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Lesproben : Firat, das Auto muss Weg!

Das Buch über die "längste und geilste Autoanzeige der Welt" ist erschienen

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Leseprobe I - Die Tigra Übergabe

FRANKFURT AM MAIN CALLING – DIE ÜBERGABE

 

Am nächsten Tag schalte ich mein Handy wieder ein und überfliege, was mittlerweile Routine geworden ist, die Anrufe in Abwesenheit, Nachrichten und E-Mails. Dabei werde ich auf einen bekannten Absender aufmerksam. Ach, schau mal an, sage ich zu mir selbst und öff ne die Mail. Sie ist vom Käufer des Tigra:

 

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Guten Abend, Herr Demirhan,

ich wollte mit Ihnen bezüglich des Kaufs in Kontakt treten und mich vorweg bei Ihnen für die späte Meldung entschuldigen. Ich würde vorschlagen, dass wir die Übergabe übernächste Woche abhandeln, da ich derzeit immer noch geschäft lich unterwegs bin. Als Alternative schlage ich Ihnen vor, den Kauf mit meiner Frau abzuwickeln. Wenn Sie sich dazu entscheiden sollten, sagen Sie mir bitte rechtzeitig Bescheid, damit ich sie darüber in Kenntnis setzen kann. Da meine Frau selbst berufstätig ist und sich nicht kurzfristig freinehmen kann, müsste die Abwicklung in Frankfurt stattfinden oder Sie müssen die nötige Geduld aufbringen und warten, bis ich wieder zurück bin. Bitte geben Sie mir noch Bescheid, ob Sie das Geld in bar haben möchten oder einen Scheck, damit ich dies bei der Bank veranlassen kann. Des Weiteren bitte ich darum, dass alle Fahrzeugpapiere (Fahrzeugscheine etc.) vollständig sind und Sie mir einen gültigen Kaufvertrag aufsetzen. Recht vielen Dank und melden Sie sich bitte zeitnah. Mit freundlichen Grüßen

 

Hmmmm, denke ich mir. Einerseits freue ich mich, dass sich der Höchstbieter endlich gemeldet hat und seiner Absicht, das Auto zu diesem Preis wirklich kaufen zu wollen, mit dieser Mail Nachdruck verleiht, andererseits habe ich immer noch das komische Gefühl im Bauch, dass etwas nicht stimmt. Zumindest perfektes Timing, denke ich mir. Genau am letzten Tag seiner einwöchigen Frist nimmt er tatsächlich noch mal Kontakt mit mir auf. Ich fackel nicht lange und stelle ihm umgehend zwei wichtige Fragen. Zum einen, ob ich die Öffentlichkeit informieren oder seine Identität geheim halten soll, da mich Journalisten weiterhin anrufen, um die neuesten Entwicklungen und die Identität des Bieters zu erfahren. Zum zweiten stelle ich ihm natürlich die Frage aller Fragen in diesem Zusammenhang: Warum? Warum diese hohe Summe? Die Antworten gibt er mir in seiner nächsten Mail:

 

Guten Abend, Herr Demirhan,

 also erst mal, was die Öffentlichkeit betrifft: Sie können gerne mitteilen, dass ich das Auto erworben habe, aber meine Daten und mein Name sollen für die Öf135 fentlichkeit anonym bleiben. Dies ist eine private Auktion und eine Sache zwischen uns, wie bei allen anderen eBay- Auktionen auch.

 

Sie haben mich gefragt, warum ich dieses Auto für diesen Preis ersteigert habe: Ich habe mitbekommen, dass Sie mit dem Auto im TV waren und dass Sie ein Kind erwarten. Natürlich können Sie diese Summe gut gebrauchen und ich will Sie in dieser Hinsicht unterstützen. Dass ich mich so kurzfristig bei eBay angemeldet habe, liegt daran, dass ich mitbekam, dass Sie das Auto auf dieser Plattform versteigern und ich selbst noch keinen Account habe. Das erklärt Ihnen vielleicht auch, warum ich keine Bewertungen habe.

 

Um den endgültigen Termin zu vereinbaren, muss ich noch mit der Bank und meiner Frau sprechen. Ich werde dann mit Ihnen in Kontakt treten, entweder schriftlich oder telefonisch. Ihre Nummer habe ich mir notiert. Des Weiteren möchte ich Ihnen noch mitteilen, dass es bei mir immer zu Verzögerungen bei meinen Antworten kommen kann, da ich nicht so oft die Gelegenheit habe, mich hier einzuloggen und die Mails zu beantworten. Ich hoffe, damit ist Ihr Zeitdruck erst mal gemindert!

Mit freundlichen Grüßen und alles Gute

 

Aha, also anscheinend doch ein guter Samariter, versuche ich mir einzureden. Meine Family, insbesondere meine Mutter, die grundsätzlich erst einmal alles glaubt, ist außer sich vor Freude. Ich versuche dennoch, immer wieder zu beschwichtigen, weil es einfach zu viele Ungereimtheiten gibt. Warum kann ich im Internet seinen Namen und die angegebene Adresse nicht in Zusammenhang bringen? Warum gibt er sich als Geschäftsmann aus und hat nur sporadischen Zugang zum Internet? Warum überweist er mir nicht einfach die Kohle und holt sich den Wagen zu einem späteren, ihm passenden Zeitpunkt ab? Außerdem wird es doch garantiert eine Möglichkeit geben, jemanden mit der Überführung zu beauftragen, erst recht, wenn er so viel Geld zu haben scheint. Um ihn nicht weiter zu nerven, gar aufdringlich zu werden, beschließe ich, mich fürs Erste mit diesen Informationen zufriedenzugeben. Der Käufer wünscht sich ein wenig Zeit, also werde ich ihm die geben, wenn auch nur widerwillig.

 

Nun gilt es für mich, die ganzen Menschen zu informieren, die gespannt auf weitere Einzelheiten warten, sei es an den privaten Computer-Bildschirmen zu Hause oder in den Redaktionsbüros Deutschlands.

 

Um nicht denselben Fehler wie in den Wochen zuvor zu machen und meine beiden Herzensdamen wieder zu vernachlässigen, entscheide ich mich diesmal, anders vorzugehen: Alle Journalisten, mit denen ich besonders viel zu tun hatte, informiere ich nun per Mail über die neueste Entwicklung, um diese dann eine Stunde später auch auf meinem Online-Blog zu veröffentlichen. Ich halte das für einen guten Kompromiss. Einerseits, weil die Journalisten so das Privileg genießen, die neuen Infos von mir persönlich und nicht über meine Homepage zu erhalten, andererseits, weil auf diesem Weg der Zeitaufwand auch für mich nun mal am geringsten ist. Außerdem kann ich ja auch nicht mehr Infos geben als die, dass sich der Bieter gemeldet hat, weiterhin zu seinem Gebot steht, ich seine Beweggründe weitergeben darf und dass die Übergabe in den nächsten Wochen stattfinden soll. Aus Respekt vor dem Wunsch des Käufers, seine Anonymität zu wahren, was ich, ehrlich gesagt, nunmehr aus eigener Erfahrung bestens nachvollziehen kann, gehe ich sogar so weit, mich das erste Mal seit der Berichterstattung einer Notlüge zu bedienen. Ich will die Identität des Käufers so sehr schützen, dass ich nicht nur seinen Namen für mich behalte, sondern auch seinen eigentlichen Wohnort,  der Frankfurt am Main ist. Der Presse gegenüber verlege ich diesen nach Norddeutschland. Ich will diesen Menschen zu diesem Zeitpunkt so sehr schützen, dass ich den ganzen Schauplatz an einen anderen Ort verlege. Meine erste und einzige Lüge während des Hypes. Die Nachricht entfacht eine weitere Medienwelle. Alle Redakteure halten es für ihre journalistische Pflicht, die Leser und Zuschauer auch über den aktuellen Stand der Dinge zu unterrichten, sehr zum Leidwesen aller Hater und Neider im Internet, die es wahrscheinlich immer geben wird, egal um welches Thema es geht. Außerdem lieben die Menschen Geschichten mit Happy End, und genau diese außergewöhnliche Tigra-Geschichte soll anscheinend auch ein glückliches Ende für die kleine Familie finden, die bald zu dritt sein würde. Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.

 

Alle Anfragen der Medien, mich zu der Übergabe begleiten zu dürfen, lehne ich natürlich aus Respekt gegenüber dem Käufer ab. Ich habe schon große Bauchschmerzen bei dem Gedanken, mitzuteilen, wann ich zu der Übergabe fahren will. Ich male mir aus, allen zu verklickern, die A1 Richtung Norddeutschland zu fahren, Leser der Anzeige, die den Hype mitbekommen haben, mich aber in dem Opel plötzlich auf der Autobahn 46 in Richtung Frankfurt ausfindig machen und, noch schlimmer, sich vielleicht an meine Fersen bzw. an meine hintere Stoßstange heften. Verfolgungswahn nach den Erfahrungen der letzten Wochen.

 

Joanna und ich überlegen lange und diskutieren, ob wir auf die Heimkehr des Bieters von seiner Geschäftsreise warten oder sein Angebot annehmen sollen, die Übergabe alternativ mit seiner Frau abzuwickeln. Frankfurt am Main ist von uns auch »nur« etwa zwei Fahrstunden entfernt und eigentlich wäre es uns schon recht, die ganze Angelegenheit so schnell wie möglich abschließen zu können, damit endlich Ruhe einkehrt.

 

Wir entscheiden uns also, sein Angebot anzunehmen und zu ihm bzw. seiner Frau nach Frankfurt zu fahren, was ich ihm dann auch per Mail mitteile. 


Leseprobe II - Der Vater

Mit meinem Papa habe ich schon früh gelernt, dass man sich durchaus auch für einen zutiefst geliebten Menschen fremdschämen kann. Wir wollten nach vielen Jahren wieder mal einen gemeinsamen Familienurlaub verbringen und hatten uns alle auf die Woche Erholung in der Sonne am türkisblauen Meer gefreut. Mein Papa natürlich auch. Er hatte sich vorgenommen, nach dem Urlaub dann auch mit dem Rauchen aufzuhören. Jedes Jahr nimmt er sich im Urlaub vor, mit dem kommenden Jahreswechsel endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Wenn wir dann Silvester feiern, verschiebt er seine Pläne auf den Sommer, weil ja zu einem Bierchen unter der Sonne im Süden natürlich auch eine Zigarette gehört. Im Urlaub wiederholt sich dann wieder sein Vorsatz, mit dem kommenden Jahreswechsel nun wirklich aufzuhören. Und so schließt sich der Kreis. Dieser Kreis begann schon, als ich in der Pubertät meine ersten Pickel bekam. Gott sei Dank hatte er kurz vorher auch mit dem Sport aufgehört – wenn man es denn so nennen konnte. Sport sollte ja eigentlich die Gesundheit fördern, bei ihm verhielt es sich aber leider umgekehrt. Mein Papa und ich spielten zusammen Fußball in der Betriebssportmannschaft seines ehemaligen Arbeitgebers. Der junge und flinke Demirhan schoss vorne die Tore, der in die Jahre gekommene, mittlerweile nicht mehr ganz so bewegliche, eher etwas hüftsteife Demirhan sorgte hinten dafür, Gegentreffer zu verhindern. Seine Abwehrarbeit bestand aber hauptsächlich darin, dem Gegner die Beine wegzutreten und grundsätzlich nach dem berechtigten Foulpfiff des Schiris wie ein Unschuldslamm die Arme in die Höhe zu reißen und dem Unparteiischen eine Fehlentscheidung zu unterstellen. Dieses Verhalten wurde aber ausnahmslos bei jedem gepfiffenen Foulspiel gezeigt, sodass ich mich schon sehr oft fragte, ob wohl alle Schiris in unserer Betriebssportliga Betrüger seien, wenn man seiner Logik folgte.

 

An dieser Stelle muss ich auch eine Lanze für die Schiris in unserem Hagener und Ennepe-Ruhr-Kreis brechen. Sie vollbringen jedes Wochenende wahrhafte Meisterleistungen. Es erstaunt mich immer wieder zu sehen, wie 75-Jährige aus 30 Metern Entfernung ganz klar knappe Abseitsentscheidungen erkennen und zudem in ihrem betagten Alter so formschön ihre Bierbäuche in den zu knappen Schiedsrichter-Outfits zu kaschieren wissen. Ich stellte auch schon die Vermutung auf, dass unsere Schiris eigent79 lich Planeten und der Mittelkreis ihre Umlaufbahnen sind. Diesen verlassen sie nämlich unter keinen Umständen, höchstens, um zu meinem Papa zu rennen und ihn wiederholt zu ermahnen, nicht immer ihre Entscheidungen infrage zu stellen. Dieser wiederum verhielt sich aber auch grundsätzlich taktisch unklug. Sein Lieblingswort lautet »Trottel«. Meine Mama hatte mir erzählt, dass er mir dieses Wort schon im zarten Alter von zwei Jahren an den Kopf geworfen hatte, weil ich in einem Moment der Unachtsamkeit meines Babas seine Zigaretten aufgegessen und mein Gesicht abwechselnd alle Farben des Regenbogens angenommen hatte. Oder als ich bei einem Basketballspiel in der Jugendmannschaft vor allen Leuten auf die Fresse knallte, weil ich über meinen offenen Schuhriemen gestolpert war. Oder als mir mein Handy auf der Toilette beim Herunterbeugen aus der Hemdtasche in die Toilette gefallen war. Nach dem Geschäft, wohlgemerkt. »Trottel« hörte ich also oft und manchmal war es wahrscheinlich auch verdient. Aber ich war eben nicht der Einzige.

 

Wenn mein Papa also über den ganzen Platz in Richtung Schiri »du Trottel« rief, damit dieser ihn auch vom Mittelkreis aus ganz sicher verstand, durfte er sich nicht wundern, dass dieser dann auch vor allen Beteiligten sein Gesicht wahren und ihn sanktionieren musste. Die Spielberichte der Schiedsrichter nach einem wiederholten Platzverweis gegen meinen Papa waren dann auch immer wieder lesenswert: »Der Spieler mit der Rückennummer 3 der Heimmannschaft wurde in der 55. Minute des Feldes verwiesen, weil er den Schiedsrichter wiederholt als Trottel beleidigte.« Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht gelesen hätte. Also fehlte er im Schnitt meist die halbe Saison, weil er für die andere Hälfte schlichtweg gesperrt war. Das hielt ihn aber natürlich nicht davon ab, dennoch zu all unseren Spielen zu kommen. Er betonte immer, er fühle sich verpflichtet, die Mannschaft moralisch zu unterstützen. Sein pfiffiger Sohnemann aber wusste, dass seine Aufmerksamkeit eher den gekühlten Bierkästen in unserer Kabine galt, die so sicher da standen wie das Amen in der Kirche, wie wahrscheinlich in jedem Betriebssport-Kreis unserer schönen Republik. So gerne ich meinen Dad aber durch den Kakao ziehe, umso mehr liebe ich ihn noch für seinen Beschützerinstinkt, den er auch in den 90 Minuten eines Fußballspiels nicht ablegte. Wenn der schnelle Sohnemann im Strafraum des Gegners nur noch mit unfairen Mitteln zu stoppen war, rannte mein Vater sofort nach vorne und legte sich mit meinem Gegenspieler an. Die zweite Amtshandlung war es dann, sich nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen, um anschließend wieder den Übeltäter in die Mangel zu nehmen. So schnell, wie er zu mir rannte, wenn ich auf dem Boden lag, rannte er nicht in der restlichen Spielzeit, wenn er auf dem Feld war. Meistens rief er schon während des Sprints unserem Trainer (Trainer, Vereinsvorsitzender, Platzwart, Mannschaftsarzt, Pressesprecher, Masseur, Therapeut, Psychiater, Fanbeauftragter und gute Seele des Vereins ist bei uns eine Person) zu, dass er mit dem Sani-Koffer zu mir rennen solle. Aufgrund der natürlich jahrelangen Erfahrung des Coachs im medizinischen Bereich wurde dann die schmerzende Stelle mit Eisspray behandelt. Dies ist übrigens eine der wichtigsten Regeln im Betriebssport: Jede Verletzung wird mit Eisspray behandelt! Bänder gerissen? Eisspray. Knochen gebrochen? Eisspray. Beine auf dem harten und steinigen Ascheplatz aufgerissen? Mineralwasser darüber kippen. Und dann Eisspray. Während Papa also immer zu mir gesprintet kam, hoffte ich hingegen inständig, dass er keinen Muskelfaserriss erlitt, weil sein vorangegangenes Aufwärmprogramm diesen Ausdruck wahrhaftig nicht verdiente. Meist kam mein Papa nämlich mit der Kippe im Mundwinkel auf den Platz, lief eine Bahn hoch und runter, entschied sich dann, unseren Torhüter mit ein paar Zuspielen aufzuwärmen, damit er nicht wie die restliche Mannschaft laufen musste, um dann bei der Begrüßung am Anstoßkreis, also in der Umlaufbahn des Schiris, alibimäßig die Beine zu dehnen. Dass er es sogar schaffte, die einfachsten Dehnübungen falsch auszuführen, hatte ich ihm schon tausendmal versucht beizubringen, was ihn regelmäßig zu dem für ihn plausiblen Argument führte, dass er kein Leistungssportler sei und ich nun den Mund halten solle.

 

Es waren rückblickend schöne Momente, die wir als Vater-Sohn- Gespann zusammen erleben durften. Er spielte schon seit über 25 Jahren in diesem Verein und hatte mich schon zu den Spielen mitgenommen, als ich ein kleiner Knirps war. Während er dann auf dem Platz, in einer wesentlich besseren körperlichen Verfassung als heute, dem Gegner das Toreschießen schwer machte, spielte ich Doppelpass mit der Wand des Vereinsheims und bewunderte von außen insgeheim das Fußballspiel und die Präsenz meines Papas auf dem Platz, um mir einzureden, noch mehr und intensiver zu trainieren, damit ich später auch so groß und stark würde wie er. Leider hatte das in den letzten Jahren nicht mehr geklappt, weil meine chronische Darmerkrankung mir immer mehr von meiner Lebensqualität raubte und ich letztendlich die Fußballschuhe endgültig an den Nagel hängen musste, weil zwischen den ganzen Operationen am Popes nicht ansatzweise an Sport zu denken war. Dies war übrigens für mich eine der schlimmsten Folgen meiner Krankheit, meine Leidenschaft, das Fußballspielen, aufgeben zu müssen und nur noch zum Zuschauen verdammt zu sein. Mein Vater hatte dann nach fast drei Jahrzehnten ebenfalls im Verein aufgehört. Offiziell, weil die Verletzungsgefahr zu groß sei, wie er immer sagte, aber meine Mama hatte mir anvertraut, dass er ihr gegenüber geäußert hatte, dass ihm das Fußballspielen ohne mich keinen Spaß mehr mache. Es sei wohl nicht mehr dasselbe ohne seinen Sohn. Diese Krankheit hatte also nicht nur mir, sondern letztendlich auch meinem Vater das liebste Hobby genommen. Auf diese Charaktereigenschaft meiner Eltern blicke ich mit viel Demut. Dem Kind trotz eigener Schwäche Stärke demonstrieren. Dem Kind es an nichts mangeln zu lassen, obwohl man selber nicht wusste, wie der nächste Einkauf finanziert werden sollte. Niemals Faruk und mich ihre Sorgen und Nöte spüren zu lassen, obwohl man selbst täglich um bessere Zeiten betete. Je älter mein Bruder und ich werden, umso mehr wissen wir das zu schätzen. Für mein Kind möchte ich genauso stark sein und ich hoffe, dass ich es nur ansatzweise so klasse erziehe, wie meine Eltern meinen jüngeren Bruder und mich erzogen haben. Allerdings schützt das meine Eltern keineswegs davor, dass wir sie auch weiter, wann immer sich die Gelegenheit bietet, auf den Arm nehmen, besonders meinen Papa, der uns immer wieder Futter dafür liefert, so eben auch in besagtem Familienurlaub in der Türkei.   


Firat Demirhan: Firat, Das Auto muss weg!

Wie ein positiver Schwangerschaftstest für die längste Autoanzeige der Welt sorgt

Handsignierte Originalausgabe

Taschenbuch, 264 Seiten

ISBN 978-3-86265-530-4

Preis: 9,99 Euro

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