so genannten C-Segment, der "Golfklasse".

Dazu sieht der 4235 mm lange, 1790 mm breite und 1480 mm hohe cee'd auch noch stimmig und dynamisch aus: Eine Front, die sich dank der langen Sicken optisch bis zum zweigeteilten Kühlergrill in den integrierten Stoßfängern hinunterzieht (und ein klein wenig an das Singleframe-Konzept von Audi und VW erinnert), geschwungene Scheinwerfer, mit Schwellern strukturierte Seiten und ein bullig, rundliches Heck.

Chic und wertig

Innen ist bei einem Radstand von 2650 mm vorne und auch auf der Rückbank ordentlich viel Platz. Der Kofferraum fasst im Normalfall 340 Liter, bei umgelegten (60:40) Rücksitzen 1300 Liter - das entspricht fast passgenau dem Volumen des VW Golf. Und von billig ist im Innenraum nichts mehr zu spüren. Das Design ist auf europäischem Niveau angekommen. Die Materialien wirken der Fahrzeugklasse entsprechend wertig. Die Oberflächenstrukturen fallen kaum mehr hinter dem zurück, was VW, Ford, Opel & Co. im gleichen Segment zu bieten haben. Die Sitze, so eine erste Probe mit dem Popometer, sind straff und bieten zumindest vorne einen guten Seitenhalt. Die Verstellbarkeit reicht auch für größere Zeitgenossen. Für Sicherheit sorgen unter anderem sechs Airbags, aktive Kopfstützen, ESP, ABS und Bremsassistent.

Die Instrumentierung - nachts rot-orange leuchtend - ist ebenso ausreichend wie übersichtlich, klar und selbsterklärend. Die wichtigsten Einstellungen lassen sich serienmäßig gleich am Lenkrad regeln. Für jeden Platz vorne wie hinten gibt es Gurt-Sensoren. Zur eigens für den cee'd entwickelten RDS-Stereoanlage mit integriertem Navi gibt es auch einen in der Mittelkonsole leicht erreichbaren Anschluss für den iPod oder andere MP3-Player. Ablagen? Reichlich. Selbst der Laderaum hat separate Fächer für Krimskrams unter dem eigentlichen Boden. Dazu kommen ein paar technische Raffinessen, die sich so im C-Segment nur selten finden: Chipgesteuerte Scheibenwischer etwa. Oder spezial beschichtetes Glas, das Schmutz und Wasser abweist und weniger anfällig sein soll für Beschlag.

Der Motorenraum

Den cee'd will Kia ab Dezember zunächst mit vier Motoren zur Auswahl anbieten: Drei Benziner mit 1,4 Liter (80 kW/109 PS, 137 Nm Drehmoment bei 5000 U/min., 184 km/h Spitze, Verbrauch 6,1 Liter), 1,6 Liter (90 kW/122 PS, 154 Nm bei 4200 U/min., 187 km/h, 6,3 Liter) und 2,0 Liter (103 kW/140 PS, 184 Nm bei 4750 U/min., 200 km/h, 7,1 Liter). Dazu kommt anfangs ein Diesel mit variabler Turbinengeometrie und 1,6 Liter Hubraum (85 kW/115 PS, 255 Nm ab 1900 U/min., 184 km/h, 4,7 Liter). Ab Juli 2007 soll ein 2-Liter-Diesel mit 103 kW/140 PS und einem Drehmoment von 305 Nm bei 2000 U/min. die Auswahl ergänzen (198 km/h, 5,4 Liter Verbrauch).

Alle Motoren erfüllen Euro-4, Partikelfilter soll es auch geben - wenn auch wohl nur optional. Je nach Modell und Motorisierung bietet Kia zwei Handschalt-Getriebe mit 5 bzw. 6 Gängen sowie eine 4-Stufen-Automatik an. Die etwas antiquierten Automatik-Getriebe von Kia sind gewöhnungsbedürftig - vorsichtig ausgedrückt. Beim cee'd dürfte es nicht anders sein. Selbst Kia rechnet damit, dass höchstens sechs Prozent der Fahrzeuge mit Automatik verkauft werden.

Varianten folgen

Im September 2007 soll dann der Kombi folgen, wenig später der betont sportliche Zweitürer pro_cee'd. Eine Besonderheit des Kombi: Die Heckklappe reicht so weit ins Dach hinein, dass auch 1,85-Meter-Leute ohne Probleme darunter stehen können. Der pro_cee'd, heißt es bei Kia, wird sich in der Serienausstattung nicht mehr viel von der Studie unterscheiden, die jetzt in Paris vorgestellt worden ist. Als Verkaufsziel peilt Kia für Europa 150.000 cee'd jährlich an.

Mit dem cee'd probt Kia die Reinkarnation als "europäischer Hersteller". Kias Vize-Europachef Jean-Charles Lievens wird nicht müde, auf "die neue Ära" hinzuweisen: Der cee'd ist in Europa entwickelt worden, erhielt hier seinen letzten Feinschliff - und wird in Europa gebaut. Im slowakischen Zilina, 200 Kilometer nordwestlich von Bratislava, hat Kia rund eine Milliarde Euro investiert und ein komplettes neues Automobilwerk hochgezogen. Das modernste in Europa. Neben den drei bislang geplanten cee'd-Modellen werden hier auch Sportage vom Band laufen. 2010 sollen 3000 Mitarbeiter in Zilina jährlich 300.000 Kia produzieren.

Pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity