ADAC-Raststättentest Ergebnisse: Analyse und Kritik


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Das Ergebnis des siebten europaweiten ADAC-Raststättentests ist enttäuschend: Keine einzige Anlage erreichte das Urteil sehr gut, nur fünf die Note gut. Am Prädikat sehr gut scheiterten diese Betriebe durch ungenügende Sicherheit der Fußgänger in den Außenanlagen, fehlende Erholungsanlagen im Außen- und Innenbereich sowie mangelnde Kommunikationsmöglichkeiten – im Übrigen waren das auch die Hauptmängel im gesamten Test. 39 Betriebe, also fast zwei Drittel, schafften nur ein Ausreichend, ein Viertel fiel mit mangelhaft (14 Betriebe) oder sehr mangelhaft (zwei Betriebe) durch.

Testsieger und Testverlierer finden sich beide in Deutschland. Auf dem ersten Platz landete die Raststätte Im Hegau Ost an der A 81 bei Singen. Sie gehört nicht zu den Tank & Rast-Betrieben. Zwar bietet sie noch keine optimale Verkehrssicherheit und Außenanlage, aber dafür erzielte ihr Self-Service-Restaurant 94 Prozent der in der Kategorie Gastronomie möglichen Punkte – und das alles mit einem sehr freundlichen, gastorientierten Servicepersonal.

Rang zwei belegt Plötzetal Ost an der A 14 nördlich von Halle, Rang drei die österreichische Landzeit-Raststätte Voralpenkreuz an der A 1 Salzburg - Linz südlich von Wels. Der vierte und fünfte Platz wird in diesem Jahr von den Autohöfen Lippetal und Herbolzheim belegt. Das kann nicht über das größte Manko der Autohöfe hinwegtäuschen: mangelnde Sicherheit im Außenbereich und teilweise immer noch fehlende Freizeiteinrichtungen für Kinder, aber auch für Erwachsene.

Die Verlierer mit der Bewertung sehr mangelhaft: als Vorletzter der Autohof Hengersberg an der A 3 bei Deggendorf. Er fiel mit durchwegs schlechten Noten in den Kategorien Verkehr/ Parken, Außenanlage, Gastronomie, Service und Hygiene durch.

Schlusslicht ist die Raststätte Bad Bellingen an der A 5 zwischen Freiburg und Basel. Hier gab es nahezu nichts, was die ADAC-Tester positiv hätten vermerken können - Außenanlage, Zugang und Innenbereich, Gastronomie, Kommunikation und Hygiene, alles mehr oder weniger miserabel. Der Kommentar unserer Tester: „Eine katastrophale Anlage mit einem frustrierenden gastronomischen Angebot. Sie sollte baldmöglichst abgerissen werden. Unsere Empfehlung: unbedingt meiden!“

Das Urteil mangelhaft bekamen fünf weitere deutsche Betriebe sowie drei österreichische und zwei spanische, außerdem ein italienischer (Scaligera Ost), ein französischer (Béziers Montblanc Nord) und ein schweizerischer (St. Margrethen Süd).

Die Ergebnisse der einzelnen Kategorien:

Verkehr/ Parken

Das Ergebnis: 2 Mal die Note sehr gut, 5 gut, 28 ausreichend, 22 mangelhaft und 3 sehr mangelhaft.

42 Prozent der Testkandidaten sind in dieser Kategorie durchgefallen. Als beste Raststätte mit beinahe 100 Prozent der erzielbaren Punkte ist hier der französische Betrieb Langres-Noidant zu nennen. Das zweite sehr Gut erhielt die Raststätte Hermsdorfer Kreuz. Unter den fünf mit gut bewerteten Anlagen finden sich die beiden italienischen Betriebe Limenella Ost und Bettole Ost.

In Italien hat sich in dieser Hinsicht Einiges getan, nachdem die Anlagen dieses Landes in früheren Jahren in dieser Kategorie immer mit am schlechtesten abgeschnitten haben. Ebenfalls ein Gut bekamen die Raststätte Plötzetal Ost und der Autohof Theeßen sowie die französische Raststätte Roussillon.

Besonders die fehlende oder nicht durchgängige Sicherheit für Fußgänger im Außenbereich sorgte für schlechte Benotungen. Mehr als 93 Prozent der Anlagen (56) schnitten in diesem Punkt sehr mangelhaft ab. Oftmals fehlt nur der letzte Zebrastreifen über die Fahrspur, die Parkbereich und Raststättengebäude trennt, um den Zugang für Fußgänger sicher zu gestalten. Doch gerade diese Spur ist oft viel befahren und damit gefährlich.

Riskant auch, wenn Fußgänger hinter dem Heck parkender Fahrzeuge laufen müssen. Beim Ausparken aus der Parklücke werden gerade Kinder leicht übersehen. Die Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen der Autobahnen sind dagegen meist ausreichend bemessen und problemlos zu befahren.

Außenanlage

Das Ergebnis: 5 Mal die Note gut, 10 ausreichend, 10 mangelhaft und 35 sehr mangelhaft.

Traurig aber wahr: Drei Viertel der Anlagen sind hier durchgefallen. Nur bei der Hälfte der Rastanlagen gab es Kinderspielplätze im Außenbereich und Picknickplätze. Bei einem Drittel ließ der optische Gesamteindruck zu wünschen übrig. Gut abgeschnitten haben hingegen die Deutschen Plötzetal Ost, Hermsdorfer Kreuz und Am Kahlberg West, die französische Raststätte Poulet de Bresse sowie die österreichische Anlage Pettnau. Bei diesen Anlagen überzeugte der Außenbereich durch einen guten Gesamteindruck, Spiel- und Picknickplätze sowie ausreichend Mülleimer auf dem Gelände.

Nur sieben der Testkandidaten hatten zusätzliche Erholungsanlagen wie zum Beispiel Fitnesspfad, Spazierweg oder Teich zu bieten. Spazierpfade findet man auf den zwei Schweizer Betrieben Rheintal Ost und Forrenberg Süd – wobei hier der Fitnesspfad zum Testzeitpunkt stark verwahrlost war –, auf den französischen Raststätten Langres-Noidant und Poulet de Bresse, sowie auf den deutschen Raststätten Rimberg Nord und Am Kahlberg West. Fitness-Stangen fanden sich nur in Thurau Nord in der Schweiz.

Zugang und Innenbereich

Das Ergebnis: 1 Mal die Note sehr gut, 19 gut, 15 ausreichend, 10 mangelhaft und 15 sehr mangelhaft.

Auch hier kein wesentlich besseres Bild: 42 Prozent der Betriebe haben die Testkriterien nicht erfüllt. Nur die französische Raststätte Roussillon konnte mit 100 Prozent der Punkte die Note sehr gut erzielen. Sie bietet auch Rollstuhlfahrern einen problemlosen Zugang zu den Einrichtungen der Raststätte, eine gute Wegführung im Innenbereich und Massagestühle zur Erholung. Zehn Autohöfe und vier deutsche, drei österreichische sowie zwei französische Raststätten erhielten das Urteil gut.

Sehr mangelhaft wurden unter anderem sechs deutsche Raststätten und ein Autohof bewertet. Ihr Manko: ein für Behinderte beschwerlicher oder ohne fremde Hilfe nicht möglicher Zugang zur Raststätte und keinerlei Erholungsanlagen im Innenbereich. Absolutes Schlusslicht ist die Schweizer Raststätte Forrenberg Süd, die hier gerade mal sechs Prozent der erreichbaren Punkte erhielt – und zwar dafür, dass die Tester wenigstens den Shop auf Anhieb gefunden haben.

Zusätzliche Erholungsangebote im Innenbereich bieten lediglich die zwei Betriebe Roussillon in Frankreich mit Massagestühlen und der Autohof Lohne mit einem Solarium.

Gastronomie

Das Ergebnis: 13 Mal die Note sehr gut, 28 gut, 14 ausreichend, 4 mangelhaft und 1 sehr mangelhaft.

Erfreulich: Mehr als zwei Drittel der Kandidaten konnten die Tester in puncto Essen und Trinken überzeugen. Gastronomisch sehr gut war das Angebot in den fünf deutschen Raststätten Im Hegau Ost, Plötzetal Ost, Dammer Berge Ost, Edenbergen Süd und Siegburg West, im Autohof Regensburg, außerdem in vier Betrieben in Italien sowie in je einem in Österreich (Voralpenkreuz), Spanien (Logroño) und Frankreich (Poulet de Bresse). Schlusslichter waren der Autohof Hengersberg (mangelhaft) und die Raststätte Bad Bellingen (sehr mangelhaft).

Bei Letzterem, dem Testverlierer in dieser Kategorie, war nicht nur das Restaurant unangenehm schmutzig. Die Spaghetti Bolognese und das Putengeschnetzelte fielen im Geschmackstest glatt durch, und am Salatbüfett gab es nur einen einzigen Blattsalat frisch, der Rest kam aus der Dose.

Shop/ Kiosk

Das Ergebnis: 18 Mal die Note sehr gut, 15 gut, 24 ausreichend und 3 mangelhaft.

Das Warenangebot des Shops war in 55 Prozent der Anlagen gut bis sehr gut. Die Note sehr mangelhaft musste in dieser Kategorie erfreulicherweise nicht vergeben werden. Erstmalig sollten heuer auch mindestens zwei Sorten frisches Obst im Warenkorb der Tester liegen.

Hier verloren vor allem die spanischen Raststätten, von denen keine diese Erwartung erfüllen konnte. Aber auch auf den deutschen Autohöfen sowie in Italien und Frankreich gab es oftmals kein frisches Obst im Angebot.

Service

Das Ergebnis: 45 Mal die Note sehr gut, 11 gut, 1 ausreichend und 3 mangelhaft.

Die beste Kategorie im Test: Drei Viertel der Anlagen erzielten hier die Bestnote. Die Kundenorientierung und Freundlichkeit des Personals war erfreulich. Sogar beim Testverlierer Bad Bellingen bemühte man sich um die Gäste, was allerdings die gravierenden Mängel in den anderen Kategorien nicht wettmachen konnte.

Die großen Ausnahmen: In Siegburg Ost wurden die Tester unfreundlich bedient, in Hengersberg ließ das Erscheinungsbild des Personals stark zu wünschen übrig, und die Serviererinnen rauchten während der Arbeit. Darüber hinaus gab es nur noch eine negative Ausnahme, nämlich die Raststätte Quintanapalla in Spanien.

Kommunikation

Das Ergebnis: 8 Mal die Note ausreichend, 2 mangelhaft und 50 sehr mangelhaft.

Wie bereits im vergangenen Jahr konnte keiner der getesteten Betriebe die Note sehr gut oder gut erreichen, schlimmer noch: 87 Prozent sind in dieser Kategorie durchgefallen. Herkömmliche Telefone sind zwar auf fast jeder Anlage vorhanden, aber Rollstuhlfahrer können sie oft nicht benutzen, weil die Tastatur zu hoch angebracht oder die Bewegungsfläche zu klein ist.

Eine Möglichkeit, ins Internet zu kommen, ob mit eigenem Laptop (über Hot Spot) oder über ein Terminal in der Raststätte, sucht man in der Schweiz, Italien, Frankreich und Spanien vergeblich. Auch in Österreich hält lediglich die Raststätte Walserberg beide Möglichkeiten für Besucher bereit. Im Spitzenfeld liegen hier die deutschen Autohöfe, von denen sechs Betriebe ein Internet-Terminal sowie Wireless LAN anbieten. Aktuelle Verkehrsinformationen erhält man inzwischen zumindest in der Mehrzahl der deutschen Betriebe.

Hygiene

Das Ergebnis: 3 Mal die Note sehr gut, 10 gut, 24 ausreichend, 14 mangelhaft und 9 sehr mangelhaft.

Ein Drittel der Betriebe konnte sich nur auf den hinteren Rängen platzieren, nur drei erreichten die Note sehr gut: die beiden Raststätten Plötzetal Ost und Dammer Berge Ost sowie der Autohof Herbolzheim. Zehn Gut teilen sich fünf deutsche Raststätten, der Autohof Lippetal, die österreichischen Raststätten Wörthersee und Voralpenkreuz, der Schweizer Betrieb Thurau Nord und die italienische Raststätte Sesia West. Unter den mit sehr mangelhaft bewerteten Betrieben sind auch Hengersberg und Bad Bellingen mit ihren alten und obendrein schmutzigen Sanitäranlagen.

Die schlechteste Bewertung erhielt die Raststätte Béziers-Montblanc Nord mit schmutzigen Toiletten, unkomfortabler Babywickelmöglichkeit und schlechten Hygienewerten, gefolgt von Weer in Österreich mit alten Anlagen und miserablen Hygienewerten: der Toilettensitz erwies sich im ersten Test als gesundheitsgefährdend, die Türklinke und die Wickelmatte als potenziell gesundheitsgefährdend.

Von den spanischen Raststätten erreichte lediglich Moncaliàn ein Mangelhaft – allerdings auch mit katastrophalen Laborwerten –, die anderen drei fielen mit sehr mangelhaft durch. Die schlechtesten Laborwerte hatte die französische Raststätte Roussillon: Türklinke und Toilettensitz waren bei beiden Hygienetests gesundheitsgefährdend.

Preise

Das Ergebnis: 4 Mal die Note sehr gut, 14 gut, 23 ausreichend, 11 mangelhaft und 8 sehr mangelhaft.

In den getesteten deutschen Raststätten gibt es das Standardmenü nicht unter zehn Euro. Von ihnen schaffte nur der Testsieger Im Hegau noch ein Gut in dieser Kategorie. Ganz anders die deutschen Autohöfe: Sie konnten sich 60 Prozent der positiven Wertungen sichern. Die Schweiz hat nach wie vor das höchste Preisniveau. Vier Mal die Note sehr mangelhaft bestätigt die geringe Kaufkraft des Euro in diesem Hochlohn-Land. In Thurau Nord kamen die Tester noch am billigsten weg.

In Italien werden Kaffee und Sandwiches noch immer sehr günstig angeboten. Doch für andere Waren gilt das inzwischen nicht mehr. In fünf von sieben Betrieben waren die Preise im Shop auffallend hoch, was die Tester zum Urteil sehr mangelhaft veranlasste. Allgemein ist auf italienischen Raststätten das Essen äußerst günstig, der Shop aber meist teuer. Auch in spanischen Raststätten kann man wie schon in den vergangenen Jahren sehr günstig essen und trinken.

DPA DPA

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