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Gefloppter Zukauf: Microsoft verliert mit Werbetochter Milliarden

Softwaregigant Microsoft kann dem Rivalen Google im Onlinegeschäft immer weniger die Stirn bieten. Die milliardenschwere Übernahme des Werbedienstes aQuantive erweist sich als Reinfall. Es ist nicht der erste Fehlgriff der Amerikaner.

Microsoft muss in seinem Onlinegeschäft mehrere Milliarden Dollar in den Wind schreiben. Grund ist, dass sich der einst als bahnbrechend gefeierter Zukauf der Onlinewerbetochter aQuantive mittlerweile als teurer Fehlschlag entpuppt hat. Microsoft zieht nun die Konsequenzen und schreibt auf einen Schlag 6,2 Milliarden Dollar (4,9 Mrd Euro) ab.

Die Abschreibung kommt dem Eingeständnis gleich, dass aQuantive praktisch wertlos ist. Microsoft hatte das Unternehmen vor fünf Jahren für 6,3 Milliarden Dollar erworben, um seine Online-Werbeerlöse anzukurbeln und den Rivalen Google und Yahoo besser die Stirn bieten zu können. Zum damaligen Zeitpunkt war es Microsofts größte Übernahme, die nur durch den 8,5 Milliarden Dollar schweren Skype-Zukauf im vergangenen Jahr übertroffen wurde. Zum Zeitpunkt der Übernahme schienen die Aussichten auch rosig. Die 1997 gegründete Onlinewerbefirma hatte damals 2600 Mitarbeiter und wuchs rasant - genauso wie das Internetgeschäft an sich. Doch am Ende blieb Microsoft auf einer hohen Rechnung sitzen.

Google beherrscht die Onlinewerbung

Die gesamte Online-Service-Sparte werde nun langsamer wachsen und weniger abwerfen als ehedem erwartet, räumte der Software-Riese ein. Flaggschiff des Online-Geschäfts von Microsoft ist die Suchmaschine Bing. Größter Konkurrent ist Google.

Google beherrscht noch heute große Teile des Geschäfts mit der Onlinewerbung. Während der Suchmaschinenprimus Milliarden scheffelt, vor allem mit gekauften Links bei den Suchergebnissen, räumte Microsoft ein: Die Übernahme von Aquantive habe "das Wachstum nicht bis zu jenem Grad vorangetrieben, der erwartet worden war".

Suchmaschine Bing stabil

Das Onlinegeschäft ist und bleibt damit die schwache Stelle von Microsoft: Alleine in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres lag der operative Verlust der Online-Service-Sparte bei mehr als 1,4 Milliarden Dollar. Immerhin reduzierte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als er sogar bei 1,9 Milliarden Dollar gelegen hatte.

Die Suchmaschine Bing hat nach Microsoft-Angaben seinen Marktanteil zuletzt steigern können und höhere Einnahmen je Suchergebnis verzeichnet. Dazu trug auch die Partnerschaft mit Yahoo bei. Sein Geld verdient Microsoft allerdings bis heute vor allem mit seinem Betriebssystem Windows und den Office-Büroprogrammen.

Nachdem Microsoft schon 2009 die mit Aquantive übernommene Onlinemarketingagentur Razorfish abgestoßen hatte, bleiben dem Softwarekonzern von seinem Milliardenzukauf noch einige Onlinewerbesysteme, die er nach eigenen Angaben weiterhin nutzt.

lin/Reuters/DPA / DPA / Reuters