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Mirror-Training Trainieren vor dem Wunderspiegel – Balletttänzerin erfindet Peloton-Alternative

Wenn das Training beendet ist, hängt nur noch ein Spiegel an der Wand.
Wenn das Training beendet ist, hängt nur noch ein Spiegel an der Wand.
© Mirror / PR
Brynn Jinnett Putnam bastelte in ihrer Küche einen interaktiven Spiegel für die Workouts daheim. Der Mirror holt den Trainer virtuell nach Hause. Man kann Yogakurse besuchen, aber auch Kampfsport im Schlafzimmer üben.

Die Coronavirus-Pandemie kennt nicht nur Verlierer - es gibt auch Gewinner. Elektrofahrräder gehören dazu, aber auch Peloton-Anbieter eines interaktiven Spinningrades, auf dessen Bildschirm ein interaktiver Trainingsleiter strampelt. Das Modell, das die Klasse eines Fitnessstudios in die Wohnung streamt, hat in der Krise Konjunktur – übrigens weit stärker als andere Trainingsräder, die das Spinningbike virtuell auf echte Kurse wie die Tour de France schicken.

Aber Peloton hat Konkurrenz, nämlich Mirror. Noch ist die Firma in Privatbesitz ihrer Gründerin, der ehemaligen Ballerina Brynn Jinnett Putnam, und deutlich kleiner als Peloton. Doch das Wachstumspotenzial ist größer. Bei Mirror erscheint der Trainer auf einem Hybrid-Gerät zwischen Spiegel und Bildschirm. Man sieht sich selbst auf dem Spiegel, dahinter ist der Trainer zu erkennen. Das Konzept bietet zwei entscheidende Vorteile gegenüber Peloton: Mirror ist nicht an eine Sportart gebunden. Von Yoga über Boxen bis zum Krafttraining mit Kettlebells reicht die Palette der Kurse.

Minimaler Platzbedarf

Vor allem nimmt der Mirror keinen Wohnraum weg. Ein wichtiges Argument, denn in Manhattan, der Heimat von Brynn Jinnett Putnam, können sich nur wirklich Reiche einen extra Raum fürs Training leisten. Das Gerät ist nur 3,5 Zentimeter tief und nimmt daher nicht mehr Platz als ein herkömmlicher Ankleidespiegel ein. Wenn die Trainingsmatte weggeräumt ist, bleibt vom heimischen Sportstudio nichts übrig.

"Niemand hatte daran gedacht, einen Bildschirm in den Spiegel zu stellen und ihn als Trainingsplattform zu nutzen", sagt Kevin Thau, von Spark Capital zu "Forbes", er war einer der ersten Investoren. "Im Nachhinein scheint es offensichtlich, aber vorher war es das nicht."

In den USA kostet der Mirror selbst 1500 US-Dollar – das ist nicht billig, aber auch nicht teurer als ein wertiges Laufband oder ein Crosstrainer der Mittelklasse und etwas günstiger als die Bikes von Peloton. Dazu kommen die Kurse – sie kosten 35 Dollar im Monat und passen sich den Preisen von Peloton an. Bei beiden Anbietern ist das Angebot nicht auf eine Person begrenzt. Paare oder Haushalte sparen, doch können sie nicht gemeinsam trainieren. Mirrors Vorteil gegenüber Peloton ist die Breite des Angebots – ein Partner kann Kampfsport wählen, während der andere Yogakurse absolviert.

Wachstumsschub durch Corona

Putnam kam im September 2018 auf den Markt. Sie glaubt an eine kontinuierliche Verlagerung von Studios in Richtung Heimfitness. Corona gab der Marke einen gewaltigen Wachstumsschub. "Forbes" schätzt, dass der Umsatz 2019 bei 45 Millionen Dollar lag und in diesem Jahr auf über 100 Millionen Dollar steigen wird. Im Oktober 2019 – also vor Corona – wurde das Unternehmen noch mit knapp 300 Millionen Dollar bewertet. Davon lagen immer etwa 80 Millionen bei Putnam, Ende 2020 dürfte ihr Anteil weit mehr als 100 Millionen wert sein.

Das hatte sich Brynn Jinnett Putnam nicht träumen lassen, als sie nach ihrer Tanzkarriere ihr eigenes Fitnessstudio gründete. Ihr erstes Studio lag in einer orthodoxen Kirche, einen teureren Raum konnte sie sich in Manhattan nicht leisten. Zwei entscheidende Ideen zu Mirror stammen noch aus der Studio-Phase. Putnam musste immer mit einem begrenzten Raum pro Teilnehmer arbeiten, entwickelte daher Geräte und Workouts, die wenig Platz benötigen. Und dann rüstete sie ihre Räume mit jeder Menge normaler Spiegel aus – die Resonanz ihrer Kundinnen war sehr positiv. "Da wurde mir klar, dass sich viele der Technologien, über die ich nachgedacht hatte, in einen Spiegel einbauen lassen", sagte sie.

Den ersten Prototypen setzte sie selbst in der Küche zusammen. Er bestand aus einer Glasplatte, einem Billig-Tablet und einem Raspberry Pi. Das größte Problem ihres Start-ups sei gewesen, dass sie als Frau allein ohne weitere Gründer auf Misstrauen bei den Geldgebern stieß, gestand Putnam "Forbes", zudem war sie damals auch noch hochschwanger. Doch die Investmentfirma Lerer Hippeau ließ sich von dem wackeligen Prototypen überzeugen, am Tag der Geburt ihres Sohnes stand die Startfinanzierung. Im September 2018 kam das Gerät auf den Markt. Glück für Putnam: Ganz ohne ihr Zutun kaufte sich Alicia Keys einen Mirror und postete die Neuanschaffung auf Instagram. Bald kamen weitere Prominenten wie Reese Witherspoon, Ellen DeGeneres, Gwyneth Paltrow und Kate Hudson dazu.

Umkämpfter Markt

Brynn Putnam will über Fitness hinaus weiter wachsen. Schon jetzt kann man vor dem Spiegel meditieren. Physiotherapie und Rehabilitationsprogramme sollen folgen. Wachstum ist entscheidend im Markt der smarten Home-Fitness. Denn weitere Anbieter sind auf dem Markt aufgetaucht und auch die großen Fitnessketten in den USA wollen im Geschäft mit dem Training daheim mitmischen. Und es gibt auch schon einen weiteren interaktiven Spiegel von Echelon. Das Gerät heißt Reflect.

Quelle: Mirror, Forbes

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