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VW Up! Lite: Herzschläge in Kalifornien

Dem Patient "Auto Industrie" geht es wieder besser. In Los Angeles traut man sich wieder was. Spaßautos für Fahrer unter vierzig. Oder eine zweisitzige Sparmaschine, die alles andere als ein Messe-Gimmick ist.

Von Frank Janßen

Automessen sind wie Krankenakten - sie geben Auskunft über den Gesundheitszustand der gesamten Branche. Beim Rundgang über die Los Angeles Auto Show lautet die Diagnose, dass sich das Geschäft mit der individuellen Mobilität derzeit in einem kritischen, aber stabilen Zustand befindet. Wahrscheinlich wird noch hier und da amputiert werden müssen. Im letzten Jahr war es schlimmer, zappenduster auf der Intensivstation, da blieben einige Stände sogar unbeleuchtet.

2009 sind die OP-Scheinwerfer zwar überall angeschaltet, aber der Anblick mancher Messestände hat dennoch etwas Befremdliches: Was passiert mit Saab? Warum tritt GM-Chef Fritz Henderson am Vorabend zurück? Warum stehen bei Chrysler immer noch Modelle, deren Ende beschlossene Sache zu sein scheint? Allerdings gibt es auch Lichtblicke: Jeep zeigt die Studie eines Spaßmobils, den Lower Forty. Der Name deutet auf die Zielgruppe - nichts für alte Säcke. Winzige, offene, auf das Wesentliche reduzierte Karosserie, riesige Räder. Der rote Frechdachs scheint geeignet, eine der schwierigsten Aufgaben der Branche anzupacken: junge Käufer für das Automobil zu begeistern.

Und dann ist da Volkswagen - derzeit offensichtlich inmitten einer Frischzellenkur, die Wunder wirkt. Auf der IAA in Frankfurt im September zeigten die Wolfsburger den L1, die Einliter-Stromlinien-Zigarre.

Heute, in Los Angeles, steht der "Up! Lite", das Zweiliter-Auto, die Studie für den wohl sparsamsten Viersitzer der Welt. Ein Showcar natürlich, nicht serienreif, wie so viele zuvor. Und doch: "Showcars, die nur eine schicke Fassade bieten, gibt es mit Doktor Hackenberg nicht", sagt Gregor Dietz, der Projektleiter des Up! Lite. Wenn er über seinen Chef, den Entwicklungs-vorstand von VW redet, schwingt Hochachtung mit. Hackenberg verlangt offensichtlich viel, aber er sorgt auch dafür, dass seine Leute sich austoben dürfen.

"Wir sprechen lieber von Concept Cars", so Dietz, "denn da steckt bereits einiges an Konstruktion drin." Tatsächlich soll der Up! Lite fahrbereit sein. Und die technischen Daten, die sind offenbar realistisch. 2,44 Liter Verbrauch soll der Zweizylinder-Dieselhybrid mit 0,8 Litern Hubraum und 38 kW/51 PS schaffen, das wären 65 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer. Hilfreich zur Seite steht dem Selbstzünder ein 10 kW leistender Elektromotor und die Kraftübertragung mittels Siebengang-Direktschaltgetriebe. "Wir waren im Windkanal, wir haben Berechnungen angestellt", fährt Gregor Dietz fort und nennt eine Zahl: 0,237 als Luftwiderstandsbeiwert. So eine Hausnummer kommt nicht irgendwie zustande, sondern mit Detailarbeit: Die Front hat keinerlei Absätze, die den Luftstrom stören. Die Türgriffe sind versenkt, die Scheiben bündig ins Aluminiumblech eingesetzt. Ein Kühllufteinlass vorn wird nur geöffnet, wenn es wirklich nötig ist - der Motor ist so effizient, dass er nur wenig Wärme produziert.

Die Sitzprobe im 695 Kilo-Auto zeigt: Der Innenraum nimmt tatsächlich vier Erwachsene plus etwas Gepäck auf. Und auch hier weisen pfiffige Lösungen auf ganz viel Gehirnschmalz hin. Die Kopfstützen der Rücksitze werden heruntergeklappt, um die Lehnen zu entriegeln. Oder: Der Wahlhebel für das Getriebe dient als Ruhekissen für den Handballen, damit der Touchscreen-Monitor auch während der Fahrt sicher bedient werden kann.

Es gibt keine Außenspiegel, sondern nur drei Kameras - zwei seitlich und eine im Heck. Sie projezieren ihre Bilder auf ein Display, das dort angebracht ist, wo normalerweise der Innenspiegel hängt. Je nach Fahrsituation werden verschiedene Bildausschnitte und Kameras eingeblendet. "Das gab es so noch nicht", sagt Gregor Dietz. "Alles, was man bisher zu dem Thema sehen konnte, war ein Fake", sagt er selbstbewusst und meint: Was wir machen, das machen wir richtig. "Auf diese Darstellung haben wir das Patent." Kein Showcar-Wischiwaschi. Damit kann man leben.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.