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Fernbuslinien in Deutschland: Der Bus fährt billiger

Die Fahrt mit dem Bus kostet etwa die Hälfte des Bahnpreises. Sonderangebote sind noch günstiger. Nur Geduld muss der Reisende mitbringen - und an einer der wenigen Strecken wohnen.

Von Gernot Kramper

Das Verbot fällt, der Bus rollt - von wegen. So weit ist es noch nicht. Das gesetzliche Verbot von Fernbuslinien ist gefallen, aber von einem echten Busnetz kann man noch lange nicht sprechen, denn noch gibt es mehr Löcher als Maschen im Netz. Und auch auf den angebotenen Routen verkehren die Busse nicht im Stundentakt, sondern sehr viel seltener. Einmal am Tag ist durchaus üblich - Taktung möchte man das nicht nennen.

Das Angebot soll in den nächsten Jahren besser werden. Junge Firmen wie "Dein Bus" unterhalten schon jetzt ein eigenes, bescheidenes Netz. Ausländische Verkehrskonzerne wie National Express aus England und Veolia aus Frankreich wollen nach Deutschland expandieren. Die Deutsche Post will 2014 gemeinsam mit dem ADAC Buslinien betreiben. Und natürlich wird die Deutsche Bahn ihre Stellung verteidigen. Sie dürfte als erster Anbieter in der Lage sein, ein echtes, flächendeckendes Netz anzubieten.

Wer aber schon heute fahren will, dem nützen die Zukunftspläne wenig. Es ist eher ein Zufall, wenn Abfahrtsort und Zielpunkt an einer der wenigen Strecken liegen und die Zeiten auch noch einigermaßen passen.

Preisvorteil - Zeitnachteil

Das Netz hat Lücken, dafür ist der Preis echt heiß. Nur ein Beispiel für viele: Die Deutsche Touring fährt von Hamburg nach Mannheim, das sind etwa 600 Kilometer. Der reguläre Fahrpreis beträgt für den Erwachsenen 54 Euro. Ein Promoangebot kostet höchstens 37 Euro. Derzeit muss man für diese Strecke an keinem Tag mehr zahlen, wenn man im Netz bucht. Wer bereit ist, sich ein paar Wochen im Voraus festzulegen, findet weitere Angebote für 25 Euro. Ab Mitte Februar, das ist etwa ein Monat im Voraus, kosten Sparangebote nur noch neun Euro. Das Ticket für neun Euro ist an keine weiteren Bedingungen gebunden.

Lässt man den konkurrenzlosen Supersparpreis von neun Euro außer Acht, ist der Bahnpreis etwa doppelt so teuer wie das Busticket, dafür benötig die Bahn auch nur die Hälfte der Fahrzeit. Die Vergleichsdaten: Die Fahrt mit der Deutschen Bahn kostet regulär 122 Euro. Bei rechtzeitiger Buchung stehen auch Sonderangebote für etwa 60 Euro zur Verfügung.

Ein Motorradfahrer will kräftig angeben und blamiert sich heftig.

Bei kürzeren Strecken kann die Bahn den Zeitvorteil übrigens wieder einbüßen. Die Firma "Dein Bus" bietet die Strecke Tübingen - Stuttgart - Frankfurt für nur neun Euro an. Die Fahrt mit der Bahn kostet 53 Euro. 44 Euro gespart für eine um 45 Minuten längere Fahrzeit. Der Stundenlohn dürfte für die meisten Kunden stimmen.

Kein überflüssiger Luxus

Im Prinzip könnte ein Reisebus auch jede Menge Komfort bieten. Komfortable Sitze und großzügiger Abstand der Sitzreihen wären denkbar. Trotzdem wird es keine Luxuseinrichtung im Fernbus geben. Die Busse punkten beim Kunden vor allem mit einem günstigen Preis, der darf nicht durch Mehrausstattung gefährdet werden. Ein Bordrestaurant und einen Wickeltisch wie in der Bahn wird man im Bus vermissen. Aber es gibt auch kleine Zugaben: Reisebusse verfügen immer über einen großen Stauraum unterhalb des Passagierabteils. Gepäckstücke sollten sich daher problemlos unterbringen lassen. Anders als bei der Bahn gibt es im Fernbus keine Stehplätze. Wer eine Karte gelöst hat, muss sich um einen Sitzplatz nicht sorgen, und die vier Euro für die Reservierung sind auch gespart.

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