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Krieg in der Ukraine Billig, präzise und 150 Kilometer Reichweite – Boeing will Munition für die ukrainischen Raketenwerfer herstellen

Die Bombe kann gegen harte und weiche Ziele eingesetzt werden. 
Die Bombe kann gegen harte und weiche Ziele eingesetzt werden. 
© Saab
Saab und Boeing wollen eine kleine Gleitbombe für einen Raketenwerfer umrüsten. Die Waffe kann auf 150 Kilometer Distanz präzise einen Panzer abschießen. Obendrein ist sie relativ günstig.

Um der Ukraine zu helfen, leeren die USA ihre Magazine. Doch auch bei der Supermacht ist der Vorrat an smarten Raketen und Granaten nicht unendlich. Doch gerade die intelligente, ultra-präzise Munition macht den Unterschied und gibt der Ukraine einen Vorteil auf dem Schlachtfeld.

Laut der Agentur Reuters berät die US-Regierung über einen Vorschlag von Boeing, eine ihrer präzisen Gleitbomben - "Ground-Launched Small Diameter Bomb" (GLSDB) – an die Ukraine zu liefern. Der Gefechtskopf kann mit Raketen gestartet werden, die wiederum mit den Himars-Werfern kompatibel sind. Dem Bericht zufolge gibt es mehrere Pläne der US-Industrie die Produktion von Rüstungsgütern wegen des Ukrainekrieges hochzufahren.

Modifizierte Fliegerbombe

Die Gleitbombe brächte einen weiteren Vorteil für Kiew mit sich. Sie würde die Reichweite der Mehrfachraketenwerfer auf 150 Kilometer erhöhen und damit die Zone, in der die Kiewer Streitkräfte die Russen im Hinterland treffen können, deutlich vergrößern. Für die Himars-Werfer gibt es auch eine eigene weitreichende Rakete. Diese ATACMS-Rakete besitzt eine Reichweite von 297 Kilometern und könnte Ziele tief in Russland treffen. Doch bislang hat Washington die angefragte Lieferung stets abgelehnt. Mit der GLSDB würden die USA ihrer bisherigen "Salami-Taktik" folgen. Die Dosis und Wirksamkeit der gelieferten Waffen kontinuierlich aber in kleinen Schritten zu erhöhen. 

Gemäß Reuters können die Waffen aus zwei erprobten Bausteinen zusammengesetzt werden. Dazu wird eine Fliegerbombe mit dem M26-Raketenmotor zusammengesetzt. Die kleine Präzisions-Bombe wurde eigentlich für Flugzeuge entwickelt. Ihr geringes Gewicht und der kleine Durchmesser dienen dazu, dass ein Jet viele intelligente Bomben mitnehmen kann und so auch mehrere Ziele bekämpfen kann. Mit der Entwicklung einer bodengestützten Variante wurde gemeinsam mit Saab schon 2019, also weit vor dem Ukrainekrieg, begonnen.

Die Idee dabei ist, dass der Part des Flugzeugs von einer einfachen Startrakete übernommen wird. Die Rakete muss keine besonderen Fähigkeiten besitzen. Sie bringt die Gleit-Bombe nur in die benötigte Höhe, aber nicht ins Ziel. Dort wird sie ausgestoßen, sobald sie vom Flugzeug ausgeklinkt wird. Die Bombe hat kleine, faltbare Flügel, mit ihnen kann sie mehr als 100 Kilometer weit gleiten. Ihre Abweichung vom Zielpunkt beträgt nur etwa 50 Zentimeter. Sowohl Motor wie auch Bombe müssen für das Programm kaum angepasst werden. Der Preis der Bombe ist mit 40.000 Dollar relativ bescheiden, zusammen mit dem einfachen Raketenmotor wäre das ein sehr günstiges System.

US-Rüstungsindustrie fährt Produktion hoch

Generell stockt die Rüstungsindustrie in den USA ihre Produktionskapazitäten auf. Das Pentagon plant unter anderen, Waffen, die bisher nur in eigenen Anlagen hergestellt wurden, nun auch von Industrieunternehmen fertigen zu lassen. Für Russland sind das sehr unangenehme Neuigkeiten. Bisher führen Moskau und auch die Unterstützer Kiews den Krieg aus dem Magazin. Das bedeutet: Der Verbrauch des Krieges übersteigt die Neuproduktion an Waffen bei weitem. Beide Seiten spekulieren darauf, dass dem Gegner zuerst das Material ausgeht. Doch wenn die USA, die auf Zulieferer fast aus der ganzen Welt zurückgreifen können, ihre Rüstungsproduktion hochfahren, indem Industriekapazitäten mobilisiert werden, wird die wesentlich kleinere Ökonomie Russlands, die auch noch durch massive Sanktionen behindert wird, diesen Wettlauf nicht gewinnen können.

Quelle: Saab; Reuters

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