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Soziale Medien Der Hype um "Clubhouse": Ist er schon vorbei?

Soziale Medien: Der Hype um "Clubhouse": Ist er schon vorbei?
Wegen der Corona-Pandemie sind Clubs eigentlich geschlossen. Nur einer öffnete Anfang des Jahres seine Türen: Die App "Clubhouse" wurde im Januar gehyped ohne Ende. Doch nun ist es still geworden. Bleibt die Anwendung eine Eintagsfliege? 

Nach einer scheinbar endlosen Zeit der Videokonferenzen und Spieleabende über Zoom, Teams und Co. könnte es langsam wieder losgehen mit offline-Gesprächen. Geht aber nicht, denn das Virus spielt nicht mit. Eine andere Lösung muss her - und die kam tatsächlich. Anfang des Jahres poppte "Clubhouse" in den App Stores sämtlicher iPhone-Nutzer:innen auf. Kurzzeitig stand die App sogar auf Platz eins der meistgeladenen kostenlosen Apps.

Mit seinem Konzept ist "Clubhouse", die Erfindung eines US-amerikanischen Start-ups aus San Francisco, eine Neuheit. Wer sich selbst und andere gerne reden hört, ist bei der App genau richtig, denn sie vereint klassische Fernseh- und Radio-Talkshows, Bürgerdialoge und Twitter-Diskussionen - ohne verbale Ausfälle und Aggressionen. In virtuellen Räumen tauschen sich Experten, Bürger, Journalisten und Politiker aus. Manche Gespräche ähneln Podcasts, andere erinnern an Konferenzen. Die App setzt auf Gespräche ohne Bild. Wer etwas sagen möchte, schaltet das Mikrofon ein oder hebt virtuell die Hand.

Vier Prozent der Deutschen nutzen "Clubhouse"

Doch keine zwei Monate nachdem die App in Deutschland eine Fangemeinde um sich scharte, ist es ruhig geworden um den Club. Überschlugen sich im Januar Medienberichte und Tweets, so hört und liest man nun nichts mehr über die revolutionäre Audio-App. Was ist da los?

Tobias Kollmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen, bestätigt diesen Eindruck: "Nach dem anfänglichen Hype ist Ernüchterung eingetreten." Zusammen mit dem Berliner Start-up für Meinungsumfragen und Marktforschung, Civey, hat er 5000 Bürger:innen und 500 Clubhouse-Nutzer:innen zu der App befragt und festgestellt, dass die App weniger bekannt ist, als man zu Beginn des Hypes dachte. "Auch die Nutzerzahlen bleiben mit aktuell vier Prozent der Bevölkerung sehr gering", sagt Kollmann. Selbst in jüngeren Zielgruppen habe die App keine große Reichweite erzielen können.

Laut der Studie haben 95 Prozent der Befragten die Plattform noch nie genutzt, gerade einmal die Hälfte hat überhaupt schon einmal von der Smartphone-App gehört. Wer "Clubhouse" täglich nutzt, ist eindeutig in der Minderheit.

Für Android-Nutzer noch nicht verfügbar

Interessant sind zudem die Nutzerzahlen in den jüngeren Zielgruppen: 90 Prozent der 18 bis 29-Jährigen gaben in der Befragung an, "Clubhouse" noch nie genutzt zu haben. Auch Interaktionen fallen geringer aus, die Mehrheit der Befragten versteht sich als Zuhörer. "Der eigentliche Reiz und vermutetet Marktwert von 'Clubhouse' im Hinblick auf die Interaktivität in den Talks wird so in der Breite nicht erreicht", kommentiert Kollmann. Das könne sich künftig aber noch ändern.

Die rückläufige Begeisterung hat derzeit vermutlich überwiegend technische Gründe. Mit am stärksten wirkt sich die auf die Nutzerzahlen aus, dass die App für Android-Geräte noch nicht zu haben ist, obwohl das Betriebssystem einen Marktanteil von 70 Prozent hat. Technisch gesehen erreicht "Clubhouse" deshalb nur einen kleinen Teil der möglichen Nutzer, weiß Kollmann. Zudem werde die App "selbst von den Fans nicht mehr für die tägliche Kommunikation, sondern nur noch für gezielte Zusammenkünfte im Rahmen von Online-Events genutzt."

Kollmann würde der App dennoch eine Chance geben, "denn der Trend hin zu auditiven Online-Plattformen bleibt weiterhin vorhanden". Und Social-Network-Konkurrenten wie Twitter machen es derzeit nach: Mit dem Programm "Spaces" möchte der digitale Nachrichtendienst sein Angebot erweitern und auch den mündlichen Austausch ermöglichen. Ähnlich wie "Clubhouse", ist das Tool bisher allerdings nur für iPhone-Nutzer zu haben und befindet sich noch in der Testphase.

Clubhouse könnte auf seiner bisherigen Bekanntheit aufbauen und mit neuen Funktionen die Beliebtheit zurückerlangen, glaubt Kollmann. Zudem sei die App eine Chance für den Dialog zwischen Bürgern und Politik.

Quellen: Clubhouse-NutzerstudieDer Standard

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