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Mille Miglia 2017: Ausnahmezustand

Vier Tage lang herrscht zwischen Brescia und Rom Ausnahmezustand. Wenn 450 Oldtimer und deren Begleitfahrzeuge in Italien einfallen, dann denkt keiner mehr an Fahrverbote, Dauerstaus und alternative Antriebe. Die Mille Miglia feiert in diesem Jahr 90. Geburtstag und den 40. Jahrestag ihrer Wiederauferstehung im Jahre 1977.

Abendliche Stempelkontrolle für die Startnummer 349, einen Mercedes 300 SL der Baureihe W 198.

Abendliche Stempelkontrolle für die Startnummer 349, einen Mercedes 300 SL der Baureihe W 198.

Mille Miglias gibt es auf der Welt mittlerweile dutzende, doch das einzig echte Rennen um die tausend Meilen findet jedes Jahr Mitte Mai zwischen dem norditalienischen Brescia und der Hauptstadt Rom statt. Längst geht es dabei nicht mehr darum, die knapp 1.700 Kilometer in Höchstgeschwindigkeit zurückzulegen. Die Bestzeit, aufgestellt im Jahre 1955 von Rennlegende Stirling Moss in einem Mercedes 300 SLR, ließe sich im normalen Alltagsverkehr heute sowieso nicht mehr in weniger als elf Stunden zurücklegen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag seinerzeit bei atemberaubenden 157 km/h. Nach ihrem Ende im Jahre 1957 wurde die Mille Miglia 1977 aus ihrem automobilen Dornröschenschlaf erweckt und ist seither offiziell eine Gleichmäßigkeitsfahrt mit rund 120 einzelnen Schlauchprüfungen, in denen es um hundertstel Sekunden geht. Schnell und scharf gefahren wird immer noch, doch für die meisten der mittlerweile 450 Teilnehmer ist die sonntägliche Zieleinfahrt in Brescia der eigentliche Sieg.

Ausnahmezustand
Abendliche Stempelkontrolle für die Startnummer 349, einen Mercedes 300 SL der Baureihe W 198.

Abendliche Stempelkontrolle für die Startnummer 349, einen Mercedes 300 SL der Baureihe W 198.

Die Oldtimerrallye umgibt ein weltweiter Mythos, den man nur dann verstehen kann, wenn man einmal selbst ins Steuer gegriffen hat. Auch wenn die Kritik in der italienischen Öffentlichkeit wächst, der Tross der Begleitfahrzeuge für zunehmendes Ärgernis sorgt und die mitrasenden Fans immer wieder gefährliche Situationen produzieren - die Mille Miglia muss man einmal erlebt haben. "Die Mille Miglia ist natürlich ein Mythos", so der Schweizer Adrian Gattiker der mit einem Mercedes 300 SL bereits zum dritten Mal teilnahm, "dieser Mythos wird Realität, wenn man dann die Mille Miglia fährt. Es ist einfach einzigartig." An den Straßen jubeln hunderttausende von begeisterten Zuschauern, die Fahrzeuge zu sehen bekommen, die sonst in Privatsammlungen versteckt stehen. Zugelassen sind bei der Mille Miglia jene Fahrzeuge, die in den Veranstaltungsjahren des ursprünglichen Rennens von 1927 bis 1957 gebaut wurden. Wo bekommt man sonst in freier Wildbahn automobile Legenden wie Alfa Romeo 6C, Mercedes 300 SL, Jaguar XK 120, Porsche 356 oder spektakuläre Vorkriegsmodelle wie die BMW 328, Mercedes SSK, Amilcar GCSS oder die einzigartigen O.M. Modelle zu sehen? Gerade in den frühen Vorkriegsmodellen ist das 1.700-Kilometer-Rennen eine echte Herausforderung für Mensch und Maschine.

Die Zeiten, in denen die Mille Miglia im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten einen juristischen Freibrief hatte, sind jedoch vorbei. Das ehemals dreitägige Oldtimerrennen quer durch die nördliche Hälfte des italienischen Stiefels bekommt unbeachtet des weltweiten Legendenstatus regional bisweilen Gegenwind. Bürgermeister sagen zunehmend "nein" zur Mille während andere die zunehmende Kommerzialisierung monieren. Mittlerweile dauert die Rundfahrt vier Tage und statt ehemals 375 Fahrzeuge donnern rund 450 Klassiker nebst opulentem Anhang durch Bella Italia. Die ungeahnten Vollgasorgien im offiziellen Straßenverkehr treten immer mehr in den Hintergrund; auch weil Verstöße bisweilen mit üppigen Geldbußen geahndet werden. Doch der zunehmenden Kritik auf der einen Seite steht die einzigartige Begeisterung der italienischen Autofans auf der anderen Seite gegenüber. Wer die Mille Miglia einmal hinter dem Steuer eines dieser grandiosen Klassiker erlebt, am Wegesrand Fähnchen geschwenkt oder hunderte Hände begeisterter Fans abgeklatscht hat, der kann die nach wie vor vorhandene Begeisterung der Beteiligten verstehen.

Neben den zahllosen kleinen Siegern, die die Zielrampe in Brescia erreichen, gibt es auch einen offiziellen Sieger. Das ist in diesem Jahr die italienische Paarung Andrea Vesco / Andrea Guerini mit der Startnummer 74 auf einem Alfa Romeo 6C 1750 Gran Sport aus dem Jahre 1931. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Luca Patron / Massimo Casale mit ihrem O.M. 665 Sport Superba 2000 von 1925 und Giordano Mozzi / Stefania Biacca auf ihrem Alfa Romeo 6C 1500 GS Zagato.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.