Es ist ein ungewöhnlicher Schritt. Obwohl Samsung seine konkreten Geschäftszahlen für das letzte Quartal noch nicht verkündet hat, warnt der Konzern schon einmal vor der schlimmsten Zahl des Berichts: 29 Prozent sind die Gewinne zwischen Oktober und Dezember im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Der Grund dafür dürfte nicht nur der Tech-Branche noch ernsthafte Kopfschmerzen bereiten.
Denn anders als viele auf den ersten Blick vermuten dürften, ist es nicht das einbrechende Smartphone-Geschäft, das Samsung unter Druck bringt. Stattdessen ist ausgerechnet der große Hoffnungsträger des letzten Jahres deutlich eingebrochen: Das Geschäft als Zulieferer von Mikroprozessoren.
Der Hoffnungsträger bricht ein
Vor allem die in sämtlichen Smartphones, Computern, Servern und sonstigen smarten Geräten verbauten Speicher-Chips hatten den Koreanern im letzten Jahr enorme Gewinne beschert. Monatelang war die Nachfrage nach den kleinen Chips größer als das Angebot, die Preise stiegen immer wieder. Im letzten Frühjahr machten die Chips satte 75 Prozent von Samsungs Konzerngewinn aus. Das scheint nun vorbei zu sein.
"Wir erwarten, dass die Einnahmen auch im ersten Quartal 2019 durch die schwierige Situation im Speicher-Geschäft gedrückt werden", erklärte Samsung in einem Statement. Für das letzte Quartal ist der Einbruch durchaus bemerkbar: 8,4 Milliarden Euro Gewinn erwartet man für das vierte Quartal, in den drei Monaten vorher waren es noch fast 14 Milliarden.
Sorgenkind Smartphone
Die "schwierige Situation", von der Samsung spricht, dürfte auch außerhalb der Tech-Branche aufhorchen lassen: Die Preise für Speicherchips fallen aktuell immer weiter, immer mehr Konzerne haben Bestellungen für Speicherchips verkleinert oder ganz gestrichen. Der Grund dürften deutlich gesunkene Verkaufserwartungen in der ganzen Branche sein.
Im Smartphone-Markt ist das schon zu beobachten. Die Sparte hat mittlerweile ein Plateau erreicht, Kunden nutzen ihre Geräte immer länger, kaufen daher seltener ein neues Gerät. Für viele Hersteller kommt noch der große Druck durch chinesische Marken erschwerend hinzu. Apple, immer noch der drittgrößte Hersteller der Welt, musste gerade bekannt geben, dass sich die neuen iPhones nicht so gut verkaufen, wie erwartet - dadurch sinkt auch die Nachfrage nach den von Samsung gelieferten Speicherchips. Für Samsung ist die Situation gleich doppelt gefährlich: Mit Smartphones und Speicherchips brechen so die wichtigsten Gewinnbringer gleichzeitig ein.
Vorsichtige Cloud-Anbieter
Für die Weltwirtschaft viel alarmierender dürfte aber sein, dass auch die Nachfrage nach Server-Chips sinkt. Die werden von jeglichen Webseiten-Betreibern benötigt, vor allem große Cloud-Dienste sind abhängig von einem stetigen Ausbau der Speicher-Kapazitäten. Wenn diese Nachfrage sinkt, deutet das daraufhin, dass die Cloud-Betreiber mittelfristig von weniger Wachstum ausgehen - und das könnte durchaus noch größere Folgen haben.
Mit Microsoft, Amazon und Google sind gleich drei der vier wertvollsten Unternehmen im Cloud-Geschäft enorm erfolgreich. Auch Apple - der vierte im Bunde - sieht die auf Cloud-Diensten basierende Service-Sparte als wichtigsten Wachstums-Bereich. Wenn dieser Bereich nun weniger als erwartet wachsen sollte, könnte das auch weltweit spürbare Konsequenzen haben.
Die Kunden können profitieren
Ob die Speicher-Preise weiter fallen, wird sich zeigen müssen. Aktuell könnten sich die Hersteller auch schlicht mit Käufen zurückhalten, weil sie auf noch weiter sinkende Preise hoffen. Teilweise fielen die Preise so schnell, das Spontankäufe günstiger waren als langfristige Verträge, berichtet die Handelsseite "DRAM-Exchange" laut der "Welt". Eine Situation, die vor einem Jahr noch undenkbar erschien.
Für die Kunden ist der Preisverfall zunächst eine gute Nachricht: Die hohen Speicherpreise sorgten zuletzt dafür, dass viele Geräte nur langsam im Preis fielen. Wenn die Einkäufe für die Hersteller günstiger werden, könnten die Preise bald wieder schneller purzeln.
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Tolle Technik, kleine Preise: Diese Smartphones unter 200 Euro lohnen sich wirklich

Beim Test des Xperia XA1 konnte vor allem die für die Preisklasse ungewohnt gute Kamera überzeugen - und da kostete es noch 100 Euro mehr. Zum aktuellen Preis von etwa 175 Euro ist es ein regelrechter Schnapper. Auch sonst stimmen Technik, Design und Verarbeitung. Einziges Manko ist der etwas magere Akku, dem Abends schon mal die Puste ausgeht.
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