Gewinnsprung Google freut sich über die Krise

Während die Finanzkrise vielen Bankern und Managern Tränen in die Augen treibt, freut sich Google-Mitbegründer Sergey Brin über die turbulenten Zeiten. Das bringe Klarheit darüber, was die Kunden wirklich wollten. Seinem Unternehmen geht's ausgezeichnet: Im jüngsten Quartal erzielte Google erneut einen Milliardengewinn.

Der Internet-Konzern Google zeigt trotz der Wirtschaftskrise Stärke und hat die Anleger mit einem überraschend kräftigen Gewinnsprung beeindruckt. Der Überschuss des führenden Suchmaschinen-Riesen kletterte im dritten Quartal dank florierender Werbeeinnahmen um mehr als ein Viertel auf 1,35 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro). Der Gesamtumsatz stieg um gut 30 Prozent auf 5,54 Milliarden Dollar. Der von Experten viel beachtete Nettoumsatz ohne die an Partner abzuführenden Erlöse lag im dritten Quartal bei 4,04 Milliarden Dollar. Die bezahlten Klicks auf Suchanzeigen, ein Maßstab für die Einnahmen, stiegen um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und um vier Prozent zum zweiten Quartal. In Europa habe besonders Deutschland das Geschäft mit angetrieben, teilte Google mit.

Konzernchef Eric Schmidt zeigte sich ungeachtet der düsteren Konjunkturaussichten für Google optimistisch. Zugleich räumte er in einer Telefonkonferenz am Donnerstagabend ein: "Die wirtschaftliche Lage ist so im Fluss, dass wir alle in unbekanntem Gelände unterwegs sind." Google-Mitbegründer Sergey Brin sagte, das Unternehmen werde gestärkt aus der Finanz- und Wirtschaftskrise hervorgehen. "Meine Lieblingszeit als Manager sind Pleitezeiten", sagte er der Nachrichtenagentur AP. "Das bringt mehr Klarheit, was die Kunden wirklich wollen und wo die Prioritäten liegen sollten."

Mit seinem Ergebnis übertraf Google die Analystenerwartungen klar. Die Aktie schoss nachbörslich um zehn Prozent hoch. Im Tagesverlauf hatte sie 4,1 Prozent auf 353,02 Dollar zugelegt. Seit Jahresbeginn verlor der US-Konzern jedoch rund die Hälfte seines Börsenwerts.

Google dominiert weltweit das boomende Geschäft mit Internet-Suchanzeigen klar vor Yahoo und Microsoft. Softwareriese Microsoft wollte Googles Vormacht durch eine Übernahme von Yahoo brechen, blitzte aber vor einigen Monaten ab. Yahoo will bei der Online-Werbung nun teilweise mit Google kooperieren, noch haben die Wettbewerbshüter ihren Segen dazu aber nicht gegeben. Microsoft-Chef Steve Ballmer heizte am Donnerstag Spekulationen über eine Ehe mit Yahoo durch Äußerungen neu an. Es gebe derzeit aber keine Gespräche, schränkte er ein.

Mehr als die Hälfte seiner Umsätze erzielt Google mittlerweile außerhalb der USA. Mit den steigenden Einnahmen durch Suchanzeigen stößt der Konzern in immer neue Geschäftsfelder vor. In den USA startet gerade das erste Handy mit einem von Google initiierten Betriebssystem ("Android"). Es soll Apples iPhone Konkurrenz machen und Anfang 2009 auch nach Deutschland kommen. Google will sich so die lukrativen Werbeumsätze auch in der mobilen Internet-Nutzung sichern.

Trotz aller Positiv-meldungen für Google: Wegen der Konjunkturkrise will Konzernchef Schmidt die Kosten "genau im Blick behalten". Bisher ist der Konzern besonders auch seinen Mitarbeitern gegenüber als sehr spendabel bekannt. Bei den Neueinstellungen trat Google bereits auf die Bremse. In den vergangenen drei Monaten stieg die Beschäftigtenzahl etwas langsamer um gut 500 auf nun über 20.000.

DPA/AP AP DPA

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