Video-iPod Hollywood-Blockbuster in der Hosentasche


Am 12. Oktober stellte Apple-Chef Steve Jobs den neuen iPod vor. Die nächste Generation des Alleinunterhalters kann sogar Filme abspielen.

Lange Zeit galt die Veröffentlichung eines Video-iPods als unwahrscheinlich. Mehrfach erklärte Apple-Chef Steve Jobs, dass ein solches Produkt keinen Sinn machen würde. "Sie können ja nicht Auto fahren und nebenbei Filme anschauen", sagte Jobs noch im Sommer und immer wieder versicherte er: "Wir konzentrieren uns auf Musik." Doch am 12. Oktober lies er im Zuge einer Pressekonferenz in San Jose die Bombe platzen: Das neueste Modell des populären Musikplayers kann auch Videos abspielen.

Strenge Videoregeln

Für 319 Euro gibt es das kleinere Modell mit 30-Gigabyte-Festplatte, für 429 Euro das größere, das doppelt so viel Speicherplatz bietet. Das reicht laut Apple für bis zu 150 Stunden Video am Stück. Aber wo kommen die her? Raubkopien aus dem Internet verweigert sich der iPod: Er spielt nur Filme ab, die im neuen Standard "H264" kodiert sind. Das können zum Beispiel Heimvideos sein, die jeder Mac und PC mit Apples "QuickTime"-Software iPod-tauglich aufbereiten kann. Aber das kostet viel Rechenzeit, und am Ende ist ein Heimvideo immer noch ein Heimvideo - kein Hollywood-Thriller.

iTunes verkauft nun auch Filme

Also präsentierte Jobs gleich noch eine aktualisierte Version des iTunes-Musikladens, der von nun an - Überraschung! - auch Filmclips im Programm hat: In Deutschland sind das vorerst ausschließlich Musikvideos, die 2,49 Euro kosten, sowie sechs Kurzfilme des Trickstudios Pixar ("Toy Story", "Findet Nemo"), ebenfalls für 2,49 Euro. In den USA sicherte Apple sich obendrein die Rechte für fünf Fernsehserien, darunter die Quotenhits "Desperate Housewives" und "Lost", die pro Folge das Gleiche kosten wie ein Musikvideo. "Die Werbeblöcke schneiden wir heraus", juxte Jobs, "so können Sie sich das Vorspulen sparen." Nur eine schnelle Internetverbindung empfiehlt sich, denn eine einzige TV-Sendung hat ungefähr die Größe von fünf Musikalben.

Man ist sich treu geblieben

Vom Konzept her, loben Analysten, gibt es an alledem wenig auszusetzen: "Der Preis stimmt, und es geht alles sehr einfach", sagt David Card, Medienspezialist beim Marktforscher Jupiter Research. Vor allem habe Apple nicht versucht, aus dem iPod ein ganz neues, anderes Gerät zu machen. "Der iPod ist immer noch zu allererst ein Musikspieler, Video kommt als Extra dazu", sagt Card, "und das ist gut so." Denn Musik zieht: Fast 6,5 Millionen iPods hat Apple allein in den vergangenen drei Monaten verkauft, so viel wie nie zuvor in einem einzigen Quartal. Kein Grund also für radikale Kurswechsel.


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