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Elite-Unis: Buhlmann prescht vor

Knapp 2 Milliarden Euro sollen laut Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn in die Förderung von Elite-Universitäten gesteckt werden. Doch die Wissenschaftssprecher der Union halten die Versprechungen für verfrüht.

Bund und Länder haben sich nach Angaben von Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) über ein Milliarden-Programm für internationale Spitzenforschung verständigt. Bis 2010 sollen zehn Elite-Universitäten sowie Spitzenforschungszentren an den Hochschulen mit 1,9 Milliarden Euro aufgebaut werden. Der hochschulpolitische Sprecher der Unionsländer, Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU), bezeichnete Bulmahns Aussagen als verfrüht und in der Sache nicht dienlich. Auch bedürfe "ein Programm dieser Dimension der Zustimmung der Ministerpräsidenten aller Länder".

Bund mit über 100 Millionen Euro belastet

An dem Treffen mit Bulmahn hatten am Montag in Berlin mehrere Wissenschaftsminister der Unions- wie der SPD-Länder teilgenommen. Von den 1,9 Milliarden Euro werde der Bund 75 Prozent übernehmen. Zugleich soll Bulmahns Angaben zufolge in einem "Pakt für Forschung und Innovation" für die großen Forschungsorganisationen eine Etatsteigerung von mindestens drei Prozent jährlich bis 2010 festgeschrieben werden. Dies führt beim Bund allein im nächsten Jahr zu Mehrausgaben von über 100 Millionen Euro.

Frankenberg wie auch sein bayerischer Kollege Thomas Goppel (CSU) sprachen zwar von einem konstruktiven Gespräch. Bis zur Einigung seien aber noch Detailfragen zu klären. Die SPD-Wissenschaftsminister Jürgen Zöllner (Rheinland-Pfalz) und Hannelore Kraft (Nordrhein- Westfalen) sagten dagegen nach dem Treffen, in der Sache sei man sich jetzt grundsätzlich einig.

Auch Forschungsverbünde sollen gefördert werden

Bulmahn und die Länder-Wissenschaftsminister streiten seit Wochen über die Errichtung von Spitzen-Unis und Leistungszentren für die Spitzenforschung (Cluster). Die SPD-Parteispitze hatte Anfang des Jahres überraschend den Aufbau von Elite-Hochschulen nach amerikanischem Vorbild vorgeschlagen. Nach den Vorstellungen der Länder sollen gleichzeitig auch Forschungsverbünde an verschiedenen Hochschulen mit internationalem Renommee gefördert werden. Angestrebt werden jetzt rund 30 solcher Verbünde mit einem Fördervolumen von durchschnittlich acht Millionen Euro sowie etwa 40 Graduiertenschulen zur besseren Nachwuchsförderung.

Bulmahn zeigte sich zuversichtlich, dass die Absprache bei der nächsten Sitzung der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung am 5. Juli in Bonn auch offiziell besiegelt wird. Die Ministerin versicherte, es handele sich um zusätzliches Geld für die Forschung. Beim Hochschulbau werde es keine Abstriche geben. Um die zusätzliche Förderung sollen Hochschulen und Fächer im Wettbewerb konkurrieren. Eine Jury soll über die Vergabe entscheiden.

Internationaler Ruf soll gestärkt werden

Um als Spitzen-Universität anerkannt zu werden und in den Genuss der Zusatzförderung zu kommen, soll die Hochschule mindestens ein wissenschaftliches Exzellenz-Zentrum von internationalem Ruf, ein Graduiertenkolleg sowie ein eigenes schlüssiges Entwicklungskonzept zu einem weltweit anerkannten "Leuchtturm der Wissenschaft" vorweisen. Eine ausgewählte Elite-Hochschule kann dann nach Bulmahns Angaben mit durchschnittlich 25 Millionen Zusatzförderung rechnen.

DPA / DPA
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