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Huawei Ascend Mate 7 im Test: Wenn's mal wieder länger dauert

Seit heute gibt es das Ascend Mate 7 - und das ist ein echter Brocken mit Sechs-Zoll-Display und viel Power unter der Haube. Doch vor allem der Akku begeistert. Der China-Kracher im stern-Test.

Von Christoph Fröhlich

Vor wenigen Jahren kannte man Huawei noch aus der Grabbelkiste von Lidl, wo Schnäppchenjäger sich um die 99-Euro-Smartphones prügelten. Heute zählt das chinesische Unternehmen zu den hundert wertvollsten Firmen der Welt. Nach Samsung und Apple ist es der drittgrößte Smartphone-Hersteller - und es scheint, als würde sich der Konzern damit nicht zufrieden geben. Mit dem Ascend Mate 7 zeigte Huawei eines der spannendsten Geräte der diesjährigen IFA, demnächst steht das Gerät in den Regalen der Händler. Wir haben das Phablet schon getestet und sagen, ob sich ein Kauf lohnt.

Schicker Brocken

Große Smartphones sind in - nicht erst seit den neuen iPhones. Was in puncto Größe derzeit möglich ist, beweist Huawei mit dem Ascend Mate 7. Dabei führt der Name in die Irre: Das Display misst nicht sieben, sondern sechs Zoll (15,24 Zentimeter). Damit ist der Bildschirm noch größer als beim iPhone 6 Plus.

Legt man das Apple-Handy neben das Mate 7, fällt auf, wie kompakt die Chinesen gebaut haben: Mit 157 x 81 x 7,9 Millimetern ist es trotz des größeren Displays nur minimal größer als das iPhone. Das liegt vor allem am extrem schlanken Rahmen um den Bildschirm. Laut Huawei nimmt das Display satte 83 Prozent der Front ein. Der Spitzenwert unter den derzeitigen Handy-Flaggschiffen. Es bringt 185 Gramm auf die Waage - angesichts der imposanten Größe ein guter Wert. Dennoch: Hat man keine Pranken wie Dirk Nowitzki, lässt sich das Mate 7 nur schwer einhändig bedienen.

Das Display hat eine Full-HD-Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten. Das ist nicht rekordverdächtig, für den Alltag aber völlig ausreichend. Wer keine hochauflösenden Kunstkataloge auf seinem Smartphone ansehen will, kann jedenfalls auf ein 2K-Display wie es etwa das LG G3 hat verzichten. Die Farben sind satt, die Kontraste knackig, an der Blickwinkelstabilität gibt es nichts zu meckern.

Beim Material zeigt Huawei, dass es nicht nur Billig-Handys bauen kann, sondern auch mit der Premium-Konkurrenz mithalten kann: Das Ascend Mate 7 hat ein schickes Aluminium-Unibody-Gehäuse mit einer abgerundeten Rückseite. Dadurch liegt es gut in der Hand. Schade ist nur, dass der Plastikdeckel auf der Frontseite nicht nahtlos in den Aluminiumrahmen übergeht. Fährt man mit dem Finger über den Rahmen, spürt man eine leichte, aber merkliche Kante. Dafür haben die Ingenieure an anderer Stelle viel Liebe für Details bewiesen, das zeigt etwa die feine Struktur auf dem Power-Button. Insgesamt ist das Design sehr modern und edel.

Entsperren durch Handauflegen

Im Inneren steckt ein selbstentwickelter Achtkernprozessor, der aus vier Kernen mit 1,8 Gigahertz und vier stromsparenden Kernen mit 1,3 Gigahertz Taktfrequenz besteht. Je nach Testprogramm war der Prozessor mal besser, mal schlechter als die Konkurrenz. Im Alltagstest fällt der Unterschied ohnehin nicht auf, die von uns getesteten 3D-Games und Filme liefen ruckelfrei.

Es gibt zwei Modelle des Ascend Mate 7: Das graue und silberne Modell haben jeweils zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, das goldene Premium-Modell drei Gigabyte. Der interne Speicherplatz der beiden Einstiegsmodelle beträgt 16 Gigabyte, das goldene Modell hat 32 Gigabyte. Bei beiden Versionen kann der Speicher via microSD-Karte erweitert werden.

Eine Besonderheit des Ascend Mate 7 ist der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite. Der Sensor befindet sich unterhalb der Rückkamera - das kennt man bereits vom HTC One Max - und ist mit dem Zeigefinger gut zu erreichen. In unserem Test funktionierte der Fingerscanner hervorragend und bietet einen echten Mehrwert: Das Handy kann durch Fingerauflegen nicht nur direkt aus dem Standby aufgeweckt und entsperrt werden, der Scanner kann auch als Kameraauslöser genutzt werden. Dabei ist es wie beim iPhone 5S egal, wie der Finger auf den Sensor gelegt wird. Bis zu fünf verschiedene Finger können registriert werden. Bei nassen Händen versagte der Sensor in unserem Test den Dienst.

Es läuft und läuft und läuft

Huawei verbaut im Ascend Mate 7 zwei Kameras. Die Frontkamera knipst mit fünf Megapixeln, für Selfies ist das völlig ausreichend. Die Rückkamera hat einen 13-Megapixel-Sensor: Die Bilder haben natürliche, nicht zu grelle Farben, in puncto Schärfe und Kontraste sind sie aber nicht herausragend. Am rechten Bildrand gab es je nach Belichtung gelegentlich leichte Unschärfen. Hält man die Kamera sehr ruhig, gelingen auch bei schlechten Lichtbedingungen relativ rauscharme Fotos - an die Qualität einiger Nokia-Smartphones kommt das Mate 7 aber nicht heran. Insgesamt ist die Kamera nur Mittelklasse. Schade: Das Fotolicht auf der Rückseite hat nur eine weiße LED. Der Dual-Blitz, der etwa im iPhone 6 steckt und für realistischere Hauttöne in dunklen Umgebungen sorgt, ist nicht verbaut.

Der heimliche Star des Ascend Mate 7 ist der Akku: Mit 4100 Milliamperestunden ist er deutlich potenter als die Batterie im iPhone 6 Plus, die 2915 Milliamperestunden fasst. Zwei Tage ohne Steckdose sind selbst bei Vielnutzern drin. Wer nur selten zum Handy greift, kann auch bis zu einer halben Woche schaffen. Huawei selbst gibt die Standby-Zeit im LTE-Betrieb mit 27 Tagen an. Ist der Akku doch mal leer, muss man aber auch dreieinhalb Stunden einplanen, bis die volle Ladekapazität erreicht ist.

Veränderbares Betriebssystem

Als Betriebssystem dient die aktuelle Android-Version 4.4 Kitkat, die mit der hauseigenen Emotion-Oberfläche modifiziert wurde. Der Flat-Look des Betriebssystems orientiert sich an iOS 8 und Windows Phone. Wem das nicht gefällt, der kann das Aussehen der Software mit zahlreichen kostenlosen Themes verändern. Hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Besondere Funktionen hat die Emotion-Oberfläche nicht zu bieten, die Kinderkrankheiten älterer Versionen - etwa fehlende Umlaute im Musikplayer - gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Gewöhnungsbedürftig: Eine klassische App-Übersicht gibt es in der Emotion-Oberfläche nicht, alle Anwendungen werden auf dem Startbildschirm hinterlegt. Ohne Ordner geht die Übersicht schnell verloren.

Das Ascend Mate 7 unterstützt LTE der Kategorie 6, mit dem passenden Vertrag kann man unterwegs theoretisch mit bis zu 300 Mbit pro Sekunde surfen. Der neueste Wlan-Standard ac wird nicht unterstützt. Bluetooth 4.0, GPS und die Nahfunktechnik NFC sind an Bord.

Fazit: Alles groß - außer der Preis

Toller Bildschirm, schickes Design, riesiger Akku, gute Kamera, ein Fingerabdruckscanner: Wer auf der Suche nach einem Phablet mit Android-Betriebssystem ist, findet mit dem Mate 7 eines der derzeit interessantesten Smartphones. Mit 500 Euro ist es zudem etwas billiger als Samsungs Galaxy Note 4. Eine kleinere Alternative ist das Xperia Z3.