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Hintergrund: Toyota wird elektrisch - aber nicht nur Anderes Feindbild

Toyota Kenshiki Forum 2022
Toyota Kenshiki Forum 2022
© press-inform - das Pressebuero
Toyota springt nicht auf den Nur-Elektromobilitätszug auf, sondern will für jeden Autofahrer das passende Produkt anbieten. Dabei spielen auch Verbrennungsmotoren und Wasserstoffantriebe eine große Rolle. Der pragmatische Ansatz der Japaner unterscheidet sich deutlich von den Plänen der europäischen Autobauer.

Matt Harrison lässt keine Zweifel aufkommen. „Mobilität ist ein grundlegendes Menschenrecht“, sagt der Toyota Europa-Chef und spricht im nächsten Satz gleich noch mal Klartext. „Es ist zu riskant für die Gesellschaft und die Umwelt, alles auf BEVs zu setzen.“ Damit schlägt der japanische Autobauer einen diametral anderen Weg ein als viele Konkurrenten, die in Europa das exklusive Heil in der Elektromobilität suchen.

Toyotas Antwort auf diese geplante Monokultur ist ebenso simpel wie einleuchtend. „Die Menschen auf dieser Welt sind unterschiedlich, und ebenso unterschiedlich sind die Anforderungen an die Individualmobilität“, erklärt Matt Harrison. Deswegen wird der japanische Autobauer einen ganzen Bauchladen voller Mobilitätslösungen in petto haben. Die Bandbreite reicht von vollelektrischen Fahrzeugen bis hin zu Vehikeln, die mit Wasserstoff betrieben werden oder auch Carsharing-Angeboten. Aus diesem Grund wird die Mobilitätssparte Kinto in den nächsten Jahren deutlich aufgerüstet. Wer ein Auto sucht, soll es bei Toyota finden. „Keiner wird zurückgelassen“, erklärt Harrison. Damit schlagen die Japaner einen ähnlichen Weg ein wie BMW; wo auch die Kunden auch unter verschiedenen Alternativen wählen können.

Bemerkenswert ist, dass der Verbrennungsmotor in den nächsten zehn bis 15 Jahren eine wichtige Rolle spielt, sei es als Vollhybrid (HEV) oder auch als Plug-in-Hybrid (PHEV). Dass diese Ankündigung keine leeren Worte sind, zeigt die Studie CH-R Prologue, die es auch als Teilzeitstromer geben wird. Das kompakte SUV wird nicht das einzige PHEV-Modell der Japaner bleiben, die in Europa eigens eine Batteriefabrik errichten, um die Versorgung mit Energiespeichern sicherzustellen.

Damit gehen die Japaner einmal mehr ihren eigenen Weg. In Europa schiebt man den PHEV-Antriebsstrang zunehmend ins Technologieabseits, bei den Japanern spielt er nach wie vor eine Rolle. Toyotas oberster Wissenschaftler Dr. Gill Pratt verdeutlicht die Ratio, die hinter diesem diversen Antriebsportfolio steckt. Unterm Strich geht es um eine möglichst große Reduktion der Emissionen. Elektromobile sind teuer, wenn sich also nur ein vergleichsweiser kleiner Teil der Autofahrer sich ein BEV leisten kann oder will, sind die Auswirkungen auf die Klimabilanz ziemlich gering.

Wenn man dagegen auf elektrifizierte Verbrennungsmotoren wie etwa einen HEV-Antriebsstrang setzt, tragen auch Menschen mit geringerem Einkommen und ohne Lademöglichkeit ihren Teil zur Verbesserung der Schadstoffbilanz bei. „Jetzt ein Auto mit elektrifiziertem Antriebsstrang zu fahren, ist für die Umweltbilanz besser als eines ohne Hybridmodul“, sagt Pratt und unterstreicht Toyotas pragmatischen Ansatz mit dem Satz: „Kohlendioxid ist der Feind, nicht ein spezieller Motor!“

Toyotas grundsätzliches CO2-Ziel bleibt von dieser Antriebspalette unbenommen. Dabei wollen die Europäer den Klassenprimus geben und schon im Jahr 2040 vollständig CO2-neutral sein. Das ist eine Dekade früher als die globalen Vorgaben des Gesamtkonzerns. Allerdings ist das auch den günstigen wirtschaftlichen und politischen Umständen geschuldet. Auf dem alten Kontinent wird die Ladestruktur kontinuierlich ausgebaut und einige Menschen können sich einen vollelektrischen Wagen leisten. Wie der Weg in die CO2-neutrale Zukunft gelingen soll, zeigt die Toyota-Fabrik in Deeside (Großbritannien), wo Solarmodule in der Größe von zehn Fußballfeldern die Stromversorgung unterstützen sollen.

Auch beim Thema Wasserstoff nimmt Toyota eine klare Position ein. „Wasserstoff wird in Zukunft immer wichtiger“, sagt Matt Harrison. Dass die Japaner bei Brennstoffzellen-Nutzfahrzeugen wie dem Daimler H2-Bus Citaro mitmischt, verwundert nicht. Aber Toyota treibt auch bei den Pkws und SUVs den Einsatz von Wasserstoff voran: An einem H2-Hillux tüfteln die Toyota-Techniker bereits und auch ein Wasserstoff-Verbrennungsmotor haben die Japaner im Programm. Modelle wie der Hydrogen GR Yaris sollen die Spaßfahrfraktion begeistern. Toyota-Chef Akio Toyoda höchstpersönlich hat sich hinter das Steuer des Hydrogen-Flitzers geschwungen und sein Placet gegeben. Dass der Motor gut klingt, mittlerweile mehr Kraft hat und das Tanken des Wasserstoffs deutlich schneller vonstattengeht, ist eine Sache. Die andere ist purer Pragmatismus: Der Lithiumpreis geht aktuell durch die Decke und neue Mienen, um das für Batterien unerlässliche Element zu fördern brauchen vier bis sieben Jahre, ehe sie mit voller Leistung fördern. Eine Batteriefabrik steht nach 24 Monaten. „Diese beiden Faktoren leben nicht in der selben Zeitzone“, bringt es Gill Pratt auf den Punkt.

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