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Kompakt-SUV: Im Dutzend nicht billiger

Statt durch Schlamm fahren sie auf den Supermarktparkplatz und zum Kindergarten. Geländewagen ohne harte Geländetauglichkeit sind beliebt wie nie zuvor. Das haben jetzt auch die letzten europäischen Hersteller mitbekommen.

Von Axel F. Busse

Lange haben sie sich von asiatischen Herstellern vormachen lassen, wie es geht: Die vom Geist der wuchtigen amerikanischen Urväter Ford Bronco oder Chevrolet Blazer inspirierten Geländewagen asiatischer Herkunft bestimmen seit den 90er-Jahren in Europa das Geschehen in der mittelgroßen Klasse. Toyota RAV-4, Honda CR-V, Kia Sportage, Mitsubishi Outlander, Hyundai Tucson und Nissan X-Trail bedienten die Kunden mit günstigen Preisen und großer Vielseitigkeit. Nur wer es sich leisten konnte, griff mit dem BMW X3 zu einer deutschen Alternative, die aber mit 4,56 Meter Länge auch kein ganz kompaktes Auto mehr ist. Es gibt gute Gründe für deutsche und europäische Marken, ein entsprechendes Angebot zu haben. Alle seriösen Prognosen sagen den kompakten SUV weiterhin Wachstum voraus. Selbst auf dem deutschen Markt, dessen Neuzulassungen im vergangenen Jahr um mehr als neun Prozent zurückgingen, verzeichnete der Bereich der Geländewagen einen Zuwachs von 1,8 Prozent.

Mercedes und Audi legen nach

Als zweiter deutscher Hersteller nach BMW ist Volkswagen auf den fahrenden Zug aufgesprungen. Mit dem Modell Tiguan haben die Wolfsburger dem deutlich größeren Touareg einen handlichen Geländegänger zur Seite gestellt. Auf Anhieb erreichte das erst seit November ausgelieferte Modell die Spitze der monatlichen Zulassungsstatistik. Mercedes hat seinen kleinen Kraxler schon fertig und wird ihn im Laufe dieses Jahres als Typ GLK auf den Markt bringen. Das Gleiche gilt für Audi, der abgespeckte Q7 wird als Q5 an den Start gehen.

Einer der Stars des Genfer Auto Salons Anfang März soll der Volvo XC.60 werden. Stilistisch orientiert sich die Karosserie stark an dem großen XC.90. Doch anders als beim ersten Geländewagen der Schweden ist der kleine Bruder deutlich sportlicher geraten. Über dem muskulösen Unterbau mit großer Bodenfreiheit erhebt sich eine sportlich abgerundete Kabine: Die Frontscheibe ist stark geneigt, die Dachlinie fällt fast wie bei einem Coupé nach hinten ab, und die Heckklappe wird von den typischen Winkelgläsern der Volvo-Familie eingerahmt.

Angetrieben wird der XC.60 entweder von einem drei Liter großen Reihensechszylinder mit 285 PS oder einem 2,4 Liter großen Fünfzylinder-Diesel, den es mit 163 oder 185 PS gibt. In der ersten Welle wird es diese Motoren nur in Verbindung mit einem Allradsystem geben, dessen Kraft variabel zwischen den Achsen verteilt wird. Denkbar ist auch eine spätere Sparversion, die sich dann mit Frontantrieb begnügen muss.

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Ein zweiter Schwede steht schon in den Startlöchern und heißt Saab 9-4X. Er bereichert das europäische SUV-Angebot voraussichtlich ab 2009 und dürfte der jüngst bei der Automesse in Detroit vorgestellten Studie ziemlich ähnlich sehen. Die Aufmerksamkeit des Genfer Messepublikums muss sich der Saab noch mit einem dritten Neuzugang teilen: Skoda hat den Bau des Sportgeländefahrzeugs "Yeti" angekündigt und wird ein erstes Exemplar in den Genfer Hallen vorstellen.

Auch Renault bedient sich in Korea

Und auch Ford will noch ein Stück vom Kuchen haben und die Begeisterung der Europäer für hochbeinige Vielzweckautos nutzen. Der Typ Kuga soll dieses Jahr die bisher offene Flanke bei den SUV schließen.

All diese Fabrikate sind eigenständige Entwicklungen der Marken, deren Logos sie tragen. Opel und Fiat, aber auch die französischen Hersteller haben dagegen ihr Heil in Kooperationen gesucht. Der Opel Antara beispielsweise ist eigentlich ein aus koreanischer Fabrikation stammender Chevrolet, der Fiat Sedici ein Zwilling des Suzuki SX-4.

Der französische PSA-Konzern mit seinen Marken Citroën und Peugeot hat sich mit Mitsubishi verbandelt und aus dem erfolgreichen Modell Outlander ein frankophiles Derivat gemacht. Als Peugeot 4007 und Citroën C-Crosser kamen die Fahrzeuge im vergangenen Jahr auf den deutschen Markt. Ab September soll das Trio aus dem Land der Trikolore wieder komplett sein. Dann wird endlich auch Renault ein Auto im Offroad-Kleid anbieten. Der Koleos, so die Typenbezeichnung, ist jedoch auch keine Eigenentwicklung: Das Vorbild erblickte als Samsung QM5 das Licht der koreanischen Autosalons.

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