Peugeot 207 1.6 THP Powerproppen mit Zwillings-Vätern


Wenn Peugeot und BMW gemeinsam für Nachwuchs sorgen, kann man einen Prachtkerl erwarten. Der erste Motor der neuen Generation begeistert mit rasanter Kraftentfaltung, entwickelt bei Druck auf dem Pedal aber auch gehörigen Appetit.
Von Gernot Kramper, Carcassonne

Stolz stellt der französische Automobilbauer Peugeot das erste Aggregat einer neuen Motorenfamilie vor. Das Besondere an dem Motor sind seine zwei Väter, das Triebwerk stammt aus einer Kooperation von PSA (Peugeot/Citroën) mit BMW. Was kommt dabei raus, wenn zwei Autogiganten mit sportlichen Ambitionen einen neuen Motor erschaffen?

Zunächst einmal ein sehr kleines und sehr kräftiges Maschinchen. Aus nur 1,6 Liter Hubraum schöpft der THP- Motor (Turbo High Pressure) immerhin 150 PS und 240 PS. Möglich wird diese Ausbeute durch den hohen Einspritzdruck des Kraftstoffes. In etwa hält hier die Commonrail-Technologie, die den Dieselmotor revolutionierte im Benziner Einzug. Ein Abgaslader sorgt im Gegenzug für ausreichend Atemluft. Die dabei eingesetzte "Twin Scroll"-Technik fasst die Abgase von jeweils zwei Zylindern in einem Strang zusammen, um die Lader anzutreiben. Schnelle Reaktionszeit und kein Turboloch sind die Folge. Eine Technik wie sie VW mit dem TSI-Motor praktiziert. Den 150 PS starken Turbo wird es zunächst nur im 207 geben und nicht im Mini Cooper.

Kleiner und feiner

"Downsizing" heißt das Zauberwort, das zu mehr Leistung bei weniger Verbrauch führt. So geraten die Abmessungen klein genug, um in Wagen des B-Segments zu passen. Hauptvorzug der Maschine ist das enorme Drehmoment von 2400, das benzin-untypisch bereits bei 1400 Umdrehungen pro Minute anliegt. Es schafft Anfahrerlebnisse mit dem berühmten Diesel-Wumms.

Um diese Form der Kraftentfaltung erleben zu können, muss man den 207 Kurven fressen lassen. Am Besten bergauf und bergab. Peugeot wählte dafür ausgesprochen anspruchsvollen Straßen. Mit diesem Motor kann das Fahrwerk des neuen 207 erstmals zeigen, was wirklich in ihm steckt. Ein Kraftkerl und Sportler. Der 207 fühlt sich beim relaxten schaltfaulen Fahren wohl, mault nicht über vergessene Gangwechsel, mit seinem Durchzug kommt er auch im Drehzahlkeller nicht in Verlegenheit. Beim Druck aufs Gas zieht der kleine Franzose dann mächtig los. Kraftentfaltung ohne Stocken ohne Pause.

Mehr geht noch

Mit der 150-PS-Maschine ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Die eigentliche Sportversion 207 RC wird 175 erhalten und die typische RC-Sportoptik und ein härter ausgelegtes Fahrwerk bekommen. Neben einer Overboost -Funktion, die zeitlich begrenzt ein Mehr an Drehmoment entfesselt, wird der Motor aller Voraussicht nach deutlich höher drehen. Beim vorgestellten Modell macht das Motorenmanagement nämlich ziemlich abrupt bei 5.500 Umdrehungen Schluss. Wegen des fehlenden Hochdrehzahlbereichs kann man auch nicht von einem wirklichen Sportmotor sprechen. Der Verbrauch im Mix soll sieben Liter betragen, wird der Motor gefordert, genehmigt er sich auch zehn. Sparsam wird es also nur, wenn man die Reserven unter der Haube schlummern lässt und nicht wirklich abfordert.

Unangemessene Schaltung

Das Fahrwerk hat erstaunlicherweise keine Mühen mit dem ruppigen Motor. Traktionsprobleme konnten nicht festgestellt werden, in Kurven erträgt der 207 viel Unbill von Fahrer und Bodenbelag, bevor das ESP eingreift. Obwohl keine ausgesprochene Sportversion, ist der 150 Turbo auch nicht nur komfortabel. Forciertes Fahren lässt den Rücken mehr vom Boden spüren, als manchem lieb sein wird. Der kurze Radstand führt überdies zum Aufschaukeln auf Bodenwellen.

Die gleiche Kurvenrunde wie mit dem 207 ließ sich mit dem 607 deutlich ruhiger, wenn auch etwas langsamer absolvieren. Wenig überzeugend das Fünf-Gang-Getriebe. Im B-Segment sind Sechs-Gang-Schaltungen eher die Ausnahme, aber ein Wagen mit dieser Leistung und einer Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h hätte fraglos einen sechsten Gang vertragen. Die Schaltung arbeitet ansonsten präzise, aber mit langen, wenig knackigen Schaltwegen. Eine Bewegung aus dem Handgelenk reicht nicht, um den Gang zu wechseln.

Viel Auto für viel Geld

Mit 17 Zoll-Rädern, der edlen Platinum-Ausstattung und dem beeindruckenden, serienmäßigen Panoramadach wirkt der Wagen innen so edel, wie man es bei einem Preis von fast 20.000 Euro erwarten kann. Äußerlich und innerlich unterscheidet sich dieses Modell nicht von den anderen 207ern. Der kleine Franzose ist in Wirklichkeit ziemlich ausgewachsen, der Größenunterschied zum nächsthöheren, aber älteren 307 muss mit dem Zentimetermaß gesucht werden.

Die ellenlagen Frontscheinwerfer, der lange Schwung von Haube und Scheibe verleihen ihm eine dynamische Frische, allerdings ohne jede Bösartigkeit. Das Heck zieht sich haubenartig zusammen, ein Lademeister ist die Normalversion also nicht. Wer Sperrgut transportieren will, muss auf den 207 SW warten. Vorn sitzt man sehr komfortabel auf festen sportlichen Sitzen, die den nötigen Seitenhalt geben. Hinten sind die Verhältnisse nicht ganz so opulent, aber erträglich. Die Sicht nach hinten ist ausgesprochen schlecht, beim Einparken sollte man blind wissen, wo die Karosserie endet.

Gelungenes Glanzstück

150 PS Leistung sind in einem 207 ohne Frage zu viel des Guten. Peugeot glaubt dann auch, eben 800 Stück im Jahr in Deutschland absetzen zu können. Die Großartigkeit des Triebwerks wird dadurch nicht geschmälert, in anderen Wagen werden die 150 PS und die Käuferinteressen eher zusammenkommen. In jedem Fall macht er neugierig auf die kommende Palette von Motoren. Ein 1.4 Liter Triebwerk wird auch geringere Leistungen bieten. 20.000 Euro sind ein stolzer Preis, zumal aus dem 207 auch mit diesem Motor kein Reisewagen für lange und schnelle Autobahnfahrten entsteht. Für den typischen 207-Kunden wird ein anderes Angebot von Peugeot vermutlich interessanter. Die Einstiegsmotorisierung wird jetzt zum Kampfpreis von 9900 Euro angeboten und das sind fast zwei Wagen zum Preis des 207 1.6 THP.


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