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Unterhaltungselektronik: Boom der LCD-Fernseher läuft aus

Die flachen Fernseher bescherten ihren Herstellern lange Zeit ordentliche Gewinne - doch darauf können die Produzenten 2010 nicht mehr bauen: Für das laufende Jahr rechnen sie mit stagnierenden Umsätzen.

Von Björn Maatz, Las Vegas

Der globale Umsatz werde auf dem Niveau des Vorjahres verharren, teilte der Industrieverband Consumer Electronics Association (CEA) in Las Vegas mit. Grund dafür sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise sowie eine zunehmende Marktsättigung. "Die Boomjahre etwa für LCD-Fernseher sind in ausgereiften Märkten vorbei", sagte CEA-Analyst Steve Koenig. Kaufanreize erhoffen sich die Unternehmen allerdings durch die Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Die Hersteller versuchen zudem, dem Massenmarkt dreidimensionales Fernsehen schmackhaft zu machen. Vor allem die Japaner preschen vor und wollen noch in diesem Jahr mit dem Verkauf von 3-D-fähigen TV-Geräten beginnen.

Passend zum Start der weltgrößten Branchenmesse Consumer Electronics Show (CES) räumte der US-Herstellerverband ein, dass westliche Konzerne künftig nicht mehr tonangebend sein werden. "Die Tage der Dominanz von Nordamerika und Westeuropa sind gezählt", so CEA-Analyst Koenig. Das hatte vor wenigen Tagen bereits der Chef des niederländischen Elektroriesen Philips zugegeben. Sein Unternehmen habe den Anspruch aufgegeben, im Segment Konsumelektronik Branchenführer zu sein, sagte Gerard Kleisterlee. Es habe mehr Sinn, die "Position bei interessanten Produkten wie Rasierern und Zahnbürsten zu verstärken, als sich in der Konsumelektronik mit der Konkurrenz aus Asien anzulegen".

Negative Entwicklung in Westeuropa

Für die westeuropäischen Länder, zu denen die CEA auch Deutschland zählt, rechnet der Branchenverband mit Umsatzeinbußen von neun Prozent. Das ist der größte Umsatzverlust im Vergleich zu allen anderen erfassten Regionen. Auch in Nordamerika, Osteuropa und dem Mittleren Osten ist laut der CEA mit niedrigeren Erlösen zu rechnen. Das Wachstum in Südamerika, Afrika und Asien kann diese negative Entwicklung gerade noch kompensieren.

Vor allem China koppelt sich ab: Die Umsätze mit Unterhaltungselektronik im Reich der Mitte steigen den Schätzungen zufolge auch in diesem Jahr um zehn Prozent. Die chinesische Regierung kurbelt den Absatz im eigenen Land an und finanziert Preisnachlässe auf Fernseher. Folge: Im Geschäftsjahr 2010 wird der Umsatzanteil von China, Japan und den restlichen asiatischen Ländern zum ersten Mal gleichauf mit dem von Nordamerika und Westeuropa liegen.

Für das vergangene Jahr hatten die Hersteller mit einem Umsatz von 724 Millarden Dollar nach 694 Millarden Dollar 2008 gerechnet. Die aus der Wirtschaftskrise resultierende Nachfrageschwäche ließ diese Hoffnung jedoch platzen: Statt des prognostizierten Umsatzwachstums fielen die Erlöse gar auf 681 Millarden Dollar - und das nach zweistelligen Wachstumsraten in den Vorjahren. Neben LCD-TV-Geräten, die auch in diesem Jahr vor allem in China und Südamerika stark nachgefragt werden, macht der Branchenverband Tablet-Computer und Blu-ray-Player als zweiten Hoffnungsträger aus. Im Mittelpunkt des Interesses stehen auch mobile Lesegeräte für Bücher und Zeitschriften.

FTD