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Nordschleifen-Training: Diese Kurven bringen mich noch um

Geheimnisvolle Abgründe, Erhebungen, dunkle Senken, lockende Tiefen und das Passieren gefährlicher Zonen. Dieses Paradies des Motorsports kann jeder Mann zwei Tage lang erkunden und erkosten. Zum Pauschal-Preis!

Es lockt das BMW Fahrertraining "Faszination Rennstrecke" auf der Nordschleife am Nürburgring. Die Wallstatt aller Rennfahrer, vom Profi bis zum Möchtegern.

Die "Nordschleife", jene Berg-und-Tal-Bahn durch die Eifel, zieht jeden echten Fahrer magisch an, so wie Eigernordwand und Mount Everest die Bergsteiger hinaufziehen. Ein Wagnis für alle Piloten. Der Mythos der Eifel-Königin ist weltbekannt, jeder will zumindest einmal im Leben die "Grüne Hölle" fahren. Das ist fast jeden Tag möglich, bis etwa 18:00 Uhr blockieren Firmen die Strecke. Danach kommt die Touristenfahrt. Für 14 Euro pro Runde ist jedermann auf der schnellsten Einbahnstraße der Welt mit dabei. Wahnsinnige Benzin-Süchtige mit aufgebrezelten Serienmodellen, Ferrari-Fahrer, die ausgerechnet hier ihr Status-Geschoss ausfahren wollen und mittendrin Familienväter, die Kindern und Kombi das Letzte abverlangen. Genug Wallfahrer für die hungrige Schleife, denn sie verschlingt ihre Fans - bis heute soll sie 400 Tote gefordert haben. Zahlen über die Opfer unter den PS-Touristen gelten als "top-secret" und werden unter Verschluss gehalten.

Königin in Regen und Nebel

Die Strecke ist ein Biest. Kurven, Senken, Belagwechsel und Kuppen, in einer Zahl, dass man - wie gesagt wird - hundert Runden braucht, um den Kurs einigermaßen intus zu haben. Dazu kommt das Eifel-Wetter - unberechenbar, launisch, gemein, häufig regnerisch. Auch heute. Morgenmagazin - Wetterbericht: Heftige Gewitter in Süddeutschland, Marschrichtung Nord, also auf die Schleife zu. Da hilft nur Gottvertrauen, also Polohemd angezogen und Regenjacke im Koffer gelassen. Nützt aber alles nichts, die Strecke führt Wasser. Wenn schon, dann richtig. Klatschnass rein in den M3. Zum Glück trocknet die Sitzheizung. Für den Asphalt gibt es keine Heizung, der Belag schmiert. Unzählige Piloten haben hier ihre Rennreifen in den Belag gearbeitet, das merkt der M3. Beim Aussteigen die Probe. Selbst die Schuhe glitschen.

"Ihr sollt lernen, dass ihr nicht fahren könnt"

Lektion Nummer eins bei der Wagenausgabe: "Der Sportwagen ist kein Schlafwagen", ran ans Steuer und aufrecht sitzen. Auch das "Manta-Ärmchen" an der Seitenscheibe sehen die BMW- Instruktoren nicht gern. Fenster zu und Arm rein. "Nimm ihn halt rein. Wir wollen den Rest nicht vom Belag kratzen", grantelt es gutmütig. Das Fahrertraining nähert sich der Schleife mit Respekt. "Demut, nur Demut bringe ich euch bei", verrät BMW-Instruktor Rolf Maritz. Der ehemalige Rennfahrer ist der Elder-Statesman des Fahrertrainings. Der Schweizer wirkt wie ein Berg. Beruhigend, mit ihm wird nichts schief gehen. "Respekt" vor der gefährlichen Geliebten - Das heißt, nicht einfach die Gurte enger schnallen, Zähne zusammen beißen und irgendwie durchrutschen. Sektion für Sektion tasten wir die Schleife ab, zuerst im Schritttempo mit dem Wagen, manchmal sogar zu Fuß. Bremspunkte ansehen, die richtige Linie fühlen. Erste Erkenntnis: "Das Wichtigste ist das Bremsen." Der Mensch ist dumm, vor allem, wenn er am Steuer sitzt. Er denkt: "Wer bremst, verliert." Rolf schüttelt den Kopf über diesen Unverstand. Keiner aus der Gruppe widerspricht offen. Aber Sportsfreunde, wollten wir die Schleife nicht so angehen? Mit Vollgas und Augen zu? Viele vor uns versuchten die Schleife mit Gewalt zu bezwingen. Überall gleißen die Leitplanken im Sonnenlicht. Ihr frisches Metall blinkt uns zu, da ist jemand erst vor kurzem durchgebrochen. "Bremsen tut gut", meint Rolf. "Dem Wagen und euch." Alle machen den gleichen Fehler: Vor der Kurve möglichst Tempo machen, dann zu spät oder zu wenig gebremst. Die Rechnung kommt sofort, der Wagen fliegt nicht durch die Kurven, er zerrt. Nur mit Sägen und Rucken würgt man ihn durch. Das Ergebnis? Rolf grinst: "Ihr kommt langsamer raus, als wenn ihr vernünftig rein gefahren wärt."

Eine Kurve kommt immer noch

Nach den einzelnen Sektionen kommen die Rundenfahrten, 25 Kilometer Konzentration pur. Sofort geht es rein ins Hatzenbach-Geschlängel, nach der dritte Kurve schiebt der Wagen gewaltig. Zur Unzeit nachgebremst. Der Vordermann rasiert über die Curbs, ein Dreher und er steht verkehrt herum am Ausgang Hoheneichen. Knapp vorbei. Kurz danach das Schwedenkreuz. Der M3 fliegt mit 230 km/h heran. Kurzes Abheben über der Kuppe. Jetzt bloß nicht lenken, bloß nicht bremsen, bevor der Wagen Haftung hat, sonst geht es bei der Landung richtig ab. Dann runter in die Arembergkurve. Zu Fuß konnte man vorhin sehen, wie steil die Piste hier herunterrauscht. Für manchen offenbar zu steil. Zwei verdrillte Spuren im Asphalt zeigen, wie ein Motorradrahmen hier aus der Form getrieben wurde. Hoffentlich musste der Fahrer nicht unter dem Rahmen gequetscht auf den Rand zurasen. Egal, weiter geht es: Fuchsröhre, Wehrseifen, dann zum Bergwerk, der Ecke, von der Nikki Lauda sagt, dort habe er sein größtes Barbecue gefeiert. Die Legende, das Carracciola-Karussell: die 180-Grad Steilkurve. 30 Grad Neigung auf grobem Beton. Hier knarzt selbst der M3. Wer aus dem schmalen Betonband rutscht, den hält der flache Asphaltstreifen nicht. Ihn wird der Forst abbremsen. Am Ende, nach vielen, vielen Runden bleibt ein Traum: Die makellose Runde fahren. Eine Lebensaufgabe, der sich die Sportpiloten verschrieben haben, die mit eigenem CLS angereist sind. Eine wilde Gruppe. Riesige Katzen zieren eine straffe Motorhaube, beim Piloten beißt der Bauch aggressiv in den beschlagenen Gürtel, dafür blinkt die Rolex Daytona am Handgelenk. Am auffälligsten "Brillanten-Wuschel", kunstvoll, zerzaustes Haar, Drei-Tage-Bart, im Ohr blitzen Steine, für die Blondinen töten könnten. Kein Grund zum Schmunzeln. Auf der Strecke kann man nur den Blinker setzen, ihn vorbei lassen und - ach ja - Demut lernen.

Behüter mit 343 PS

Der M3 ist ein High-Tech-Sportgerät, das viel verzeiht, und keine tückische Diva. Wie geschaffen, um einen über die Schleife zu tragen. Sicherer und perfekter als der Fahrer, dabei einfach zu bedienen. Ein Zug an der Schaltwippe und das SMG-Getriebe knallt den nächsten Gang rein. Jedes Mal explodieren die 343 PS, bis auf 9000 Umdrehungen dreht der Motor hoch. Ebenso sicher, wie brachial verzögert der M3 auch. Die Nordschleife nimmt der Wagen perfekt, zumindest solange der Fahrer nicht zu viele Fehler macht. Aber auch mit 343 PS unter dem Hintern, und 180 km/h auf der Uhr ist man wieder der kleine Bub. Nur nicht den Anschluss verlieren. Solange Tempo und Bremslichter der Vordermänner sagen, wie es weitergeht, läuft alles wie geschmiert, wenn es auch mal ruckt. Beim Alleinflug über die Fahrbahn stehen die Haare zu Berge. Hätte man nur die Strecke vorher besser studiert. Der Fahrer hat zu viel zu tun, um Angst zu haben, als Beifahrer sieht das schon anders aus. Wenigstens hat BMW eine solide Halterung in der Tür angebracht, praktischer wäre eine Rundum-Haltestange, schließlich gibt es für die Nummer zwei kein zweites Lenkrad an Bord. Den richtigen Einruck bekommt man erst stehend direkt neben der Strecke. Anfahrt auf den Buckel des Schwedenkreuzes, ein Knall, dann fliegen die Wagen in Formation vorbei.

Nice and easy

Die Instrukteure lehren nicht, wie man die letzte Sekunde aus der Strecke heraus wringt. Sie lieben den eleganten Weg. Bei Rolf im Wagen sieht man, wie sparsam gelenkt werden kann. Der Wagen fliegt und trägt sich wie von selbst über die Schleife. "Ich bin lieb zum Auto, dann ist das Auto auch lieb zu mir", Rolf lächelt. Eine Hand am Lenker, eine am Funkgerät, mit dem er mit der Gruppe spricht. Genau gesetzte Bremspunkte, dosierte Lenkbewegungen. Mit schlafwandlerischer Sicherheit fliegt der Wagen über die Strecke. Beim Fahrertraining auf dem Nürburgring kommt vor allem der Spaß an der Sache zum Zuge. Oder der Wunsch nach Perfektionierung für echte Amateur-Piloten. Fürs wirkliche Leben, für Gefahrensituationen, lernt man mehr im Sicherheitstraining oder auf anderen Strecken. "Die Nordschleife verzeiht dir nichts", meint Rolf fast bedauernd. "Die größte Herausforderung für uns Instruktoren sind Fahrer, die sich überschätzen. Ihnen muss ich zeigen, dass sie nicht so gut sind, wie sie gedacht haben." Nur auf der Schleife sei der Raum für pädagogische Experimente knapp bemessen. "Hier jemand einfach mal in seinen Fehler rein fahren lassen? Das geht nicht, das ist einfach kein Platz an den Seiten."

Preiswert, aber nicht billig

Vier Guys aus den USA sind angereist. Sie sind schon von weitem zu erkennen, am perfekten Haar, am perfekten Teint und den makellosen Zähnen. Ein Super-Quartett, wie den Träumen von Sex and the City entsprungen. Ihr Europa kennt keine Frauen. Die Schleife füllt sie vollkommen aus. "Great" die Strecke, "Great" das Team und der M3 sowieso. Wenn Frauen das Geld auf Wellness-Farmen und beim Chirurgen verjubeln, warum sollen sich Männer nicht die gehobene Herren-Party auf der Nordschleife gönnen? Billig ist der Spaß für 1.800 Euro auf den ersten Blick nicht, trotzdem soll das Training innerhalb von 24 Stunden ausgebucht sein. Nach zwei Renntagen steht fest: Preiswert ist die "Faszination Rennstrecke" auf jeden Fall. Was wird geboten: Unterkunft und Verpflegung, dazu mehr als 900 km auf der Nordschleife. Der Reifensatz hat seine besten Kilometer hinter sich, ein Fahrzeug - und was für ein Fahrzeug - wird gestellt. Und einzig und unbezahlbar: Echte Profis weihen in die Geheimnisse der Nordschleife ein. Kommentare, Anregungen und die Exkursionen auf der legendären Strecke machen das Training auf der Schleife einzigartig. Wann hat ein Normal-Sterblicher sonst die Möglichkeit, anzuhalten und zu Fuß das Karussell zu durchschreiten? In den Touristen-Runden mag der Thrill größer sind, in der Sekunde, in der man mit der Uhr am Anschlag über eine Kuppe fliegt und sich plötzlich hinter einem vollbesetzten Sharan wieder findet. Ein Spaß, den man sich mit dem Fahrertraining ersparen kann.

Nächstes Jahr in der Eifel

Das Idealziel wurde ereicht. Zum Rundenrekord hat es nicht gereicht, aber keinen Dreher und keine Schramme in den M3. Nicht das Geringste, nicht einmal einen Kratzer in den Alufelgen. Nach dem Zwei-Tages-Sinnessturm in der Eifel kommt der Entzug in den Nächten danach. Die Schleife lässt ihre Lover so schnell nicht wieder los, drängt sich in Tag- und Nachträume. Einziger Gedanke: Wie komm ich wieder zu ihr im nächsten Jahr?

Gernot Kramper

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.