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Luftfahrt Den Flughafen der Zukunft planen


Auf dem Hamburger Flughafen hat bereits die Zukunft begonnen: Um Staus zu verhindern, probieren Wissenschaftler neue Wege der Verkehrsführung aus. Technische Systeme sollen dafür den Datenaustausch zwischen Bodenverkehr und den Lotsen im Kontrollturm verbessern.

Flugzeug reiht sich an Flugzeug - das Vorfeld großer Verkehrsflughäfen ähnelt zu Stoßzeiten einer Autobahn in der Ferienzeit. Um den Verkehr besser zu leiten, haben Wissenschaftler ein neues System mit dem komplizierten Kürzel A-SMGCS entwickelt. Dahinter verbirgt sich "Advanced Surface Movement Guidance and Control Systems" - zu deutsch die Bodenverkehrskontrolle der Zukunft. Unter den Begriff fallen Flugzeuge auf dem Weg von und zur Startbahn, aber auch Autos, Busse oder Tankwagen auf dem Vorfeld.

"Wir haben damit eine Vorreiterrolle in Europa", sagt Michael Eggenschwiler, Sprecher der Geschäftsführung am Hamburger Flughafen. Bei dem Projekt arbeiten Flughafen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Deutsche Flugsicherung (DFS) zusammen. Neue technische Systeme sollen dafür den Datenaustausch zwischen Bodenverkehr und den Lotsen im Kontrollturm automatisieren und verbessern. "Flug- und Fahrzeuge können von den Lotsen schneller und besser identifiziert werden, das erleichtert die Arbeit", sagt Eggenschwiler.

Nähe zur Hochschule ist wichtig

Der Hamburger Airport hat für die Luftfahrtforschung eine ideale Größe. Im Gegensatz zu großen Drehkreuzen arbeitet er nicht an der Kapazitätsgrenze. Außerdem ist in Norddeutschland die Nähe zu zahlreichen Hochschulen und wissenschaftlichen Instituten für die Luftfahrt gegeben. "Wir sind hier mittendrin, von der Forschung bis zur Anwendung in der Praxis", sagt Eggenschwiler. Mit dem Flugzeughersteller Airbus, der Universität Hamburg und der TU Hamburg-Harburg sitzen gleich drei weitere Kooperationspartner direkt nebenan in Hamburg.

Weiterhin tauschen sich die Experten in Hamburg in einem internationalen Kooperationsprojekt mit Kollegen aus aller Welt über Sicherheitsfragen bei der Flugsicherung am Flughafen aus. Ein weiteres Zentrum der Luftfahrtforschung im Norddeutschland ist Braunschweig. Hier arbeiten die Technische Universität und das DLR ebenfalls an zahlreichen Konzepten für Flugzeuge und Luftverkehr der Zukunft.

Weniger Staus, schnellere Abfertigung

Schnellere Verkehrsabläufe am Flughafen sind aber nicht nur eine Aufgabe der Lotsen. Neue Konzepte von Wissenschaftlern und Flugzeugherstellern sehen zum Beispiel für die Piloten Systeme vor, die einem Navigationsgerät im Auto ähneln. Bisher müssen sie ähnlich wie ein Autofahrer ihren Weg mit Hilfe von Papierkarte, Schildern auf dem Vorfeld und den mündlichen Anweisungen der Lotsen finden. Neue Anzeigen können den Überblick verbessern, wenn der Pilot den Weg auf einem elektronischen Plan angezeigt bekommt.

Kommt es durch bessere Abläufe künftig zu weniger Staus auf den Flughäfen, dann bedeutet dies auch Kostenersparnis und Umweltschutz. Für Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge planen die Gesellschaften heute nur noch eine Bodenzeit von 30 bis 45 Minuten ein. Steht ein Jet lange im Stau, bringt dies den gesamten Plan durcheinander. Ebenso ist es mit dem Kerosinverbrauch. Lange Rollzeiten und Pausen in der Schlange vor der Startbahn verschmutzen unnötig die Umwelt. "Wir müssen das Zusammenspiel aller Faktoren am Flughafen optimieren", beschreibt Eggenschwiler. Das reicht vom Lotsen im Tower bis hin zum Koffertransport oder den Sicherheitskontrollen.

Heiko Stolze/DPA DPA

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