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Hacker im Krieg: Geht es LulzSec jetzt an den Kragen?

Die Hacker-Gruppen LulzSec und Anonymous haben in den letzten Wochen für viel Aufsehen gesorgt. Jetzt regt sich Widerstand gegen die selbsternannten Beschützer des Internets: Ausgerechnet andere Hacker liefern sie jetzt dem FBI aus.

Von Christoph Fröhlich

Sie sind namenlos und wütend: Die Hacker-Gruppen Anonymous und LulzSec kämpfen für ihre Vision des freien Internets und attackieren alle, die sich ihnen in den Weg stellen. Kommerzielle Unternehmen wie Sony oder Paypal stehen genauso auf ihrer Abschussliste wie mächtige Regierungsbehörden. Neben dem FBI mussten sich auch schon die Webseiten der CIA und der britischen Polizeibehörde Soca der gebündelten Hacker-Power beugen.

Die Angriffe richten sich gegen Unternehmen, "die unseren Internet-Ozean beherrschen und kontrollieren", wie es in einer LulzSec-Erklärung heißt. Bisher war es ein Krieg um Ruhm und Ehre. Jede Gruppe versuchte, die andere mit ihren Taten zu übertrumpfen. Das soll sich jetzt ändern, glaubt man dem Twitter-Kanal von LulzSec.

Operation Anti-Sicherheit

Dort verkündeten die Internet-Aktivisten Anfang der Woche, dass sie mit Anonymous eine große Hacker-Allianz bilden werden. Ab sofort sollen ihre Streitigkeiten in den Hintergrund rücken, stattdessen konzentrieren sie sich auf den gemeinsamen Kampf gegen ihre Feinde. Die Vereinigung läuft unter dem Namen "Operation Anti-Sicherheit", ihre Kampfansage: "Unser höchstes Ziel ist es, geheime Regierungsinformationen zu stehlen und im Netz zu verbreiten." Regierungen oder Behörden, die das verhindern wollen, müssten mit Cyber-Angriffen rechnen.

Sicherheitsexperten nehmen die Drohung sehr ernst. Jede Gruppe hat bereits auf sich allein gestellt bewiesen, wie groß ihre Schlagkraft ist. Während Anonymous sich lediglich auf kommerzielle Unternehmen wie Sony oder Mastercard beschränkte, machte LulzSec auch vor Regierungsbehörden keinen Halt. Offenbar passt sich Anonymous nun unter neuem Banner dem gemeinsamen Verbündeten an.

Wird der Jäger zum Gejagten?

Doch ausgerechnet alteingesessene Hacker-Gruppen könnten den neuen Partnern einen Strich durch die Rechnung machen. Sowohl die Web Ninjas als auch Team Poison wollen LulzSec mit aller Macht bekämpfen, um den Frieden im Internet wiederherzustellen: Die Web Ninjas wollen dem FBI nach eigener Aussage Informationen zugespielt haben, die Namen und Adressen einiger LulzSec-Mitglieder verraten. Auch Hinweise zum Kopf der Bande, der unter dem Decknamen Sabu arbeitet, sollen dem FBI vorliegen. Einige der Informationen sollen diese Woche zur Festnahme des 19-jährigen Ryan Cleary in Südengland geführt haben, der den Chat-Server von LulzSec verwaltete. Bei der Durchsuchung sollen die Behörden in den Besitz aufschlussreicher Chat-Protokolle gekommen sein.

Sabu dementiert diese Gerüchte. Nicht die Web Ninjas sollen zur Festnahme Clearys geführt haben, sondern zwei Verräter in den eigenen Reihen. Diese ließ der Anführer getreu ihrem Piraten-Motto über die Klinge springen und veröffentlichte ihre Namen, ihre Anschrift und ihre Telefonnummern. "Es gibt keine Gnade auf dem Lulz-Schiff", schreibt er auf der Webanwendung Pastebin.

"Das Lulz-Schiff ist gesunken"

Auch die Veteranen-Hacker von Team Poison eröffnen die Hetzjagd auf LulzSec. Sie hackten die Webseite eines niederländischen Hackers mit dem Nicknamen Joepie91, der mit LulzSec sympathisieren soll, und hinterließen ihm eine Nachricht: "Eilmeldung: Das Lulz-Schiff ist gesunken, mit Hunderten Mitgliedern an Bord." Ihr Vorwurf: LulzSec seien keine richtigen Hacker, sie handelten aus falschen Beweggründen. Sollten sie deshalb ihre Aktivitäten nicht einstellen, würde Team Poison die feindliche Gruppe enttarnen. "Dann seid ihr nicht mehr so anonym", verspotten sie LulzSec. "Lasst uns hoffen, dass ihr schwimmen könnt, denn das Lulz-Schiff wurde zur Titanic."

Doch die Drohungen lassen LulzSec-Anführer Sabu kalt: Er behauptet, Joepie91 habe nichts mit seiner Gruppierung zu tun. Dieser Fehler zeige nur, wie schlecht die anderen Gruppen im Vergleich zu ihm seien. Nun bleibt abzuwarten, ob Team Poison mit der Enthüllung von weiteren Namen auf die Demütigung reagiert. Einen Gewinner gibt es im Cyber-Krieg auf jeden Fall: Das FBI bekommt die Hacker momentan auf dem Silbertablett präsentiert.