Rabatte Autohändler drehen auf


Der Autokauf wird in Deutschland immer günstiger. Mit Sonderaktionen und Preisrabatten drehen Autohersteller zum Schlussquartal des Jahres noch einmal richtig auf, um den sinkenden Absatz anzukurbeln.

Auf dem Automarkt herrscht Schnäppchenzeit. Mit Rabatten jeglicher Art versuchen die Hersteller, die Kunden aus ihrer Kaufzurückhaltung zu locken. Das Angebot umfasst Sonderzinsen, kostenlose Ausstattungsextras, Urlaubsgeld, Tankgutscheine oder einen Führerschein-Zuschuss. Nach Expertenmeinung haben die Preisnachlässe inzwischen historische Höchststände von durchschnittlich 14 bis 15 Prozent auf den Listenpreis erreicht - das wären fast 3000 Euro pro Wagen. Der Höhepunkt scheint aber überschritten.

Rabattaktionen noch ausgeweitet

Seit Anfang Oktober haben Europas größter Autobauer Volkswagen und sein Hauptkonkurrent Opel die Rabattaktionen noch ausgeweitet. VW will jetzt Führerscheinneulinge mit Kaufgutschriften von 1000 Euro locken. Während es bei Opel seit dem 1. Oktober Rabatte für Extras bei Sondermodellen gibt, will Volkswagen vor allem den neuen Golf mit Preissenkungen auf die Erfolgsspur bringen. Die Preise für Extras wurden gesenkt. Seit Anfang des Monats gibt es zudem ein Angebotspaket aus Klimaanlage und Radio für 750 Euro. Bislang mussten dafür 1745 Euro gezahlt werden. Opel senkte die Preise für Sonderausstattungen um bis zu 4000 Euro.

Um vor allem jungen Autofahrern den Kauf eines Neuwagens schmackhaft zu machen, plant Volkswagen zwei Aktionen, die in der kommenden Woche vorgestellt werden sollen. So bekommt, wer einen frisch erworbenen Führerschein vorlegen kann, für fast alle Modelle eine 1000-Euro-Gutschrift. Ausgenommen seien die Modelle Phaeton, Touareg und Nutzfahrzeuge, sagte ein VW-Sprecher. Für Fahranfänger hat VW noch ein weiteres Angebot aufgelegt: Wer sechs Monate nach der Führerscheinprüfung acht Wochen lang an einem freiwilligen Fortbildungsseminar teilnimmt, erhält dafür einen Gutschein über 250 Euro. Damit werde auch etwas für die Sicherheit getan, begründete der Sprecher. Junge Fahrer seien überdurchschnittlich häufig an tödlichen Unfällen beteiligt.

Lockmittel: Billigere Kfz-Versicherung

Zu dem Paket gehöre außerdem das Angebot einer günstigen Autofinanzierung über die Volkswagen-Bank sowie eine verbilligte Kraftfahrzeugversicherung über die VW-Versicherungstochter VVD, berichtete die "Wolfsburger Zeitung". Autokauf und Seminar-Teilnahme sollten mit einer Eingruppierung in einer günstigeren Schadensklasse belohnt werden. Doch Autohändler beobachten die Rabattpolitik der Hersteller mit kritischem Blick. Nach einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Forschungsstelle Automobilwirtschaft sind viele Händler unzufrieden. Besonders BMW- und VW-Händler haderten mit dem Verhalten der Unternehmen.

"Wegen der Belebung des Automarktes werden die Preisnachlässe in den nächsten Monaten sinken", sagt der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk. "Das geht aber nicht per Knopfdruck." Die Kunden haben sich inzwischen an die Schnäppchen gewöhnt. Doch für die Autoindustrie hat sich die Rabattschlacht laut VDA als "Weg in die Sackgasse" entpuppt. Der deutsche Automarkt legte seit Jahresbeginn um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu und soll vor allem wegen des hohen Ersatzbedarfs 2005 erstmals seit fünf Jahren wieder robust wachsen. Das Wachstum wurde bisher aber mit Preisnachlässen teuer erkauft. Das geht zu Lasten der Margen.

"Weg in die Sackgasse"

"Auf Grund des hohen Wettbewerbs und des schwachen Inlandsgeschäfts bewegt sich die Branche in ihrer Gesamtheit bei der Umsatzrendite in der Verlustzone", schreibt die Dresdner Bank. Etwas besser stünden Premiumhersteller da, die nicht so konjunkturabhängig seien. Neben den Rabatten belasten die kräftig gestiegenen Rohstoffpreise für Öl, Stahl und Kupfer die Hersteller. Der starke Euro schmälert seit dem vergangenen Jahr die gute Gewinnlage im Export. Insbesondere in den USA verdienen die Hersteller wegen der massiven Rabatte und Währungsprobleme nicht mehr so gut, VW machte dort im ersten Halbjahr fast 600 Millionen Euro Verlust. Der vielgepriesene Zukunftsmarkt China bleibt wegen Kreditbeschränkungen der Regierung und des Wettbewerbs schwierig.

Der Export ist dennoch der wichtigste Motor der deutschen Autobranche. 70 Prozent aller hierzulande gebauten Wagen gehen ins Ausland. "Deutsche Marken haben mit ihrer jungen Modellpalette in Westeuropa Marktanteile gewonnen", sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. Seit Jahresbeginn blieben die Exporte auf dem Rekordniveau des Vorjahres. Die Autoindustrie leidet weiter unter Überkapazitäten und erlebt einen knallharten Wettbewerb. Insbesondere Volumenhersteller wie VW und Opel sehen sich bedrängt. Von oben stoßen Premiumhersteller wie BMW in das Segment, von unten machen Koreaner und Japaner ihnen das Leben schwer. Die Koreaner mit Hyundai und Kia haben seit Jahresbeginn in Deutschland um traumhafte 35 Prozent zugelegt.

Kostensenkung ist das Gebot der Stunde

Jetzt kommt mit den Chinesen, die erstmals auf der IAA ausstellen, ein neuer Billigwettbewerber hinzu. "Die Deutschen werden in ihren dominanten Bereichen, der oberen Mittelklasse bis Luxuskategorie, dadurch nicht gefährdet", sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Die Chinesen sind aber ernst zu nehmen, sie werden langfristig einen Marktanteil von fünf Prozent in zehn Jahren erreichen." Kostensenkung lautet das Gebot der Stunde. Opel hat mit seinem radikalen Sanierungsprogramm und dem Abbau von 9500 Stellen im zweiten Quartal operativ erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen geschrieben. VW plant weitere Sparprogramme in Milliarden-Höhe.

Die Korruptionsaffäre bei VW sowie Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen bei Mercedes haben das Image der Marken beschädigt. Unter Druck sind die deutschen Hersteller auch in der Feinstaub-Debatte geraten, weil sie nicht schnell genug Rußpartikelfilter liefern können. Im Juli gingen die Zulassungen mit Dieselmotor in Deutschland um 10,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück - die Kunden sind wegen der Debatte um Fahrverbote verunsichert. Zukunftsweisend sollen angesichts der hohen Benzinpreise Hybrid-Modelle sein, die die großen Hersteller auf der IAA präsentieren. "Diesen Zug haben die Deutschen verpasst, der Vorsprung von Toyota ist immens", sagt Heymann. Alle Hersteller müssten das Thema nun angehen. Mit einem Marktanteil von unter einem Prozent bleibe Hybrid hierzulande aber eine kleine Nische.

AP/DPA AP DPA

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