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Erneut Ärger mit USA: Huawei soll Nordkorea beim Bau eines Mobilfunknetzes geholfen haben

Der Techkonzern Huawei wurde in den vergangenen Wochen zum Spielball im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit. Zuletzt schien der Konzern das Schlimmste überstanden zu haben. Nun könnte er jedoch von der Vergangenheit eingeholt werden.

Huawei ist mittlerweile eine der global erfolgreichsten Smartphone-Marken

Huawei ist mittlerweile eine der global erfolgreichsten Smartphone-Marken

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Es war die bislang öffentlichkeitswirksamste Eskalation im amerikanisch-chinesischen Handelskrieg: Mitte Mai setzte US-Präsident Donald Trump das chinesische Telekommunikationsunternehmen Huawei wegen Sicherheitsbedenken auf die Schwarze Liste der Vereinigten Staaten. Google entzog daraufhin dem zweitgrößten Smartphone-Hersteller der Welt die Android-Lizenz. In der Folge brachen die Smartphone-Verkaufszahlen zeitweise um 40 Prozent ein. Vor wenigen Wochen wurde die Blockade gegen Huawei aufgehoben, auch wenn die aktuelle Situation zwischen den USA und Huawei nach wie vor unklar ist. Dennoch: Das Schlimmste schien der Konzern überstanden zu haben.

Nun könnte Huawei jedoch von seiner Vergangenheit eingeholt werden: Einem Bericht der "Washington Post" zufolge hat Huawei dem Staat Nordkorea beim Aufbau eines kommerziellen 3G-Mobilfunknetzes geholfen. Dabei soll das Unternehmen in den vergangenen acht Jahren mit dem chinesischen Staatskonzern Panda International zusammengearbeitet haben.

Sollte der Bericht der Wahrheit entsprechen, hätte Huawei damit gegen US-Sanktionen verstoßen, welche den Export von Geräten mit US-Technik nach Nordkorea untersagen.

Das sagt Huawei zu dem Bericht

Der Bericht stützt sich auf verschiedene Dokumente, darunter Verträge und Kalkulationstabellen. Bestimmte Länder, darunter Syrien, der Iran und Nordkorea, seien darin mit Codes verschlüsselt – Nordkorea habe in den Unterlagen das Chiffre A9, schreibt die "Washington Post". Der ehemalige Mitarbeiter, der die Dokumente geleakt hat, sagte der Zeitung: "In der Datenbank stehen Einträge wie Deutschland, USA, Mexiko. und statt eines Ländernamens sieht man plötzlich A5, A7, A9 und man fragt sich 'Was soll das?'. Ich vermute, sie wollen nicht 'Iran' oder 'Syrien' schreiben."

Auf Nachfrage wies der Konzern den Bericht nicht zurück, stattdessen erklärte ein Sprecher des Unternehmens, man unterhalte "keine Geschäftspräsenz" in Nordkorea. Außerdem halte man sich in allen Ländern, in denen man tätig sei, an geltende Gesetze und Vorschriften. Zu einzelnen Punkten des Berichts wollte sich der Konzern aber nicht äußern – auch nicht auf die Frage, ob Huawei in der Vergangenheit direkt oder indirekt Geschäfte in Nordkorea betrieben habe. Panda International reagierte bislang nicht auf eine Anfrage.

Schlechtes Timing für Huawei

Für Huawei kommt die Enthüllung der "Washington Post" angesichts der jüngsten Ereignisse zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Viele westliche Nationen, allen voran die USA, haben ohnehin Bedenken, den geplanten Ausbau der 5G-Netze Huawei zu überlassen. Denn in der Vergangenheit rückte das Unternehmen schon häufiger ins Visier der Ermittler: Meng Wanzhou, Finanzchefin des chinesischen Techkonzerns und zugleich Tochter des Gründers Ren Zhengfei, wurde im vergangenen Jahr in Kanada festgenommen, weil sie über eine Firma namens Skycom Geschäfte mit dem Iran gemacht und so Sanktionsrechte verletzt haben soll. Dem Unternehmen wird unter anderem Geldwäsche und Betrug vorgeworfen.

Außerdem wirft die US-Justiz Huawei vor, sich Betriebsgeheimnisse von T-Mobile - der US-Tochter der Telekom - verschafft zu haben.

Quellen: Washington Post, Handelsblatt, Technology Review