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T. Ammann: Bits & Pieces: Facebook-Skandal: So groß ist die dunkle Macht von Big Data

Nicht nur im rechten politischen Spektrum wächst das Interesse an Big-Data-Analysen potenzieller Wähler. Ein französisches Technik-Start-up verhalf Emmanuel Macron mit zum Sieg, analysiert Thomas Ammann.

Big Data Facebook

Facebook liefert die Daten, die für die Erstellung von Psychogrammen genutzt werden. Die werden im Wahlkampf "zu gezielten Ansprachen", dem sogenannten Microtargeting, genutzt.

Bis er geschasst wurde, ließ Cambridge-Analytica-Chef Alexander Nix keine Gelegenheit aus, damit zu prahlen, seine Firma habe Donald Trumps Wahlsieg erst ermöglicht. Ohne , so Nix, wäre der unaufhaltsame Aufstieg des skurrilen Polit-Außenseiters aus New York nicht denkbar gewesen. Sein Unternehmen habe für Trump "den gesamten digitalen Wahlkampf und den TV-Wahlkampf" organisiert, behauptete Nix noch vor einigen Monaten in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Channel 4. "Unsere Daten waren die Grundlage der gesamten Strategie."

Dass Analytica dabei offenbar etwas zu weit ging, hat den großmäuligen Nix jetzt den Job gekostet. Über die App "thisisyourdigitallife", die angeblich wissenschaftlichen Zwecken diente, verschaffte sich Cambridge Analytica Zugriff auf die Profile von rund 270.000 freiwilligen Teilnehmern und deren Freundeskreis - insgesamt sollen rund 50 Millionen User betroffen sein. Der Skandal wurde bekannt, als Christopher Wylie, ein ehemaliger Mitarbeiter von Cambridge Analytica, in einem Interview mit dem britischen "Observer" auspackte: "Wir werteten Facebook aus, um die Daten der Profile von Millionen Menschen zu ernten", berichtete er, "wir schufen Modelle, um auszuwerten, was wir über sie wussten, und um auf ihre inneren Dämonen zu zielen. Das war die Grundlage, auf der die ganze Firma aufgebaut wurde."

Das alles war übrigens seit Dezember 2016, also kurz nach dem Wahlsieg Trumps, schon mehr oder weniger bekannt. Unter der Überschrift "Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt", berichtete der Forscher Michal Kosinski von der Cambridge University über das von ihm erdachte Verfahren, mithilfe von Facebook-Likes und anderen Daten die Persönlichkeit von Menschen zu bestimmen und ihr Verhalten vorherzusagen. Genau das benutzte dann Cambridge Analytica für Trumps Wahlkampf.

Mit Hilfe von Facebook machte Trump Wahlkampf

So berichtete "Das Magazin", die Psychogramme von Millionen Wählern seien "zur gezielten Ansprache", dem sogenannten Microtargeting, genutzt worden. 175.000 Versionen derselben Botschaft habe Trumps Team an einem Tag auf verteilt. Sie unterschieden sich "meist nur in mikroskopischen Details, um den Empfängern psychologisch optimal zu entsprechen". Trumps Team soll Anzeigen bei Facebook gekauft haben, die nur User mit bestimmten Merkmalen oder Vorlieben zu sehen bekamen. Zum Beispiel: "In Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner mit Nachrichten über das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben in Haiti - um sie davon abzuhalten, Clinton zu wählen." So zu lesen in dem Artikel aus dem Dezember 2016. Das schien damals niemanden besonders aufgeregt zu haben. Ein Aufschrei blieb jedenfalls aus.

Dass hinter der Idee der "Herr der Finsternis" schlechthin stecken soll, nämlich damaliger Wahlkampfmanager und späterer Chefstratege Steve Bannon (inzwischen gefeuert), macht die Sache allerdings brisanter, als sie es sowieso schon ist. Bannon suchte nach einer Waffe für seinen ultrakonservativen Feldzug gegen das "Establishment“ und den "Sumpf in Washington" und fand in Alexander Nix offenbar einen Verbündeten. Der rechte Milliardär Robert Mercer, einer der finanzkräftigsten Unterstützer Trumps, finanzierte das Projekt mit 15 Millionen Dollar. Mercers erklärtes Ziel ist es, "die Propaganda der Linken", er meint die Nachrichtenmedien, zu "neutralisieren".


Aber nicht nur Trump und seine "dunklen Mächte" haben das Microtargeting für den Kampf um Wählerstimmen entdeckt. Auch der Aufstieg des französischen Außenseiters Emmanuel Macron steht damit in Verbindung. Das jedenfalls meint Giullaume Liégey, der gerade auf dem Hamburger Online Marketing Festival OMR einen stark beachteten Auftritt hatte. Mit seinem Technik-Start-up Liegey Muller Pons koordinierte er 2015 den Wahlkampf des damals noch weitgehend unbekannten Präsidentschaftskandidaten Macron und seiner Bewegung "En Marche!".

Reine Intuition reicht für Wahlkämpfe nicht mehr aus

Reine Intuition reiche für moderne Wahlkämpfe einfach nicht mehr aus, berichtet Liégey bei einem Gespräch in Hamburg: "Man muss seine potenziellen Wähler erkennen", sagt der 37-Jährige, "welche Nachrichten kommen bei ihnen an, und wie werden sie übermittelt?". Big Data liefere die Grundlagen, aber erst die Kombination aus "Daten, Technik und Menschen" bringe den Erfolg. "Wenn Sie mir sagen, wo Sie wohnen, sage ich Ihnen, wen Sie wählen werden", meint Liégey. Aber darum sei es ihm nicht allein gegangen, sondern vielmehr darum zu erfahren, was die potenziellen Wähler von Politikern wollen. Dafür hätten rund 6000 "En Marche!“-Freiwillige etwa 300.000 Türen abgeklappert. "Das Team führte 25.000 Befragungen durch, die im Durchschnitt 14 Minuten dauerten." Acht offene Fragen wurden den Interviewpartnern gestellt. Zum Beispiel: Was läuft gut in Frankreich? Was nicht? Was ist Ihre schönste Erinnerung im vergangenen Jahr? Und Ihre schlimmste? "Die Antworten wurden vor Ort in eine von uns entwickelte App eingegeben und später von einem weiteren Startup ausgewertet", berichtet Unternehmensgründer Liégey.

Die Inspirationen für diese Mischung aus klassischer und moderner Wahlkampfstrategie holte er sich übrigens 2008 im Wahlkampfteam von Barack Obama, als er als Freiwilliger von Haustür zu Haustür zog. "Menschliche Interaktionen stehen im Kern jeder politischen Kommunikation." Die Erfolgsrate liege beim Gespräch an der Wohnungstür der Bürger deutlich höher als beispielsweise bei der Ansprache auf Facebook. Der wesentliche Unterschied zwischen seiner Methode und dem umstrittenen Verfahren von Cambridge Analytica sei jedoch, betont Liégey, dass er keine Userdaten "stehlen" müsse, um seine Analysen zu erstellen. Und allzu viel Schnüffelei in der Privatsphäre potenzieller Wählerinnen und Wähler verhinderten schon die Datenschutzbestimmungen, die in Europa viel schärfer seien als in den USA.

Auch wenn Macron zum strahlenden Sieger wurde, eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Liégey gibt zu: "Viele meiner Klienten haben mit diesem Ansatz leider auch ihre Wahlen verloren. Über tausend Kampagnen haben ihn jedoch schon benutzt, auch in Deutschland." Welche das genau sind, verrät Liégey nicht. Bekannt ist nur das: 2013 präsentierte er sein Wahlkampfkonzept bei der SPD in der Berliner Parteizentrale. Allerdings ohne Erfolg. Vielleicht wäre die Geschichte der deutschen Sozialdemokratie sonst etwas anders verlaufen, wäre man damals zusammengekommen.

tis
Kann ich mich auf Geschwindigkeitsanzeige FritzBox verlassen?
Hallo zusammen, erstmal herzlichen Dank für die Leute, die sich Zeit nehmen Fragen zu beantworten oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das ist oft hlifreich, wenn man sich nicht so auskennt. Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Die Telekom hat hier nach langer und ersehnter Zeit schnelle Leitungen verlegt. Mitarbeiter waren auch zu Besuch da und auch nett:-) Sie wollten ja auch, dass ich von 1und1 wieder zurück wechsel. Das ist für mich in Ordnung und gehört zum Wettbewerb. Da jedoch die Mitarbeiter mir sagten, dass die Telekom für paar Jahre das Vorrecht hätte, könnte ich schnelles Internet nur über Telekom beziehen. Sprich entweder Telekom und schnelles Internet oder langsames Internet. Da habe ich im Internet recherchiert und rausgefunden, dass das so nicht mehr stimmt. Das war der Grund, warum ich dann bei 1und1 DSL100 abgeschlossen habe, da man mir am Telefon gesagt, dass es ohne Probleme möglich wäre. Nun ist es jedoch so, dass wir gar nicht so merken, dass unser Internet schneller ist. Gerade in der oberen Etage kann man nicht ohne Router surfen oder Sky über Internet Fernsehen. Nun meine Frage: Bei der Fritzbox wird es jedoch angezeigt. Kann ich mich drauf verlassen? Oder wie macht ihr eure Messungen? Ich weiss, dass es Software gibt, aber der feste Rechner ist bereits alt und hat einen alten Internet Explorer drauf. Wenn ich mit einem Laptop im Wlan mich reinhänge, wird sicher die Geschwindigkeit sowieso niedriger und nicht verwertbar sein, oder? Vielen Dank für die Antworten.