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Warnung: Motorroller im Urlaub - Ausflug ohne Bremsen

Defekte Lenker und verölte Bremsen sind keine Seltenheit, wenn man im Urlaub einen Motorroller leiht. Der ADAC-Test enthüllt skandalöse Sicherheitsmängel. Am schlimmsten ist es in Griechenland.

Von Gernot Kramper

Ausflüge mit dem Motorroller können ein gefährliches Abenteuer werden, wenn man einen unsicherer Roller mietet

Ausflüge mit dem Motorroller können ein gefährliches Abenteuer werden, wenn man einen unsicherer Roller mietet

Was lockt mehr, als ein Urlaubsland mit dem Motorroller zu erkunden? Sonne und Fahrtwind wehen ins Gesicht, außerdem plagen den Rollerfahrer keine Parkplatzsorgen. So genießt man die "italienischen Momente im Leben" auch in anderen Mittelmeerländer. Der unbeschwerte Ausflug kann aber ein schlimmes Ende nehmen: Der ADAC stellte in einem Test bei jedem fünften Vermieter mangelhafte Fahrzeuge fest.

Beim ADAC-Motorroller-Test wurden 62 Vermieter in Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland und auf Zypern (griechischer Teil) unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Sechs Mal konnte der ADAC im Gesamtergebnis die Note "sehr gut", 25 Mal "gut" und 19 Mal "ausreichend" vergeben. Bei zwölf Vermietern lautete das Urteil "mangelhaft" oder sogar "sehr mangelhaft".

Erschreckende Mängel

Angemietet wurden jeweils die günstigsten Roller für zwei Personen samt Helm für einen Tag. Viele Verleih-Roller besaßen gravierende Mängel wie undichte Bremsleitungen, ölverschmierte Vorderradbremsen und beschädigte Lenker. Sturzschäden an der Verkleidung waren an der Tagesordnung, sie beeinflussen allerdings nicht die Sicherheit. Die gefährlichsten Roller werden in Griechenland angeboten: Jede zweite griechische Mietstation bekam die Note "mangelhaft" oder "sehr mangelhaft". Der schlechteste Verleih im Test kommt von der griechischen Insel Mykonos. Die Roller bei "Joe Club Rent a Bike" in Mykonos Stadt sind lebensgefährlich. Der gemietete Roller hatte eine undichte Bremsleitung, eine ölverschmierte Vorderradbremse und ein Lenkkopflager mit viel zu großem Spiel – mit so einem Roller darf man nicht mehr fahren. Diese Mängel werden auch nicht durch den günstigen Preis von nur 18 Euro am Tag gerechtfertigt.

Bei mehreren Verleihern in Griechenland ist es offenbar üblich, die Entleihtarife nach Verkehrssicherheit zu staffeln. Da die ADAC-Tester jeweils den billigsten Roller haben wollten, bekamen sie stets den schlechtesten. Wiesen sie auf Mängel hin, wurde ihnen ein teureres Modell angeboten. Urlauber sollte diese Eigenheit berücksichtigen und nicht das Modell zum Schnäppchenpreis mieten.

Italien vorbildlich

Der Testsieger kommt aus dem italienischen Palermo: "Sicily Moto Rent" überzeugte mit freundlichem und professionellem Personal. Der neuwertige Roller wurde bei der Übergabe auf Vorschäden kontrolliert, ein Protokoll ausgefüllt, der Mietvertrag – in italienischer und englischer Sprache – war gut zu verstehen. Mit 38 Euro pro Tag lag die Miete auch noch unter dem Testdurchschnitt von 47,75 Euro für einen 125er-Roller. Auf eine Kaution wurde verzichtet. Dazu gab es neuwertige, gut sitzende Jethelme mit Visier.

Ein Raser zerlegte bei einer sinnlosen Angeberaktion einen seltenen "La Ferrari", von denen nur rund 500 Exemplare existieren.

Den ADAC-Testern fiel auf, dass die Roller in Italien größtenteils technisch einwandfrei waren, dafür waren sie aber mit bis zu 78 Euro pro Tag auch die teuersten im Test. Auch die Roller aus Spanien überzeugten. Von 16 Mietstationen kassierte nur eine ein "mangelhaft", in Frankreich fiel kein Anbieter durch. Teuer muss übrigens nicht gut bedeuten: 50 Euro am Tag zahlten die ADAC-Experten bei einer Station auf Zypern für einen kleinen 50er Roller, dessen Bremshebel nicht funktionierten.

Worauf Sie beim Verleih achten sollten

Mit einem unbeschränkten Motorradführerschein hat man beim Verleiher die freie Auswahl. Leistungsstarke Roller sind allerdings deutlich teurer als die Modelle der kleinsten Klasse. Mit einer Fahrerlaubnis für Pkw muss man sich ohnehin mit einem kleinen 50 ccm-Roller zufriedengeben. Wer einen größeren Roller ohne entsprechende Erlaubnis fährt, riskiert seinen Versicherungsschutz. Für Städtetouren und Ausflüge reichen die kleinen Motoren aus, größere Touren – womöglich zu zweit durchs Gebirge – sollte man einem Fünfziger nicht zumuten. Autofahrer, die noch nie auf einem Roller gesessen haben, sollten den ersten Ausflug vorsichtig angehen und ein Modell mit Automatik wählen.

Eine billige Alternative zum Auto ist der Rollerverleih nicht. Im Schnitt kostete ein 50er-Roller 30 Euro, ein 125er 48 Euro. Dafür kann man auch einen Kleinwagen mieten. Die großen Mietportale wie "Billiger Mietwagen" mit ihren günstigen Konditionen und ihrer Einordnung der Versicherungsbedingungen erfassen Zweiräder nicht. Der Urlauber muss sich also direkt an die örtlichen Vermieter wenden. Viele kleine, lokale Vermieter von Fahrrädern und Rollern bieten überdies keine Online-Reservierungen an. Grundsätzlich sollte eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen werden, damit selbst verursachte Schäden abgesichert sind.

Vorsicht vor Betrügern

Wegen der vielen unseriösen Vermieter im Test rät der ADAC davon ab, eine Kaution als Blanko-Kreditkartenbeleg zu hinterlegen. Sonst ergeht es einem so, wie den Testern bei "Sunshine Rental" im sizilianischen Cefalù. Hier wurde die Kaution von 350 Euro auf der Kreditkarte nicht als Sicherheit blockiert, sie wurde ohne Grund sofort abgebucht und später nicht mehr zurückerstattet. Beim Entleihen ist eine ausführliche Probefahrt Pflicht. Auch sollte der Roller fotografiert werden und vorhandene Mängel im Übergabeprotokoll eingetragen werden. Der ADAC hat eine Checkliste als PDF-Download bereitgestellt. Die Übergabe von Bedienungsanleitungen und Papieren war jedoch eher die Ausnahme als die Regel. Ein Vermieter im zypriotischen Ayia Napa fragte die Tester verwundert: "Wollen Sie jetzt lesen oder Roller fahren?"

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