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Dakar-Tagebuch: Pannen, Ausfälle und Führungswechsel

Sven Quandt, der Chef des BMW-X-Raid-Team, schildert die Erfolge und die Niederlagen des Renntages bei stern.de.

Dakar 2009, Sven Quandt, 14.Etappe

Was für eine Rallye Dakar! Seit dem 3. Januar 2009 waren wir im Dauereinsatz, um das Spektakel nun mit einer rauschenden Abschlussparty gebührend ausklingen zu lassen. Das gesamte Team feierte ausgelassen miteinander bis spät in die Nacht. Zugegebenermaßen ging es bis 4.30 Uhr morgens, sodass man diesen Event auch gut und gerne als die 15. Etappe bezeichnen könnte.

Erst einmal gratuliere ich VW ganz herzlich zu Ihrem Doppelsieg. Was wäre die Dakar ohne entsprechende Wettbewerber, und wir freuen uns schon darauf, im kommenden Jahr wieder gegen eine so gute Spitze antreten zu können. Vieles war neu. Mitsubishi, der Sieger der letzten sieben Dakars in Folge (zwölf Gesamtsiege), war ja zum ersten Mal mit Dieselmotor angetreten und hat jetzt sicherlich auch ein spannendes Entwicklungsjahr vor sich.

Nun aber erst einmal der Reihe nach: Bei der letzten und 14. Etappe zwischen Córdoba und Buenos Aires konnte das X-raid Team eine zweit -und fünftschnellste Zeit vermelden. Das war sicherlich die herausforderndste und unvorhersehbarste Dakar in der 31-jährigen Geschichte der berühmten und berüchtigsten "Cross-Country-Rally" der Welt. Unser französisches Team mit Guerlain Chicherit und seinem Beifahrer, Matthieu Baumel (der heute auch noch seinen 33. Geburtstag feierte) sorgte für zwei dramatische Wochen mit der fünftschnellsten Zeit bei dieser letzten Etappe, nachdem er den ersten CP (Kontrollpunkt) noch als Erster passiert hatte.

Das Ergebnis reichte Chicherit für eine Gesamtplatzierung auf Rang 9. Sein russischer Teamkollege, Leonid Novitskiy fuhr noch einmal die zweitbeste Zeit der finalen 227 km Wertungsprüfung ein und landete auf einem fantastischen achten Platz der Gesamtwertung.

Nicht so glücklich war das Ende für unseren holländischen Fahrer René Kuipers, der mit seinem portugiesischen Beifahrer, Filipe Palmeiro ein hervorragendes Dakar-Debüt geboten hatte. Leider verhängte der Veranstalter (ASO) im Nachhinein eine Zehn-Stunden-Zeitstrafe für mehrere Teams, die die finale Wegstrecke auf der Stage zwischen La Rioja und dem Eintreffen in das Bivouac in Córdoba ausgelassen hatten. Das kostete Kuipers seinen zehnten Platz der Gesamtwertung, sodaß er, trotz siebtschnellster Zeit auf der letzten Etappe, bei der Gesamtwertung auf Platz 18 rutschte.

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Drei unserer sechs BMW X3 CCs sind ja leider, wie schon berichtet, ausgefallen: Auch wenn unser Qatari Nasser Saleh Al-Attiyah mit seiner schwedischen Beifahrerin Tina Thörner anfangs der Geheimtipp der Eröffnungsstages war und zwei schnellste Etappen hingelegt hatte, wurden die beiden ordnungsgemäß disqualifiziert, bevor sie die Anden nach Chile überqueren konnten, weil sie ein paar entscheidende Wegpunkte in einer Anreihung von Dünen ausgelassen hatten. Ein Feuer in der Wertungsprüfung bedeutete das Aus für unseren Holländer Peter van Merksteijn und seinem belgischen Co-Driver Eddy Chevallier. Lokalmatador und Argentinier Orlando Terranova mit seinem französischen Beifahrer Alain Guehennec bewegten sich stets unter den Top Zehn, bis sie auf der zehnte Etappe in eine kleine Schlucht abgerutscht waren und ein konzentrierter Einschlag den Sicherheitskäfig so beschädigte, daß sie aufgeben mussten.

Abschließend sind wir glücklich darüber, daß keines unserer Fahrzeuge auf Grund eines technischen Defekts aus dem Rennen geworfen wurde. Nasser hat eindrucksvoll bewiesen, dass das Auto das Potenzial hat, die Dakar zu gewinnen. Mit zwei Platzierungen unter den Top Zehn sind wir mehr als motiviert, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein und den Sieg im Auge zu behalten.

Die gesamte Veranstaltung war jedoch ein voller Erfolg! Über eine halbe Million Menschen waren bei dem Start dabei und sogar noch viele mehr sind zum Zieleinlauf. Das Interesse welches bei der lokalen Bevölkerung geweckt werden konnte, hat uns sehr berührt und trägt zu einer Euphorie bei, die einen hoffen lässt, dass das Jahr schnell vorbei geht, um wieder hier zu sein.

Dakar 2009, Sven Quandt, 12.Etappe

Es kam so wie es kommen musste. Der Tag stellte sich als ein besonders harter für alle Teams dar. Morgens fing es schon sehr ungewöhnlich an. Es regnete in einer Gegend, in der das im Sommer nicht so häufig vorkommt. An den Bergen gab es sogar ein Gewitter. Nachdem ich um 6.45 Uhr die Fahrer mit unserem schönen X6 in zwei Rotationen zum Camp gebracht habe, ging es zum Flieger.

Heute durften wir nicht einmal Handgepäck mitnehmen, aber ohne meinen Computer und die Telefone war ich nicht bereit, in den Flieger zu steigen. Vor allem weil die Luft kühl war und ein kräftiger Wind wehte, so dass es keine Probleme mit dem Start geben sollte. Die Landebahn war nicht gerade lang. Normalerweise sollte sie es bei 1600 Meter Höhe schon sein, aber es war dann doch überhaupt kein Problem und wir sind gut gestartet. Meinen Laptop und die Telefone hatte ich natürlich trotzdem mitgenommen. Wir waren ja sowieso nur die Hälfte an Personen im Flieger.

In Rioja angekommen ging es leider nicht sofort ins Camp. Der Busfahrer brauchte noch ein Ladekabel und so bekamen wir unfreiwillig noch eine Stadtrundfahrt. Natürliche waren wir, die Teammanager, nicht sehr erfreut, denn wir wollten so schnell wie möglich an die Computer. Das Camp lag auf einer Rennstrecke, dadurch war zumindest ein wenig Asphalt da. Auch wenn wir darauf nicht campen durften, gab es wenigstens nicht so viel Staub. Hier kamen dann sofort die ersten Nachrichten. Carlos hat sich überschlagen und ist raus. Kurz darauf: Mitsubishi hat Probleme und Miller liegt vorne. Das ganze Klassement hat sich verschoben und jetzt, kurz vor Ende der Rallye, soll es noch einmal so richtig losgehen. Guerlain ist ganz gut unterwegs, aber am Ziel ist er noch nicht angekommen. Was ist passiert?

Auch bei VW gab es schon wieder eine Verschiebung. Giniel De Villiers hat auf den letzten 130 Kilometern richtig Gas gegeben und gut navigiert. Jetzt liegt er im Gesamtklassement vorn. Von unseren Autos kommt Leonid noch mit einer ganz guten Platzierung ins Ziel, aber was ist mit Guerlain und Rene? Das bedeutet wieder warten. Endlich, Guerlain ist im Ziel, aber mit über zwei Stunden Rückstand auf den Führenden. Rene steckt fest bei Kilometer 170. Wir hoffen, dass er da rauskommt. Glücklicherweise ist es hier im Camp zwar warm aber nicht so heiß wie gestern, wo es um 17.00 Uhr noch über 40 Grad waren. Marco, mein Teammanager, geht alle halbe Stunde zur Racecontroll und fragt nach Rene. Unser Racetruck ist auch ganz in der Nähe. Jetzt können wir nur hoffen, dass er ihn findet und rausziehen kann.

Dann nach vier Stunden der Anruf von Filipe, Renes Beifahrer, sie sind aus den Dünen raus, bei Kilometer 174 und gerade ist ihnen gesagt worden, dass das Rennen für heute abgebrochen wird und sie sich jetzt einen Weg zur Teerstraße suchen sollen. Auch der T4 ruft kurz danach an und meldet, dass er aus den Dünen ist. Auf Klaus und seine Mannschaft im T4 Renntruck ist immer Verlass. Klaus ist schon über 15 Jahre bei mir im Team und wir haben schon viel gemeinsam erlebt.

Als die Autos dann so langsam gegen 17.00 Uhr im Camp ankommen sehen alle mehr als nur mitgenommen aus. Die Fahrer steigen erschöpft aus den Fahrzeugen und Guerlain sagt zu mir, dass wäre der schwerste Tag in seinem Leben gewesen. Sein Free-Ski-Riding, indem er vierfacher Weltmeister ist, sei dagegen ein Kinderspiel. Na dann war es wohl wirklich schlimm. Nur schade für Rene der dadurch leider seine gute Platzierung verliert. Jetzt sind Leonid und Guerlain auf acht und neun. Rene hat bisher eine so gute Dakar gefahren, dass er mir dann richtig leid tut. Natürlich sind wir im Team noch happy mit dem Ergebnis, aber erst einmal müssen wir jetzt sehen, wo wir am Ende stehen. Zu erwähnen für heute wäre noch, dass Leonid geholfen hat, den VW von Carlos Saniz auf die Räder zu stellen, der dann aber nicht mehr weiterfahren konnte, da sein Beifahrer sich verletzt hatte.

Wir haben heute schon angefangen, die LKW für den Rücktransport fertig zu machen. Die BMW X3 CC haben heute eine sehr große Überholung nötig gehabt.

Wie immer geht es spät ins Bett und langsam freue ich mich darauf, einmal richtig auszuschlafen. Die Etappe heute war viel zu schwer und der Veranstalter hat nicht nur meiner Meinung nach völlig das Maß verloren. In so einer Situation ist dann eben weniger mehr.

Dakar 2009, Sven Quandt, 11.Etappe

Heute konnte ich endlich mal sechs Stunden am Stück schlafen. Nachdem ich gestern Nacht noch bis um 2.30 Uhr am Laptop gesessen und gewartet habe, dass unser Renntruck endlich auf der Ergebnisliste erscheint, konnte ich die Zeit wenigstens nutzen um ein paar E-Mails zu schreiben. Durch die Zeitverschiebung ist es nicht so einfach, zu Hause jemanden ans Telefon zu bekommen, denn vor 20.00 Uhr hiesiger Zeit bin ich meist noch so beschäftigt, dass keine Zeit für Telefonate bleibt. Letzte Nacht hatte ich dann in meinem Zimmer noch Marco eins, meinen Teammanager und Marco zwei, einen meiner besten Mechaniker untergebracht. Wir drei fliegen heute zum Marathontag, weil es eh keinem Mechaniker erlaubt ist, an diesem Tag am Auto zu schrauben. Sie dürfen dem Team dennoch mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das Einschlafen mit meinen beiden Mitarbeitern war jedoch nicht so einfach, denn mit ihrem Schnarchen hätte man einen ganzen Wald fällen können. Irgendwann ist man dann aber doch so müde, dass die Augen einfach zufallen.

Morgens nahm uns die Crew von Mitsubishi mit zum Flughafen und so konnten wir bis gegen 9.00 Uhr schlafen. Der Flug nach Fiambala war nicht so spektakulär wie erwartet, da man zwar eine große Schleife mit dem Flugzeug drehen muss um auf die Höhe zu kommen um über die Anden zu fliegen, jedoch steigen die Anden hier langsam an und so ist der Höhenunterschied nicht so sichtbar wie von Mendoza nach Valparaiso.

Fiambala liegt wie es so schön heißt "in the middle of nowhere". Eine Piste zum Landen und ein paar Häuser. Tagsüber ist es warm und abends kühl bis kalt. Da die Wertungsprüfung heute abgesagt wurde und sämtliche Fahrzeuge inklusive der Rallye-Autos die ganze Strecke als sogenannte Verbindungsetappe fahren, ist es sozusagen ein Ruhetag für uns. Wir sitzen also im Zelt und warten bis die BMW X3 CC da sind und natürlich auch unser Renntruck, denn der ganze Servicetross muss direkt nach La Rioja fahren. Alle Trucks bis auf einen sind heute früh schon um vier Uhr losgefahren und haben so die Möglichkeit den Sonnenaufgang in den Bergen zu erleben. Katrin (die mich ja sonst im Flugzeug begleitet) hat heute mit Marco zwei getauscht und gleich beim ersten Telefonat berichtete sie mir wie toll es war. Ja, diese Passage muss ich mir wohl für ein anderes Mal aufheben. Die Rennautos sind gegen 15.00 Uhr im Camp eingetroffen und die Beifahrer checken alles. Morgen wird es noch mal hart. Die Fahrt mit dem Auto über den Pass muss fantastisch gewesen sein. Die Fahrer und Beifahrer zeigen mir alle Bilder und da wird man dann erst recht neidisch. Tolle Landschaft und keiner der Crew hatte ein Problem mit der Höhe. Um 16.00 Uhr dann ein Anruf der Servicecrew, dass sie doch bis Rioja fahren wollen und lieber ein paar Stunden mehr unterwegs sind, aber dafür morgen am Platz bleiben können.

Marco eins hatte ich in die „Stadt“ geschickt, um für uns wenigstens ein Zimmer zu finden, damit die Fahrer nicht im Zelt schlafen müssen. Er kommt zurück und hat sogar mehrere Schlafplätze in einem Haus gefunden und von Mitsubishi bekommen wir noch zwei Zimmer in einem Hotel. Na ja Hotel ist etwas übertrieben, aber es stehen in jedem Zimmer drei Betten und eine Art Dusche gibt es auch. Da wir auch für den Rest der Crew einige Betten gefunden haben, mieten wir uns noch einen Ford 1972 Pickup, um dann alle so schnell wir möglich ins Hotel bringen zu können. Der Fahrer und Eigentümer des Pickups hatte uns bei der Suche nach der Unterkunft geholfen und für Marco eins und zwei noch schnell ein Mittagessen organisiert. Rührend, wie hilfsbereit und herzlich die Menschen hier vor Ort sind. Glücklicherweise ist Claus Mühlberger auch noch mit unserem Presse BMW X6 gekommen und so haben wir genügend fahrbaren Untersatz, um all unsere Leute in das Hotel und Haus fahren zu können. Die Stadt ist etwa vier bis fünf Kilometer entfernt und die Sonne sticht heftig. Renè und Leonid bringe ich sofort nach ihrer Anfkunft ins Hotel, damit sie sich ausruhen können. Guerlain muss noch im Camp bleiben weil er noch ein paar Interviews geben muss. Der Wind hat sich ein wenig gelegt, aber wir sind froh als wir um 20.30 Uhr dann auch endlich im Hotel und Haus ankommen.

Morgen wird ein langer, harter Tag Fiambala nach La Rioja. Und jetzt durchsuche ich einfach mal mein Gepäck nach Ohrstöpseln und hoffe auf ein paar Stunden Tiefschlaf.

Dakar 2009, Sven Quandt, 10.Etappe

Es fing heute Morgen schon an, aber irgendwie wusste ich nicht, woran es lag. Irgendwas war anders. Ich hatte im Hotel zwar gut geschlafen und war auch sehr früh im Camp, doch da ging es bereits los. Genau das, was ich vermutet hatte, war eingetreten. Nebel bzw. sehr niedrige Wolken. Vor vielen Wochen hatte ich den Veranstalter schon darauf hingewiesen, dass es meiner Meinung nach durchaus möglich ist, dass sich in dieser Gegend morgens Nebel bildet. Wenn der Wind nicht stark genug ist, drückt kalte, feuchte Luft vom Meer über den warmen Boden. So bildet sich relativ schnell Nebel. Vor zwei Jahren hatten wir genau das Problem in dieser Gegend. Damals konnte der Hubschrauber dann nicht starten. Damit ist die Sicherheit der Rallye nicht gewährleistet und der Start muss verschoben werden. So kam es heute zu einer Startverzögerung von zirka zweieinhalb Stunden. Es war fast Mittag, als die Autos starten konnten.

Wir, das heißt die Crew, die sonst im Flugzeug mitreist, hatten heute die Möglichkeit direkt an die Prüfung zu fahren und etwas von Land und Leuten zu sehen. Wir nahmen einen unserer BMW X5 Serviceautos und fuhren etwa 120 km bis zum ersten Kontrollpunkt (CP). Die Fahrt dorthin war fantastisch. Es ging über einen 200 Meter hohen Pass in sehr schroffem Gelände. Am Horizont konnte man zum Teil die schneebedeckten Anden sehen. In etwa 800 Meter Höhe hörte die Wolkendecke auf oder besser sie brach durch die warmen Sonnenstrahlen auf. Ein wunderschönes Panorama. Hier fühlten wir uns frei, denn irgendwie kamen wir uns schon vor wie in einem Gefängnis. Morgens ins Flugzeug, dann in den Bus und ab ins Camp. Dieser Vorgang wiederholt sich jeden Tag. Wir sehen eigentlich nur Flugplätze und die Camps. Vom Land und den Leute sehr wenig. Wenn ich durch meine vorherigen Reisen Argentinien und Chile nicht schon gesehen hätte, wäre ich wahrscheinlich sehr enttäuscht gewesen.

In einem ganz kleinen Ort war dann der Kontrollpunkt. Ganz in der Nähe war ein kleiner Berg, von dem man eine unheimlich gute Sicht hatte. So konnten wir etwa zehn Kilometer der Strecke einsehen. Als nach zirka einer Stunde unsere BMW X3 CC kamen, waren wir guter Dinge. Orly lag auf Platz eins mit knapp 15 Sekunden Vorsprung vor Carlos Sainz. Guerlain zeigt uns eine tolle Show. Vor unseren Augen saugte er sich förmlich an den vor ihm fahrenden Buggy an und überholte ihn direkt vor uns. Die Differenzgeschwindigkeit war schon beeindruckend. Nachdem alle unserer Autos durch waren, sprangen wir in unser Auto und fuhren schnell zum zweiten Kontrollpunkt. Auf dem Weg dorthin konnten wir schon drei Staubfahnen hintereinander sehen. Die führenden drei Fahrzeuge lagen dicht beieinander. Orly war der Dritte, aber da er vier Minuten hinter dem ersten gestartet war, lag er jetzt vorne im Tagesklassement.

Am CP 2 war Orly dann natürlich schon durch, da wir noch einen Bogen fahren mussten. Aber vom Posten am Kontrollpunkt wurde uns gesagt, dass er mit 40 Sekunden in Führung liegt. Minuten später klingelte das Satellitentelefon und ich ahnte schon schlimmes. Alain, der Beifahrer von Orly, war am Telefon und sagte mir beide wären OK, aber sie hätten das Auto "auf das Dach geschmissen".

Mit Hilfe eines Fahrzeugs der Organisation wurde das Auto wieder auf die Räder gestellt und kam dann die fünf Kilometer zurück zum Kontrollpunkt, wo wir jetzt warteten. Von außen sah der Wagen noch ganz gut aus, aber ein Blick ins Innere sagte mir sofort, dass das Rennen für Orly aus ist. Der Käfig hatte einen Knick und das ist zu gefährlich, um weiterzufahren. Schade. Orly war unser bester BMW im Feld. Zwei Autos in den Top 10 wollten wir schon haben. Wir entfernten die halb abgefallenen Plastikteile und Orly folgte uns die 150 km zurück ins Camp.

Dort mussten wir auch nicht lange warten bis Guerlain eintraf. Er hatte heute einen guten Tag, auch wenn er sich leider einmal in den Dünen gerollt hat, weil ihm Zuschauer vor den Wagen gelaufen waren. Im Sand ist das aber meist nicht so schlimm. Es ist fast nichts passiert. Glück gehabt und Zeit hat er auch fast keine verloren. Leonid und Rene kamen zwar etwas später an, aber mit den Platzierungen können wir ganz zufrieden sein. Heute Abend steht dann ein großes Briefing meiner Mitarbeiter an, denn bis auf die Flugzeugcrew überqueren morgen alle die Anden und müssen mit den Autos(Servicetrucks, Racetruck und Serviceautos) bis auf 4200 Meter klettern. Viele Sicherheitsmaßnahmen werden von mir noch einmal erklärt und ich bitte alle besondere Vorsicht walten zu lassen.

Manche freuen sich, sind aber sichtlich nervös. Die Rallyeautos fahren ebenfalls über diese Höhe. Auch wenn die Etappe als Wertung morgen abgesagt ist, wird es mit Sicherheit keine leichte Verbindungsetappe. Wir haben es morgen zwar bequem, aber viel lieber würde ich selbst über den San Francisco Pass fahren, denn das muss ein tolles Erlebnis sein. Ich hoffe, wir haben schönes Wetter, damit wir wenigstens vom Flugzeug aus etwas sehen. Morgen mehr darüber.

Dakar 2009, Sven Quandt, 9.Etappe

Es hat geklappt. Unser Einspruch war erfolgreich. Beim Auslesen des Sentinel in Robbys Auto sind mehr als 100 Einträge von Guerlain gefunden worden, das sollte reichen. Robby wird eine Strafzeit bekommen. Heute Abend werden wir sehen, wie hoch die Strafe ausfällt. Zur Erklärung, wenn man ein Auto überholen will, kann man den Sentinel Knopf drücken und das Gerät sendet ein Signal in jedes Fahrzeug welches sich im Umkreis von 300 Metern befindet. Das soll gewährleisten, dass man nicht blockiert wird.

Der Morgen war relativ ruhig. Die meisten unserer LKWs sind früh gestartet und als ich um 7.00Uhr aus meinem LKW stieg, war unser Platz schon halbleer. Die BMW X3CC standen geputzt und gecheckt wunderschön in einer Reihe. Orly war nach dem Vorfall von gestern nicht gut drauf und kam deutlich zu spät vom Hotel zurück. Aber es reichte noch für den Start.

Rene ging es heute früh nicht so gut. Der Tag gestern hatte Ihn ziemlich erschöpft. Ich sprach kurz mit Ihm, um Ihn wieder etwas aufzubauen. Felipe sollte heute den ersten Teil der Verbindungsetappe fahren, dann kann sich Rene noch etwas schonen. Die zweite Woche der Dakar geht an die Konstitution und natürlich wird der Druck immer größer, wenn man weiter vorne ist. Wir können heute nur warten und hoffen, dass er es schafft, damit wir uns heute Nacht um ihn kümmern können. Rene fährt seine erste Dakar im Auto und dafür hat er eine super Platzierung.

Wie immer steigen wir nach kurzem Warten in den kleinen Flieger und freuen uns wieder Sonne zu sehen. Heute wird es wieder heiß, denn sobald die Sonne rauskommt ist es fast unerträglich warm. Die Landschaft hat so oft gewechselt in den letzten Tagen und nach etwas grün wird es jetzt wieder etwas schroffer mit felsigen Bergen und sandigen Tälern. Die Wolkendecke reißt auf und schon ist es 10 Grad wärmer. Rechts aus dem Flieger sieht man die leicht schneebedeckten Anden und links den Pazifik. Unter uns wechseln sich Berge mit breiten Tälern mit ausgetrockneten Flüssen ab. Es ist fantastisch.

Im Camp angekommen geht es gleich wieder an den Laptop. Katrin, meine Sportrechtlerin, und ich versuchen herauszubekommen, wo unsere Autos stecken. Guerlain war bis jetzt super, aber auf einmal fällt er weit zurück. Was ist passiert? Dank Satellitentelefon bekommen wir schnell raus, dass sie sich nicht nur verfahren haben, sondern auch noch eine Antriebswelle gewechselt werden musste und ein Sensor am Motor in der Stage gewechselt wurde. Jetzt läuft er wieder. Er ist von fünf auf den Platz 70 zurück gefallen. Orly, Rene und besonders Leonid fahren heute richtig gut. Orly ist zeitweise auf zwei bzw. drei und Leonid auf vier bzw. fünf. Die letzten Kilometer Dünen machen ihnen aber zu schaffen. So endet Orly auf Platz vier, Leonid auf sechs und Rene auf 11. Ein top Ergebnis. Guerlain pflügt nach seinen Problemen sozusagen durchs Feld und überholt in den ersten 35 Minuten nach der Reparatur sage und schreibe 12 andere Fahrzeuge. Am Ende ist er auf Platz 28 und das ist für über eine Stunde Reparatur sehr gut.

Im Camp in Copiapo bleiben wir zwei Tage. Glücklicherweise hat Scott, mein Logistik Manager, einen guten Platz gefunden und es staubt nicht so sehr. Heute müssen die BMW X3 CC gut durchgesehen werden, denn morgen ist eine lange und harte Etappe. Viel, viel Sand und hohe Dünen. Die Strecke wurde wieder einmal gekürzt, aber im leichteren Teil, damit mehr Zeit für die Dünen bleibt. Zu guter letzt kommt die Nachricht, dass Robby Gordon keine Zeitstrafe bekommen soll. Also gehen Marco, Katrin und ich daraufhin um 22.30 noch zu den Kommissaren und fragen nach dem Grund der Entscheidung. Robby hat sich wieder einmal rausreden können, aber wir lassen nicht locker. Jetzt muss Guerlain morgen zu den Sportkommissaren und eine Aussage machen. 126 Signale sind unserer Meinung nach zu viel und wir könne diese Entscheidung so nicht akzeptieren. Wir werden also bis morgen Abend abwarten müssen. Morgen bleiben wir hier. Da es eine Loop Stage ist, dürfen wir sogar an einem Punkt unseren Autos zusehen.

Dakar 2009, Sven Quandt, 8.Etappe

Alle sind so einigermaßen ausgeruht nach einem Tag Pause, zumindest war keine Nachtarbeit nötig. Für die Fahrer geht es wieder früh raus. Wir im Flieger der Teammanager dürfen immerhin bis 7.45Uhr schlafen. Nach dem Ruhetag gibt es immer einen Tag zum langsam wieder Herantasten. Es folgt ein kurzer Flug mit neuer Crew im Flieger, mit der wir erstmal warm werden müssen. Sie sind noch sehr zurückhaltend. Mit der Crew der ersten Woche hatten wir viel Spaß und durften auch mal ohne weiteres ins Cockpit. Die Piloten kamen am Wochenende aus Uruguay und fliegen uns jetzt bis nach Buenos Aires. Ein kurzen Flug über den Wolken, bisher gab es nur Sonne. Es ist schon verrückt, einmal Wolken und schon beschwert man sich.

Die Stadt La Serena kenne ich bereits. Hier war vor eineinhalb Jahren ein Stop der Patagonia Atakama Rallye. Das Camp hat immerhin Grasbewuchs am Boden und es staubt nicht so extrem, sehr angenehm. Wir finden einen guten Platz am Rande des Camps. So sind wir nicht ganz so dem Rummel ausgesetzt. Am Computer des Zeltes für die Teammanager angekommen klingelt bereits das Satellitentelefon und das erste Problem kommt auf mich zu.

Orly hat Schwierigkeiten mit dem Motor. Das kann doch nicht wahr sein. Erstmal in Ruhe mit den Fahrern sprechen. Sie sind natürlich völlig aufgewühlt und reagieren ziemlich kopflos. Am Telefon muss man dann erstmal Ruhe einkehren lassen. Während des Telefonates fährt das Auto wieder. Also weiter. 20 Minuten später klingelt das Telefon erneut. Wieder Orly . Jetzt kann er mir den Fehler besser beschreiben, aber klar, der Vorführeffekt: den Chef anrufen und schon läuft er wieder. Es geht weiter. Jedoch ist dies nur von kurzer Dauer. Es gibt mir aber die Möglichkeit mich mit meinen Spezialisten von BMW zu unterhalten und über das Satellitentelefon eine Lösung für das Problem zu suchen. Keine fünf Minuten später klingelt es wieder. Jetzt ist es einfacher, auch wenn Alain der Beifahrer von Orly wieder sehr aufgeregt ist. Jetzt gehe ich mit ihm Schritt für Schritt die Möglichkeiten durch. Und siehe da, nach zwei, drei Minuten haben wir das Problem lokalisiert. Ein Sensor ist defekt und so läuft der Motor mal und mal nicht. Einen Ersatz haben sie dabei. Jetzt nur noch schnell sagen, auf welcher Seite die Einbauanleitung im Notfallbuch ist und dann schnell wechseln. Der BMW läuft danach wieder super und Orly kann noch mehr als 30 Plätze gutmachen auf dem zweiten Teil der Prüfung. Nicht toll, aber noch ganz ok. Orly verliert nur zwei Plätze im Gesamtklassement.

Alle anderen Autos sind schon im Ziel. Heute kommen die Mechaniker auch früher ins Bett. Es gibt nicht so viel zu tun. Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Guerlain ist heute fast 100 km lang von Robby Gorden blockiert worden. Da müssen wir heute Abend dann doch mal das Sentinel (Gerät zur Überwachung und zum Überholen mit Aufzeichnung) auslesen lassen. Daran kann man erkennen wie lange jemand hinter einem war. Und da Geniel von VW direkt hinter Guerlain war haben wir gleich zwei Zeugen. Mal sehen was passiert. Mehr dazu morgen.

Dakar 2009, Sven Quandt, Ruhetag in Valparaiso

Heute war Ruhetag. Naja, wenn man dazu Ruhetag sagen kann. Für die Fahrer und Beifahrer schon, aber Mechaniker und Management hatten alle Hände voll zu tun. Morgens war nichts mit Ausschlafen. Es hieß früh raus und mit Guerlain und Klaus, unserem T4 Fahrer, los ziehen, um in den Bergen eine Strecke zu suchen, die wir für einen kurzen Co-drive mit den Journalisten nutzen können. Drei Journalisten haben die Möglichkeit, jeweils im Truck und im Rennauto mitzufahren. Danach wieder ab ins Camp, um Interviews zu geben. Natürlich werden immer die gleichen Fragen gestellt: Was ist mit Nasser passiert? Wie lief alles ab? Wieso sind Nasser und Tina um die Dünen herum gefahren? Zwischendurch immer wieder ein Gang durchs Camp, um zu sehen, in wie weit unsere BMWs schon revidiert sind. Das zieht sich dann aber noch bis weit in den Abend hinein. In der Zwischenzeit wurden die Trucks wieder neu gepackt. Alle Autos und Trucks wurden gewaschen und sehen wieder gut aus. Das Licht im Camp geht erst gegen 23.00Uhr aus.

Tina wird morgen zurück nach Hause fliegen. So essen wir noch gemeinsam mit einigen Journalisten in einem italienischen Lokal. Nach sieben Tagen Fleisch, können wir kein Fleisch mehr sehen. Pasta und frischer chilenischer Fisch sind daher eine willkommene Abwechslung.

Die Fahrer haben ordentlich ausgeschlafen und konnten sich tagsüber ein wenig erholen. Leonid und Guerlain haben sich ein Boot gemietet und sind zum Hochseefischen auf den Pazifik gefahren. Dabei konnten sie gut relaxen.

Morgen geht es von Valparaiso nach La Serena. Nach den Schrecken der vergangenen Tage heißt es dann wieder nach vorn sehen und neue Ziele angehen. Vier Autos ins Ziel zu fahren wäre sehr gut, wenn wir das im Vergleich zu den anderen Top-Teams sehen. Guerlain und Leonid haben die besten Voraussetzungen, um sich in der Gesamtwertung weiter nach vorn zu schieben, wenn es nun in den Norden von Chile geht und weiter in die Atacamawüste.

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 7

Nach dem Schock von gestern, brach ein neuer Tag für uns an. Neue Ziele angehen und die ganze Mannschaft wieder motivieren, das ist nicht ganz so einfach. Die Sonne strahlte schon wieder früh morgens. Da wir zirka eine Stunde in der prallen Sonne auf den Flieger warten mussten, habe ich mir einen ordentlichen Sonnenbrand geholt. Der Temperaturunterschied zwischen Schatten und Sonne ist enorm. Meist weht ein leichter Wind. Im Schatten braucht man eine Jacke und in der Sonne am Besten eine kurze Hose.

Der Flug nach Valparaiso hat uns dann für einiges entschädigt. Landschaft pur. Der höchste Berg der Anden, der Aconcagua, lag direkt vor uns. Wunderschön in der Sonne und stellenweise mit Schnee bedeckt. Zum Teil durfte ich im Cockpit sein und hatte eine tolle Aussicht auf die Anden und dann den Pazifik. Im Camp angekommen gab es auch schon die Ergebnisse. Da war die Welt dann auch schon fast wieder in Ordnung. Guerlain auf 5 und Leonid auf 9.

Die anderen beiden Autos weiter hinten, aber keine Plätze verloren. Vom Camp aus kann man auf den Pazifik sehen. Es weht zwar ein kalter Wind, aber der Himmel ist strahlend blau.

Abendessen mit Journalisten aus Deutschland. Wir sind in einem tollen Steak- Restaurant mit gutem chilenischen Wein. Heute eine Übernachtung im Hotel. Natürlich mit einer ganz langen Dusche. Leider wurde es dann doch sehr spät und mit Ausschlafen war dann auch nichts, mehr dazu morgen.

Strandbad , Partytown, spät Abendessen, nette Leute, aber nicht ganz so verrückt wie in Argentinien. Die Crew im Flugzeug wechselt.

Unsere netten Piloten der uruguayanischen Armee werden ausgetauscht.

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 6

Heute war wohl der schwärzeste Tag. Und wir dachten schon, nach dem Vortag kann es nicht schlimmer kommen. Der Flug ging nach Mendoza. Dann wie üblich rasch ins Camp und an die Computer.

Bei Kilometer 36 sind alle Top-Autos durch. Wo ist Nasser? Er fehlt. Jetzt beginnt das Bangen.

Haben die Mechaniker etwas nicht richtig gemacht? Sie haben doch die ganze Nacht durchgeschraubt und jetzt? Warten, warten. Was dann passiert können wir nicht glauben. An der ersten Zeitkontrolle ist Nasser wieder da. Jetzt mit 20 Minuten Vorsprung. Aber ist wirklich alles ok? Nach kurzer Zeit häufen sich die Gerüchte, dass Nasser ein Waypoint fehlt. Naja, das wären vier Strafstunden. Schlimm, aber noch im Rennen. Jetzt verdichten sich die Gerüchte. Mein Teamchef Marco kommt zu mir und berichtet, dass es sogar mehrere Waypoints sein können, wenn sie nicht durch den Sand gefahren sind. Wir können nur abwarten. Im Ziel der Prüfung gibt Nasser ein Interview und sagt, es könne durchaus sein, dass ihnen Waypoints fehlen, denn sie hätten den Sand zum Teil umfahren müssen.

Wir wissen aber immer noch nicht, wie viele Waypoints fehlen. Ich versuche Tina anzurufen, aber es funktioniert nicht. Erst nach einigen Versuchen habe ich Erfolg. Jetzt kommt die Gewissheit, sie haben mehr als vier Waypoints nicht. Das bedeutet Ausschluss, an führender Position. Eine harte Nachricht, aber wir versuchen alles, damit er weiterfahren darf. Wir würden auch 100 Strafstunden akzeptieren, aber keine Chance. Die Kommissare würden sogar "ja" sagen, aber der Veranstalter sagt "nein".

Das ist für das gesamte Team eine herbe Enttäuschung. Zwei Top Autos in zwei Tagen zu verlieren ist bitter. Abends gibt es dann noch ein kleines Essen im Haus der Eltern von Orly, aber so richtig gut gelaunt ist keiner von uns. Eine lange Dusche hilft den Schmutz ein wenig abzuspülen, leider nicht die Enttäuschung. Am Abend noch ein Briefing mit der Mannschaft. Das neue Ziel – Orly und Rene unter die ersten 10 und Leonid und Guerlain unter die ersten 16 zu bringen. Wenn wir das schaffen, sind wir gut. Das Rennen ist noch lang.

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 5

Heute war ein guter und ein schlechter Tag. Nach der Landung ging es, wie an allen Tagen, sofort ins Camp. Nichts wie ran an den Laptop, aber zu der Zeit gab es noch keine Verbindung mit dem Internet. Also mit dem Handy nach Deutschland telefonieren und immer den neusten Stand der Ergebnisse erfragen. Heute war es spannend, es gab vielfache Führungswechsel. Am letzten Kontrollpunkt lag Nasser vorne, aber dann kam Gras und die Kühler setzten sich zu. Der Wagen wurde heiß und Nasser musste so oft anhalten, dass er nur noch Vierter in der Etappe wurde.

Die Nacht wurde dann für fast alle von uns zum Tag. Bis alles gecheckt war und wir alle Probleme am Motor behoben hatten, wurde es schon wieder hell. Aber ein Unglück kommt selten allein. Ein anderes Auto von uns fing Feuer und brannte total aus. Van Merkstejin unser dritter Fahrer war damit aus dem Rennen. Fahrer und Beifahrer haben nichts abbekommen und sind wohlauf. Wir führen zwar heute die Wertung an, aber so ganz kann man sich darüber nicht freuen, wenn man auf der anderen Seite ein Auto verliert.

Am Abend gab es dann noch einen richtigen Sturm und wir mussten nicht nur uns, sondern auch sämtliche Zelte und Dinge die wegfliegen konnten in Sicherheit bringen. Am morgen standen dann wieder 5 Autos am Start. Mal sehen was heute auf uns wartet.

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 4

Gestern war das Camp kalt und staubig. Es war schlimmer als in Afrika und dazu wehte noch ein heftiger Wind. Wir mussten lange am "Flughafen" warten, den man wohl besser als Piste mit Teerschicht bezeichnen kann. Gerade angekommen erreichte uns dann auch schon die schlechte Nachricht, daß einer unserer beiden Renntrucks Probleme auf der Strecke hat. Er wird es wohl bis ins Camp schaffen, aber mir wird wohl eine lange Nacht bevorstehen. Der Renntruck ist für uns doch so wichtig und wir werden über Nacht schrauben, reparieren und hoffen, daß er morgen wieder läuft. Zum Glück sind unsere Autos heute früh fertig -so gegen 22.30 Uhr-, sodaß wenigstens ein Teil der Crew heute etwas mehr Schlaf bekommt.

Mit den Ergebnissen unserer Fahrer können wir heute sehr zufrieden sein. Nasser ist mit Tina nur sechs Sekunden hinter Carlos ins Ziel gekommen. Orly ist auf dem siebten Platz gelandet, Guerlain auf dem neunten und der Rest passt auch. Mit dem Bus sind wir ins Camp rübergefahren. Tausende Menschen säumen die Strasse. Das ist schon eine tolle Stimmung. Das Camp ist heute zwar warm aber noch staubiger und windiger als gestern. Die Landschaft wechselt jetzt von eher kargen Bildern in eine tolle Umgebung mit Seen und viel Grün.

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 2

Früh aufstehen, ist eigentlich die ganze Rallye angesagt. Also ca. um 05h30 / 06h00 geht es los. Letzter Rundgang um die Autos, um zu sehen, ob alles repariert werden konnte. Kurzes Gespräch mit den Ingenieuren, ob es die Nacht noch irgendwelche technischen Probleme gab die ich wissen sollte, dann zwischen 07h30 und 08h00 in den Bus, der alle Teammanager zum Flughafen bringt. Ca. 18 bis 24 Personen fliegen dann zum nächsten Übernachtungstopp. Flugdauer etwa 1-1 ½ Stunden.

Dort angekommen, stürzen alle entweder ans Telefon, wenn sie nicht schon im Flugzeug bei der Landung das Handy angemacht und versucht haben, erste Informationen über den Stand der Rallye vom Büro Zuhause zu bekommen, oder man geht ins Teammanager Zelt und setzt sich, bewaffnet mit mindestens 3 Telefonen, an den Veranstalter PC und sieht zu, was die eigenen Autos so machen.

Die 3 Telefone erklären sich ganz einfach. Ein Telefon ist ein Firmentelefon von Zuhause, ein Telefon mit einer lokalen Sim-Karte und ein Satellitentelefon. Viele Telefone, jedoch hofft jeder Teammanager, das seine Telefone nicht klingeln, denn dies bedeutet meistens, dass es Probleme bei einem Rennauto gibt.

Erst wenn die jeweiligen Autos im Ziel sind, ist man relaxet. Vorher ist die Anspannung ziemlich hoch. Dann heißt es, warten bis die Autos über die Straße fahrend am Ziel der Tagesetappe sind. Die Fahrer berichten alle Probleme oder Vorkommnisse bei der Ankunft den Ingenieuren. Danach wird der Plan für die Nacht gemacht und die Abfahrtszeiten für den nächsten Tag für 80 Personen, die in 8 MAN Servicetrucks und 8 Servicefahrzeugen untergebracht sind, festgelegt.

Die Crew arbeitet jetzt, wenn notwendig, die ganze Nacht durch, bis die Rennautos und Renntrucks wieder Top fit sind. Vorher gibt es dann noch eine kurze Besprechung mit den Fahrern und Beifahrern und dann heißt es ins Bett gehen. Zuvor gibt es noch einen letzten Rundgang um die BMWs und kurze Gespräche mit den Mechanikern. Zwischen 24h00 und 01h30 versuche ich im Bett zu liegen um wenigstens 5 Stunden Schlaf zu bekommen. 14 Tage dauert die Dakar und so geht es fast jeden Tag bis auf den Ruhetag, dazu später mehr.

Der Tag fing soweit heute gut an, denn bis zum ersten Kontrollpunkt hatte Nasser nur ein paar Sekunden auf Carlos Sainz verloren. Dann aber kam es sehr dick. Tina, die eigentlich alles perfekt macht, nimmt ein zu großes Risiko und zeigt Nasser den falschen Weg. Jetzt hieß es zurückfahren und wertvolle Zeit ging verloren. Ich bekomme dies nur am Computer mit und kann mir oft meinen Reim aus den verlorenen Zeiten machen, bevor die Fahrer im Camp sind. So auch heute, denn auf 30 km 6 Minuten zu verlieren, ist nicht normal und da ich das Roadbook angesehen hatte, dachte ich mir schon, dass Nasser und Tina sich verfahren hatten.

So war es dann auch, es haben sich im Anschluss daran zwar noch viele andere Teilnehmer verfahren, aber wir haben halt die Zeit auf den ersten Platz mit 4 Minuten verloren. Guerlain fuhr heute nach der gestrigen Besprechung deutlich besser und fuhr Fehlerfrei auf Platz 15 nachdem er von Platz 21 gestartet ist. Orly aus Argentinien, schaffte heute die beste Teamplatzierung mit dem 8. Platz. Nasser liegt aber weiter gut im Rennen, denn mit etwas mehr als 4 Minuten Rückstand auf die Spitze, liegt er immer noch auf Platz 4. Morgen kommt die erste große Etappe und dort wird sich das erste mal zeigen, wie groß die Unterschiede zwischen den Fahrern und den Rennautos sind.

Erster Erfolg und erster Crash

Dakar 2009, Sven Quandt, Etappe 1

Die erste Etappe der Dakar in Argentinien ist vorbei, mein Team und ich sind alle im Bivouac angekommen. Das ist jeden Tag schon mal eine große Erleichterung.

Der Tag heute war sehr ereignisreich - zwischen großer Freude und Pech. Mit Nasser und Tina haben wir den Tagessieg geschafft und führen mit unserem Team zum ersten Mal bei einer Dakar, das ist schon ein tolles Gefühl, auch wenn wir wissen, dass die Dakar in Argentinien/Chile eine große Herausforderung ist und wir heute grade den ersten Tag erfolgreich hinter uns gebracht haben.

Auf der anderen Seite haben wir mit Guerlain Chicherit einen unserer Topfahrer für eine wirklich gute Platzierung verloren. Er ist aufgrund des starken Staubes auf der Strecke von der Straße abgekommen und hat sein Auto so stark beschädigt, dass er zuviel Zeit verloren hat.

Besonders freue ich mich für unseren argentinischen Fahrer, Orly, der in seinem Land heute als 7. die Etappe beenden konnte und natürlich von der Bevölkerung gefeiert wird.

Bisher kann ich nur sagen, dass die Dakar in Argentinien ein voller Erfolg ist. Die Menschen sind begeistert, es herrscht einen tolle Stimmung, tausende Personen säumen die Straßen, die Leute feiern mit uns.

Der Start in Buenos Aires gestern war ein unbeschreibliches Erlebnis. Die Rennfahrzeuge mussten sich einen Weg durch die Zuschauermassen bahnen. Soviel begeisterte Menschen habe ich bisher nur bei der Paris-Peking 1991 gesehen. Die Temperaturen tun ihr übriges für die Stimmung, denn bei 20 bis 30 Grad lässt es sich gut feiern und zum arbeiten für die Mechaniker ist dies auch viel angenehmer.

Morgen wartet auf alle Teilnehmer ein neuer anspruchsvoller Tag.

Sven Quandt

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(