VG-Wort Pixel

Revolutionäre Idee Google stellt Project Loon ein: Das Ende des Überall-Internets

Mit Helium gefüllte Ballons sollten das Internet in entlegene Regionen der Welt bringen.
"Project Loon": Mit Helium gefüllte Ballons sollten das Internet in entlegene Regionen der Welt bringen.
© -/ / Picture Alliance
Mit Project Loon wollte Google das Internet in die entlegensten Ecken der Welt bringen. Nun wurde das ambitionierte Projekt eingestellt – doch die Idee vom Stratosphären-Internet lebt weiter.

Es war eine kühne Vision mit einer noblen Absicht: Mit riesigen, heliumgefüllten Luftballons wollte Google das Internet in die abgelegensten Ecken der Welt bringen. 1000 Ballons sollten eines Tages in 20 Kilometern Flughöhe einsam ihre Runden drehen, miteinander kommunizieren und ein Mega-Netzwerk in der Luft bilden. Die Google-Mutter Alphabet taufte diese Initiative, die als eines der ambitioniertesten Projekte unter den sogenannten "Moonshots" galt, "Project Loon" - eine Anspielung auf die englischen Wörter "balloon"(Ballon) und "lunatic" (verrückt).

Und so verrückt die Idee zunächst klingt - sie funktionierte. 2017 schwebten etwa zwei Heliumballons von Nevada aus rund 5000 Kilometer zur US-Insel Puerto Rico, um die dortige Bevölkerung nach zwei schweren Hurrikans mit Internet zu versorgen.

Unklar war jedoch immer, wie sich dieses Projekt nachhaltig finanzieren lässt. Nun hat Google "Project Loon" nach neun Jahren überraschend den Stecker gezogen. Der Schritt ist insofern bemerkenswert, weil der Suchmaschinenkonzern erst vor einem Jahr Google Station beendete, eine andere Initiative, die helfen sollte, der nächste Milliarde Menschen den Zugang ins Internet zu ermöglichen.

Loon gilt trotzdem als Erfolg

"Wir reden viel darüber, die nächste Milliarde Nutzer zu verbinden, aber die Realität ist, dass Loon das schwierigste Problem von allen in der Konnektivität verfolgt hat - die letzte Milliarde Nutzer", schreibt Alastair Westgarth, Chef von Loon, in einem Blogeintrag. Im Mittelpunkt standen "die Gemeinden in Gebieten, die zu schwierig oder zu abgelegen sind, um sie zu erreichen, oder die Gebiete, in denen die Bereitstellung von Diensten mit bestehenden Technologien für normale Menschen einfach zu teuer ist."

Westgarth bestätigt, dass das Aus vor allem finanzielle Gründe hat: "Wir haben zwar eine Reihe bereitwilliger Partner gefunden, aber wir haben noch keinen Weg gefunden, die Kosten niedrig genug zu halten, um ein langfristiges, nachhaltiges Geschäft aufzubauen."

Loon habe eine "radikale neue Technologie" verfolgt, und man sei nach wie vor überzeugt, dass die Welt einen "mehrschichtigen Ansatz für Konnektivität" brauche - "terrestrisch, stratosphärisch und weltraumbasiert. Weil jede Schicht für unterschiedliche Teile des Problems geeignet ist." In dieser Hinsicht habe Loon wichtige Beiträge geleistet, weshalb das Projekt trotz der Einstellung als Erfolg betrachtet werden müsse.

Loon lebt in anderen Projekten weiter

Das Unternehmen Alphabet plant nun, einen Teil der Loon-Technologien weiterzuentwickeln und diese in neuen Projekten zu implementieren. Konkret spricht Google etwa vom "Projekt Taara", welches mit Partnern in Afrika südlich der Sahara zusammenarbeitet, um ein erschwingliches Hochgeschwindigkeits-Internet in unzureichend vernetzte Gemeinden zu bringen. Geplant ist ein Start in Kenia. Allerdings ist das Konzept nicht so breitflächig angelegt wie "Project Loon".

Der Blogeintrag endet mit den Worten: "Wir hoffen, dass Loon als Inspiration für andere weiterleben wird, um kühne, radikale Ideen zu wagen."

Quelle: Blogbeitrag "Loon's final flight"

Lesen Sie auch:

Samsung dominierte den Markt für Premium-TVs - dann brachte eine Technik den Absturz

Digitale Bücher: Warum sich das E-Book im vergangenen Jahrzehnt nicht durchgesetzt hat

Altpapier: Wie Amazon den Papiermüll vermüllt

cf

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker