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Streaming: Wem gehört die Space Force? Wie Netflix Trumps Pentagon austrickste

Als Donald Trump den Kampf um das All ankündigte, sah Netflix die Gelegenheit - und nahm die neue Space Force mit einer eigenen Satire-Show auf die Schippe. Die könnte nun das Pentagon in die Bredouille bringen.  

Steve Carell spielt die Hauptrolle in der neuen Netflix-Serie "Space Force".

"Das All ist genauso ein Kriegsschauplatz wie Land, Wasser und Luft" - wollte man eine Satire-Serie über die Absurdität einer eigenen Weltraumtruppe bewerben, hätte man es nicht besser auf den Punkt bringen können. Doch die Aussage stammt nicht etwa aus der Netflix-Serie "Space Force". Sondern wurde tatsächlich von US-Präsident Donald Trump benutzt, um die gleichnamige US-Militäreinheit anzukündigen. Und auch die aktuelle Posse um die Namensrechte der Truppe klingt ein wenig nach Satire.

Denn der Name "Space Force" mag zwar die offizielle Bezeichnung der Teilstreitkraft sein. Geschützt hat das Pentagon den Namen aber nicht. Das könnte noch Folgen haben, berichtet nun der "Hollywood-Reporter": Netflix hat sich den Markennamen rund um die Welt patentieren lassen.

Kampf ums All

Dabei ist es Donald Trump mit seinen Plänen durchaus ernst. "Wir müssen die Vorherrschaft im All sichern", erklärte er. Andere Länder wie China und Russland hätten damit schon deutlich früher angefangen, so der US-Präsident. Im letzten Dezember wurde die neue Einheit des US-Militärs dann ganz offiziell gegründet und mit einem eigenen Budget versehen. Die Space Force war geboren.

Doch Netflix war schneller. Schon kurz nach Ankündigung der Truppe hatte der Streaming-Dienst begonnen, eine Satire-Serie unter demselben Namen zu entwickeln. Dabei holte man sich hochkarätige Hilfe. Greg Daniels hatte mit  "The Office" - der amerikanischen Variante des gleichnamigen "Stromberg"-Vorbildes - eine der wichtigsten Comedy-Serien der USA geschaffen. Deren Hauptdarsteller Steve Carrell konnte ebenfalls gewonnen werden. Er entwickelte mit Daniels die Serie und übernahm noch gleich die Hauptrolle des Generals Mark R. Naird.

Szene aus Space Force

In der Netflix-Serie "Space Force" spielt Steve Carrell den hadernden General Mark R. Naird

Das Ergebnis dürfte dem Pentagon eher nicht gefallen. Die in hohem Tempo erzählte Serie zeigt zwar klare Sympathien für ihren Hauptdarsteller, die Idee der Weltraumtruppe kommt aber eher nicht so gut weg. Die Idee "Stiefel auf dem Mond" zu haben , wird in der seit dem 29. Mai mit großem Erfolg gestarteten Serie genauso deutlich durch den Kakao gezogen, wie der ewig twitternde Präsident mit seinen erratischen Entscheidungen. Auch wenn Trump in der Serie nicht beim Namen genannt wird, hätte er ohnehin wegen der weitreichenden Meinungsfreiheit allerdings genauso wenig dagegen ausrichten können wie das Verteidigungsministerium. Dass Netflix aber die Markenrechte besitzt, hätte man durchaus vermeiden können.

Netflix war schnell

Die hatte sich der Streaming-Riese früh unter den Nagel gerissen. Bereits im Januar 2019 - also fast ein Jahr vor dem offiziellen Start der Truppe - sicherte sich Netflix demnach rund um die Welt die Rechte an dem Namen. In zahlreichen Ländern in Europa, in Mexiko oder Australien kann die Space Force daher nicht unter ihrem eigenen Namen Produkte auf den Markt bringen. Das sei "ein genialer Schachzug" gewesen, sagte eine Anwältin dem "Hollywood Reporter". Nur in den USA habe sich das US-Militär sich um die Rechte gekümmert, ein entsprechendes Patent sei von den Militärs zwar beantragt, aber noch nicht genehmigt worden.

US-Präsident Donald Trump bei der Vorstellung der Flagge der "Space Force" im Oval Office des Weißen Hauses

Dabei dürfte den Streitkräften durchaus bewusst sein, welche Probleme man mit den fehlenden Namensrechten bekommen könnte. Natürlich besteht keine echte Verwechslungsgefahr zwischen der Serie und dem Militär. Die US-Streitkräfte erlauben in der Regel sogar die Nutzung ihrer Symbole in allen möglichen Medien, stellen unter gewissen Bedingungen Equipment und Personal zur Verfügung. Sollte Netflix sich aber entscheiden, Fan-Produkte oder Kleidungsstücke aus der Serie unter dem Namen der Einheit auf den Markt zu bringen, wird das Pentagon den Konzern ohne die passenden Markenrechte nicht davon abhalten können. Der Streamingdienst kann die Truppen andererseits davon abhalten, das selbst zu tun.

Patentstreits haben Tradition

Damit haben die US-Streitkräfte durchaus schon ihre Erfahrungen gemacht. Nachdem man lange Zeit keinen Wert auf Markenrechte legten, begannen die Truppen Anfang der 2000er gegen die Unmengen an vermeintlich unter ihrem Namen herausgegebenen Produkte vorzugehen. So hätten etwa die Marines aggressiv zahlreiche Produkte unter dem Namen der Eliteeinheit vom Markt nehmen lassen, berichtete "Foreign Policy". Auch andere Einheiten sicherten sich Markenrechte und setzten sie auch durch.

Doch nicht in jedem Markenstreit um Truppennamen hatte das Pentagon ein Pferd im Rennen. In einem Fall versuchte etwa ein Videospiele-Hersteller, einem Konkurrenten die Nutzung des Einheiten-Namens "Delta Force" zu verbieten. Die Namensgeber in der US-Army konnten sich wegen fehlender Rechte nicht einmischen.

Noch skurriler wäre es fast nach dem Tod Osama bin Ladens geworden. Der Disney-Konzern hatte sich die Markenrechte der für den Tod des Terrorfürsten verantwortlichen Eliteeinheit "Seal Team 6" für Kleidung, Spielzeuge und mehr sichern wollen. Erst nach massivem Widerspruch in Presse und Bevölkerung ließ man die Idee fallen. Das Pentagon hätte das Patent nur schwer verhindern können: Offiziell ist die Einheit geheim.

Die Space Force versucht den Konflikt mit Netflix noch zu vermeiden. Man sei bei der Truppe froh, überhaupt Aufmerksamkeit zu bekommen, berichtet "Politico". Und hätte sich vor dem Start auch etwas Werbung erhofft. "Uns sind keine Markenrechts-Konflikte mit einem fiktionalen Produkt bei Netflix bekannt", bestätigte ein Sprecher der echten Space Force gegenüber dem "Hollywood Reporter". Man wünsche der Serie bei der Darstellung der Einheit viel Erfolg. Eine andere Wahl hat man aktuell ohnehin noch nicht.

Quelle: Hollywood Reporter, Foreign Policy, Politico