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Tim Cook über iPhone, Watch und Auto: Apple-Chef: "Die Auto-Industrie steht vor einem Wendepunkt"

Apple lässt sich selten in die Karten gucken. Umso mehr Aufmerksamkeit erhält Tim Cook bei seinen wenigen Interviews. Diesmal plauderte der Apple-Chef auf einer Konferenz ein wenig aus dem Nähkästchen - und äußerte sich auch zur Autobranche.

Apple-Chef Tim Cook

Apple-Chef Tim Cook bei der Präsentation des iPhone 6s Anfang September

Für Apple ist der Herbst die wichtigste Zeit des Jahres: Das neue iPhone 6s ist seit wenigen Wochen im Handel, der Start des Apple TV und des iPad Pro steht kurz bevor. Um den neuen Produkten noch einmal Schützenhilfe zu liefern, stellte sich Apple-Chef Tim Cook einem Interview auf der vom "Wall Street Journal" veranstalteten Digitalkonferenz WSJD.

Dass Cook ein Meister darin ist, mit vielen Worten nichts zu sagen, ist kein Geheimnis. Dennoch gab es bei dem einstündigen Gespräch auch einige interessante Einblicke in das Apple-Imperium - etwa den Verkaufsstart des neuen Apple TV oder die konkreten Abonnentenzahlen des Musikstreamingdiensts Apple Music. Wir fassen die wichtigsten Statements zusammen.

iPhone

Bei den iPhones gibt es immer den gleichen Rhythmus: Erst kommt ein neu-designtes Smartphone auf den Markt, im Jahr darauf folgt eine verbesserte Version des gleichen Geräts. Auch das iPhone 6s macht da keine Ausnahme: Optisch sieht es dem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich, technisch gibt es aber viele Unterschiede - etwa die neue Kamera oder das 3D-Touch-Display.

Ob man diese Taktung auch in Zukunft beibehalten will oder ob man den Druck verspürt, jährlich ein völlig neues, innovatives Gerät vorzustellen, fragte "Wall Street Journal"-Chefredakteur Gerard Baker. Für Cook ist die Sache klar: Das iPhone 6s sei genauso innovativ wie das iPhone 6 im vergangenen Jahr. Und natürlich spüre Apple den Druck, jedes Jahr Innovationen zu liefern.

Apple Watch

Wie gut verkauft sich die Apple Watch? Diese Frage beschäftigt vor allem die Wall Street. Doch auch diesmal blieb Cook hart und verweigerte genaue Einblicke. "Wir nennen keine Zahlen. Das sind Wettbewerbsinformationen", sagte Cook. Dann entgegnete der Apple-Chef: " Wir haben jede Menge im ersten Quartal verkauft. Im letzten Quartal haben wir noch mehr verkauft. Und ich kann schon sagen, dass wir in diesem Quartal nochmal mehr verkaufen werden."

Diese Aussage ist allerdings auch wenig überraschend. Die Apple Watch erschien im April, war aber erst im Juni regulär in den Apple Stores zu kaufen. Seit wenigen Wochen ist die smarte Uhr in weiteren Ländern erhältlich. Warum Apple konkrete Zahlen bei der Apple Watch verschweigt, beim iPhone oder iPad aber auf die Kommastelle genau ausweist, bleibt wohl Cooks Geheimnis.

Die Zukunft der Apple Watch sieht Cook im Fitness- und Gesundheitssektor. Für diesen Bereich habe Apple bereits eine lange Roadmap entwickelt. Bei der Frage, ob die Apple Watch irgendwann auch ohne gekoppeltes iPhone funktionieren werden, druckste Cook herum: "Das will ich Ihnen nicht erzählen."

Apple Music

Und wie entwickelt sich Apple Music? Der Streamingdienst war im Juni angetreten, Konkurrenten wie Spotify das Fürchten zu lehren. Nun ist der Musikdienst knappe vier Monate am Markt, die ersten Nutzer haben die kostenlose, dreimonatige Probephase bereits hinter sich gelassen. Zeit für ein Zwischenfazit: Apple Music hat derzeit 6,5 Millionen zahlende Kunden und 8,5 Millionen Nutzer in der Probephase. Insgesamt nutzen also 15 Millionen Menschen den Dienst.

Das ist ein solides, wenn auch nicht herausragendes Ergebnis. Zum Vergleich: Der bisherige Platzhirsch Spotify hat knapp dreimal so viele zahlende Nutzer (20 Millionen). Die Android-App von Apple Music steht noch in den Startlöchern. Dennoch: Wenn Apple die Nummer eins werden will, sollte der Dienst vor allem an der Bedienbarkeit noch feilen. Hier gab es zuletzt immer wieder Kritikpunkte.

Apple TV

Den neuen Apple TV stellte Cook Anfang September im Rahmen der iPhone-Keynote vor. Nachdem man sich bezüglich des Release-Datums lange in Schweigen hüllte, geht es nun offenbar sehr schnell: Kommenden Montag kann das Gerät - zumindest in den USA - vorbestellt werden, Ende der Woche sollen es die ersten Nutzer bereits in den Händen halten.

Ob dieser Termin auch für Deutschland gilt, ist unklar.

Cook beschwörte auf der Konferenz noch einmal, dass der neue Apple TV die "Zukunft des Fernsehens" sei. Doch offenbar hat man für die Zukunft noch weitere Pläne mit der schwarzen Box: "Das erste, was man macht, wenn man ein neues Haus kauft, ist eine ordentliche Grundlage errichten", sagte Cook. Eine Anspielung auf das Smart Home?

Apple Car

Es ist das wohl derzeit heißeste Gerücht im Silicon Valley: Apple arbeitet, wie auch Google, an einem smarten Auto. Angeblich wird der iPhone-Hersteller noch vor Ende des Jahrzehnts in diesen Markt einsteigen. Tim Cook äußerte sich diesbezüglich nicht, stattdessen betonte er, wie wichtig das Thema Software im Auto sei. "Wenn ich mir das Automobil anschaue, sehe ich, dass Software ein immer wichtigerer Teil der Autos der Zukunft sein wird. Das autonome Fahren wird immer wichtiger. Es wird eine massive Veränderung in der Industrie geben."

Dann blieb es nebulös: "Wir möchten, dass die Menschen die Erfahrungen, die sie mit ihrem iPhone haben, auch im Auto erleben. Wir schauen uns viele Dinge an. Und dann streichen wir von der Liste wieder ein paar Dinge. Wir werden sehen, was wir in der Zukunft machen werden. Doch ich denke, diese Industrie steht vor einem Wendepunkt."

Verschlüsselung und Privatsphäre

Privatsphäre ist für Apple sehr wichtig - das betont Cook immer wieder. Für "Wall Street Journal"-Chef Baker ein Anlass für die Frage, ob das starke Bekenntnis zu Datenschutz den Konzern nicht in einigen Bereichen behindere. Cook sah solche Einschränkungen durchaus - etwa wenn es um Vorhersagen der Software anhand des eigenen Nutzerverhaltens gehe, wie Google es bereits eindrucksvoll im smarten Assistent Google Now demonstriert. Das nähme der Konzern aber in Kauf.

Denn auch diesmal bezog der Apple-Chef klare Stellung für die Privatsphäre der Nutzer und gegen zu starke Eingriffe seitens staatlicher Behörden. "Wir glauben, Verschlüsselung ist ein Must-have in der heutigen Zeit. Man kann keine Hintertür einbauen, die nur von guten Menschen genutzt wird. Jede Hintertür kann auch von den bösen Typen ausgenutzt werden. Niemand sollte sich zwischen Privatsphäre oder Sicherheit entscheiden müssen. Wir sollten clever genug sein, beides zu bieten."