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Automesse in Frankfurt: Warum die IAA total überflüssig ist

Am kommenden Dienstag öffnet die Internationale Automobil Ausstellung in Frankfurt zum 66. Mal ihre Tore. Doch selbst die Millionenaufwände der Hersteller können nicht überspielen, dass sich Messen wie die IAA schon lange überholt haben.

Nach wie vor sind die großen Automessen eine Leistungsschau der Autoindustrie. Bestes Beispiel ist die IAA, die in Europa die größte ihrer Art ist und sich im Zweijahresrhythmus mit dem Pariser Automobilsalon abwechselt, der in den geraden Jahren an die Seine einlädt. Auf keiner internationalen Automesse ist der finanzielle Aufwand größer; dabei wird der Neuigkeitswert auch auf der IAA immer dünner.

Alles alte Bekannte 

Die bekanntesten Neuheiten der Frankfurter IAA wurden bereits in den vergangenen Tagen, Wochen oder sogar Monaten vorgestellt. Früher war das anders: Pünktlich zu Messebeginn gab es je ein Sonderheft der Fachmagazine. Das Drei-Sender-Fernsehen berichtete ohnehin nur zur Messe  über Automobiles. Aber heute? Die Sensationen sind jedem bekannt, der sich auch nur am Rande für Autos interessiert. Internet macht es möglich. Zu fast jedem Star der IAA gibt es Vorstellungen, häufig sogar Fahrberichte und erste Tests. Das alles konnte man lesen oder als Video ansehen. In der nächsten Woche werden die gleiche Modelle dann aufs Podest gestellt. Für die Journalisten ist das keine leichte Aufgabe: Sie sollen überarscht staunen, wenn das Tuch von einem Modell abgehoben wird, mit dem sie vor Wochen schon unterwegs waren.

Verblichenes Schaufenster
Mercedes am Vorabend der IAA 2013 in der Frankfurter Festhalle

Mercedes am Vorabend der IAA 2013 in der Frankfurter Festhalle

Die Bedeutung der großen Messen wird von der Autoindustrie künstlich am Leben erhalten. Echte Neuheiten auf den Messen sind in Anbetracht des gigantischen Finanzaufwandes dünner denn je. Da trifft auf alle großen Messen wie in Detroit, Genf, Paris, Shanghai / Peking, Los Angeles, Tokio oder eben die Frankfurter IAA allesamt zu. 

Hersteller höhlen die Messe aus

Die Messestars heißen diesmal Audi A4, BMW 7er, Mercedes S-Klasse Coupé, VW Tiguan, Renault Talisman, Kia Sportage, Rolls-Royce Dawn und Bentley Bentayga. Natürlich sind auch der Opel Astra, Jaguar F-Pace, Toyota Prius oder Renault Megane wichtige Modelle. Doch von keinem dieser Prachtstücke wird auf der Messe selbst noch das Tuch gezogen. Das Risiko ist den Herstellern viel zu groß, dass der vermeintliche Messestar auf der Frankfurter Leistungsschau untergeht und damit im medialen Aufmerksamkeitsnirwana verschwindet. Am längsten hält sich noch Volkswagen zurück, die ihre zweite Tiguan-Generation bis zum Konzernevent am Vorabend der Messe bedeckt halten. Alles andere ist zumeist kalter Kaffee. Informationen, Fotos oder technische Details gingen schon vor Wochen durch die breite Öffentlichkeit.

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Der Dinosaurier wird immer teurer

Braucht man in Zeiten von TV, allgegenwärtigem Internet und grenzenloser Informationen für diese Handvoll Neuheiten eine Messe? Wohl kaum. Dabei wird der Aufwand der Firmen immer größer. Die großen Hersteller planen bis zu zwei Jahre im Voraus am nächsten Messeauftritt. Ein beeindruckender Messestand, die neuen Fahrzeuge, technische Innovationen und Choreographie der Präsentation werden zusammen mit inhaltsleeren Vorstandsreden millimetergenau aufeinander abgestimmt; auch wenn die echten Neuheiten immer dünner werden.

Trotzdem verschlingen Messeauftritte in Peking, Tokio, Paris oder Genf - insbesondere aber in Frankfurt - oftmals zweistellige Millionenbeträge. Zu Zeiten der Finanzkrise strich schon einmal der ein oder andere Hersteller seinen Messeauftritt. Doch in Frankfurt fehlt fast nur Volvo, eine Marke die seine Klientel abseits des Messespektakels sucht.

Immerhin gibt es ein paar Show-Cars

Als General Motors auf seiner Motorama-Show des Jahres 1954 erstmals ein Modell wie den Chevrolet Corvette Nomad Concept Station Wagon auf dem Präsentierteller drehen ließ, jubelte das Publikum auf. In Serie ging die Konzeptstudie wie viele andere nie. Doch als Imageträger und Stimmungsmacher kennen das Einzelstück noch heute viele. Kein Wunder, dass bei vielen Messemodellen auch heute schon Monate vorher feststeht, dass diese nur als Messe-Kanonenfutter taugen. Längst dienen die Messen nicht mehr als automobile Leistungsschau, sondern als reisende Visitenkarten des Konzerns. Anders sind gigantische Auftritte wie das auf der Agora der Frankfurter Messe gelandete weiße Audi-Raumschiff, eine gigantische BMW-Halle mit zwei Etagen oder die gigantische Umgestaltung der Festhalle Frankfurt durch den Daimler-Konzern kaum zu erklären.

VW macht einfach eine eigene Auto-Party

Perfekter als alle anderen hat die Außendarstellung mittlerweile der Volkswagenkonzern umgesetzt. Nachdem es mit der Messegesellschaft in Genf vor Jahren Probleme um die Zeiten für die eigenen Pressekonferenzen gab, zog Volkswagen mit seinem gigantischen Mehrmarkenkonglomerat einfach seine eigene, alles andere als kleine Show für die Presse und geladene Gäste auf. Der Erfolg war so gigantisch, dass die wichtigsten Automessen der Welt am Vorabend mittlerweile eine eigene kleine Megashow haben, in der sich die Markenableger wie Volkswagen, Audi, Porsche, Lamborghini, Seat, Skoda, Bentley oder Bugatti ohne jeden Konkurrenzdruck bereits vorab stilecht präsentieren können. So sieht Motorama im dritten Jahrtausend aus.

Warum nicht auf die Möbelmesse?

Statt der klassischen Shows zieht es die Firmen dagegen mehr auf anderes, bisher weitgehend unbekanntes Messeterrain. Auf der Suche nach einer neuen Kundenansprache werden Messen wie die Consumer Electronic Show (CES) in Las Vegas, die Möbelmessen in Norditalien oder die New York Fashion Week immer wichtiger. Autos sind hier nicht mehr als schmückendes Beiwerk, doch man präsentiert sich in einem anderen, ungewöhnlichen Umfeld; bestenfalls mit Anspruch, Ambiente und Charme. Kein Wunder, dass Mercedes seit Jahren ein festes Standbein bei Modemessen hat und selbst die Mikromarke Bugatti auf der Mailänder Modewoche eine Herbst- / Winterkollektion vorstellt. Immer größer werden automobile Messeauftritte auf der CES in Las Vegas. Hierbei geht es weniger darum, in der Szene der IT-Nerds neue Kunden zu gewinnen. Vielmehr präsentieren sich die internationalen Hersteller mit technischen Innovationen wie Laserlicht oder autonomem Fahren als zukunftswillig und visionär.

Noch kommen die Besucher

Bleibt abzuwarten, wie lange Automessen noch hunderttausende von Besuchern begrüßen können. Immerhin hat die Messe Frankfurt die Zeichen der Zeit erkannt. Kinder bis sechs Jahre kosten keinen Eintritt und auch sonst sind die Tickets mit 4,50 bis 14 Euro nicht allzu teuer. Die Publikumstage sind Samstag, 19. September, bis Sonntag, 27. September, jeweils 9 bis 19 Uhr. Und vielleicht kommen dann neben den Elektrostudien von Audi oder Porsche noch ein paar weitere Überraschungen.

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