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Streaming Amazon und die Bundesliga: Für Sky wird es langsam eng

Bundesliga - Sky - Zuschauer
Die Zeiten, in denen Sky quasi ein Monopol auf die Bundesliga hatte, sind vorbei
© Thomas Frey/ / Picture Alliance
Lange Zeit dominierte Sky den Markt für hochwertiges Fernsehen. Dann kamen die Streaming-Dienste. Und auch die Cashcow Live-Sport steht zunehmend auf wackeligen Beinen – vor allem, seit auch noch Amazon mitmischt. Der Druck auf Sky wächst.

Aktuelle Filme, hochwertige Serien und die Bundesliga live: Wer das wollte, kam jahrelang nicht um Sky herum. Doch die zunehmende Verschiebung vom klassischen Fernsehen zum Streaming setzt den Pay-TV-König immer mehr unter Druck. Und jetzt steigt auch noch Amazon als Mitbieter für die Bundesligarechte ein. Auf Sky kommen harte Zeiten zu. 

Dabei hatte der Konzern letztes Jahr eigentlich eine positive Bilanz: 24 Millionen Kunden habe man in ganz Europa, verkündete die Konzernmutter Comcast. Seit der Übernahme 2018 verrät das Unternehmen keine länderspezifischen Zahlen mehr. Doch die Zahl ist weniger imposant, als es zunächst klingt. 

Sky wächst nicht mehr so schnell wie früher

Zum einen war das Wachstum mit knapp 320.000 neuen Abonnenten im Jahr 2019 für ganz Europa eher gering. Soviel konnte früher alleine Sky Deutschland für ein Jahr vermelden. Zum anderen gab es den größten Boom an Neuanmeldungen im zweiten Quartal. Das wird nicht durch Zufall mit der achten Staffel des Superhits "Game of Thrones" zusammengefallen sein. Doch nach Ausstrahlung der letzten Folge brachen die Abos auch schon wieder ein: 99.000 Abonnenten hatten zum dritten Quartal schon wieder gekündigt. Da es die letzte Staffel der erfolgreichsten Serie aller Zeiten war, dürfte ein ähnlich schneller Ansturm so schnell nicht noch mal zu erwarten sein.

Auch die Corona-Krise ist für den Konzern nicht so erfreulich verlaufen wie für die Streamingkonkurrenz. Während etwa Netflix und Disney mit ihren Serien- und Filmpaketen Rekord-Zuwächse melden konnten, fiel Sky ausgerechnet in der Zeit, in der alle zu Hause waren, das Hauptzugpferd Fußball weg. Mit spürbaren Folgen: 65.000 Kunden weniger musste Comcast alleine für das Ende März beendete Quartal in Europa melden, die Einnahmen aus dem Kundengeschäft gingen um 1,9 Prozent zurück. Hinzu kommen 11,9 Prozent Mindereinnahmen aus dem wegbrechenden Werbegeschäft. Im noch laufenden zweiten Quartal dürfte es ähnlich aussehen.

Doch auch die über Monate ersehnte Wiederaufnahme des Spielbetriebs kam für Sky mit einer unerfreulichen Meldung: Ausgerechnet einer der größten Konzerne der Welt ist in Skys wichtigstes Geschäft eingestiegen. Seit letzter Woche überträgt Amazon Spiele der Bundesliga. Und das ohne Extragebühren als Teil seines Prime-Abos. 

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Ein neuer Spieler auf dem Feld

Man habe sich zu dem Schritt entschieden, weil mit dem Ausstieg von Eurosport die bisherige Möglichkeit, die Spiele über den Eurosport-Channel zu schauen, weggefallen war. "Deshalb handelte Amazon schnell im Sinne seiner Prime-Mitglieder, um die Spiele als Teil ihrer Mitgliedschaft verfügbar zu erhalten", erklärte Amazon auf Anfrage des stern. "Beim Live-Sport geht es für uns nicht um ein Hecheln nach Rechten, sondern darum, das Konsumverhalten und die Zuschauergewohnheiten von Fans und auch Organisationen langfristig zu entwickeln." 

Amazon ist zwar nicht der erste Konkurrent, der Bundesliga als Streaming-Inhalt zeigt – seit Jahren ist DAZN in Deutschland aktiv, seit letztem Jahr zeigt auch die Telekom einige Spiele – es ist aber sicher der potenteste Konzern, mit dem Sky jemals mithalten musste. Mit einem Marktwert von fast 1,1 Billionen Euro ist Amazon eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. "Amazon kann mit dem Finger schnipsen und sich alles kaufen", erklärte Sportbusiness-Berater Kay Dammholz der "DPA" die Angst der Branche.

Amazon hält sich zurück

Würde der Konzern es ernst meinen, könnte er bei den diesen Monat anstehenden Bietrunden zur Bundesliga-Saison 2021/22 alle Konkurrenten locker ausstechen. Und anders als etwa DAZN muss man die Milliarden nicht zwangsläufig auch wieder einnehmen. Streaming ist für den Konzern nur ein Geschäftsfeld von vielen, dient vor allem dazu, die Kunden in ein Prime-Abo zu locken. "Wir suchen immer nach Inhalten, die unsere Prime-Mitgliedschaft für Kunden noch wertvoller macht. Sport gehört dazu", bestätigte Amazon auf Anfrage. Je mehr Prime-Kunden aber über ein ohnehin schon vorhandenes Abo Fußball schauen können, desto mehr werden auch die Extrakosten eines Sky-Abos überdenken. Zumindest, wenn Amazon seine technischen Probleme vom Anfang in den Griff bekommt

Wie groß Amazons Engagement in der Bundesliga wirklich ausfällt, wird sich zeigen müssen. Der Konzern bestätigte zwar, dass man nächstes Jahr auch Spiele der Champions League zeigen wird, wollte sich zu weiteren Plänen aber nicht äußern. Die Auswahl bei den Champions-League-Spielen könnte für Sky aber ein Zeichen der Beruhigung sein. Amazon zeige ein "sehr selektives Vorgehen", sagte Nikolaus von Doetinchem von der Sport-Vermarktungsagentur Sportfive der "DPA".

Bei Sky will man das lieber nicht kommentieren. "Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir uns grundsätzlich nicht zum Wettbewerb und anderen Marktteilnehmern äußern", hieß es auf Anfrage.

Verschlafener Streaming-Trend

Wie man es nicht machen sollte, hat der Konzern hoffentlich aus seinem Umgang mit dem Film- und Seriengeschäft gelernt. Obwohl Netflix in den USA mit exklusiven Eigenproduktionen schon vor dem Deutschlandstart über Jahre immer mehr Kunden einsammeln konnte, schaffte es Sky nicht, seine Position im deutschen Markt und seinen großen Rechtekatalog als Vorteil zu nutzen. Erst einige Monate nachdem Netflix auch hierzulande mit großem Erfolg losgelegt hatte, kam Sky mit einem vom Kabelangebot losgelösten Streaming-Dienst in die Puschen.

Wirklich überzeugen kann der aber bis heute nicht. Technisch liegt Sky Ticket deutlich hinter den Konkurrenten wie Netflix oder Apple TV+. So bietet der damals noch in lausiger SD-Qualität gestartete Dienst zwar seit letztem Jahr einige Inhalte in Full-HD, bei den Konkurrenten ist aber seit Jahren 4K-Auflösung Standard. Mit dem Programm kann man das bisher nur bedingt wett machen. Trotz guter Eigenproduktionen und einem Exklusiv-Deal mit dem US-Goldstandard HBO sind vom Publikum viel diskutierte Hits wie "Game of Thrones" oder "Babylon Berlin" bislang die Ausnahme. Während HBO in den USA fast Pflicht ist, um mitreden zu können, ist es Sky Ticket nie gelungen, dieses Level zu erreichen.

Das dürfte sich auch in den Kundenzahlen niederschlagen. Zwar gibt Sky keine offiziellen Abonnentenzahlen heraus. Nimmt man aber die quasi ständig reduzierten Monats-Tickets zum Maßstab, dürfte der Konzern mit den Kundenzahlen eher nicht zufrieden sein. Nur ein Ticket gibt es fast nie zum Schnäppchenpreis: das Sportpaket.

Quelle:Comcast, DPA


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