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E-Bike-Schnäppchen Was ist dran am Aldi-E-Bike für nur 999 Euro?

Auch für Touren sollte der Akku ausreichen. Zur Not kann man unterwegs nachladen.
Auch für Touren sollte der Akku ausreichen. Zur Not kann man unterwegs nachladen.
© pr
In den Aldi-Filialen steht ein E-Bike zum Knaller-Preis. Für 999 Euro gibt es kein High-End-Rad, aber für Besorgungen in der Stadt und den Weg ins Büro reicht das Aldi-E-Bike auch.

Aldi bietet jetzt in den Filialen zwei E-Bikes an – genau genommen ein Trekkingrad in Damen- und Herren-Konfiguration. Der Preis 999 Euro. Um es kurz zu machen: Wer ein billiges E-Bike sucht und damit weder Gebirge bezwingen noch ultralange Touren absolvieren will, sollte in den nächsten Laden stürmen. Denn online kann man die Räder nicht bestellen. Wie üblich gibt es drei Jahre Garantie und Vor-Ort-Service bei sich zu Hause. Man muss angeblich nur die Pedale anschrauben, den Lenker ausrichten und kann dann nach Hause fahren.

Warum ist das Angebot so spannend? Die einfache Erklärung ist "Covid". Noch vor zwei Jahren gab es zahlreiche Angebote in dieser Preisklasse, doch der Mangel an Rädern und die hohe Nachfrage haben das Angebot unter 1000 Euro deutlich zusammenschrumpfen lassen. Wer also nicht 2000 Euro und mehr für sein E-Bike ausgeben will, muss die seltenen Angebote nutzen.

Viel dran fürs Geld 

Hinzu kommt, dass das Rad für den Preis keinen schlechten Eindruck macht. Niemand darf natürlich glauben, er bekomme bei Aldi mehr oder minder das gleiche Rad für 999, für das er im Fachgeschäft 2500 ausgeben müsste. Das Rad stammt von Prophete, dem Haus- und Hoflieferanten der Discounter. Das Rad wird von einem Hinterradmotor angetrieben. Auf den Phantasienamen am Gehäuse muss man nichts geben. Es wird ein klassischer Nabenmotor aus China (etwa Bafang geared) verbaut. Technisch gesehen, hat ein mittig am Rahmen befestigter Motor Vorzüge. Für jemanden, der keine Trails fährt, macht das aber nur einen geringen bis keinen Unterschied. Wie immer darf der Motor 250 Watt leisten und ist bei 25 km/h abgeregelt. Als Kraftspender dient ein Akku mit einer Kapazität von 461-Wh. Das ist etwas weniger als der Boschstandard von 500-Wh. Aldi gibt eine maximale Reichweite von 120 Kilometern an. Das klingt realistisch für ein moderates Tempo bei minimaler Unterstützung. Bei voller Power dürfte der Akku im Flachland für etwa 50 Kilometer gut sein.

Positiv fällt auf, dass der Akku nicht am Gepäckträger, sondern unten am Rahmen befestigt ist. Von dieser besseren Lastverteilung profitiert auch eine Gelegenheitsbiker. Achtung: Die Zellen des Akkus stammen von LG, nicht der Akku selbst (LG inside). Grundsätzlich arbeitet die Ansteuerung eines Chinaantriebes nicht so sensibel wie bei den Systemen von Firmen wie Bose, Yamaha oder Bosch – aber solange man nicht im Gelände unterwegs ist, ist das kein deutlicher Nachteil. Die Unterstützung kann in fünf Wattstufen eingestellt werden.

Von Vorteil ist, dass die Kraft des Nabenmotor nicht auf Kette und Ritzelpaket einwirkt. Der Verscheiß ist also merklich geringer als beim Mittelmotor. Dazu ist eine Acht-Gang-Schaltung von Shimano verbaut – ohne Drehgriff, sondern mit Rapid-Fire-Trigger. Sowie eine komplette Lichtanlage und hydraulische Scheibenbremsen von Shimano anstatt der in der Preisklasse üblichen mechanischen Bremsen. Dazu kommt eine komplette Straßenausstattung mit Ständer, Schutzblechen und Reflektoren. Nettes Extra: Der Vorbau kann individuell eingestellt werden. Es ist also leicht möglich, die Haltung von sportlich-geneigt zu aufrecht-bequem zu variieren.

Nichts für starke Steigungen

Unsere Meinung: Für 1000 Euro macht man hier nichts verkehrt. Wer keine besonderen Ansprüche an Kraftentfaltung, Dosierung und Federung hat, bekommt ein Alltagsrad mit E-Motor. Die Dinge, die nicht State-of-the-Art sind wie Hinterradmotor und sichtbarer Akku sind für den Alltagsradler kein Nachteil – im Gegenteil. Die anspruchslosen Lösungen sind genauso langlebig und können bei Problemen leichter ausgetauscht werden.

Einziges Manko, das wir befürchten, sind starke Steigungen. Normalerweise ist bei einem 250-Watt-Nabenmotor bei etwa 10 Prozent Steigung Schluss. Aufgrund der Ansteuerung stirbt die Unterstützung ab. Bei Touren zu Berghütten dürfte es dann Probleme geben. Da kommt eine Gang-Schaltung ohnehin an die Grenzen.

Kleiner Tipp: Auch ältere Herren sollten sich das Damenrad ansehen – das Ab- und Aufsteigen fällt mit dem runtergezogenen Oberrohr deutlich leichter.


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