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Renten: Kürzungen grenzen an "Unverschämtheit"

Den Rentnern drohen empfindliche Einschnitte. Der Sozialverband VdK fürchtet, dass 2010 nur noch die Grundsicherung ausgezahlt wird. Schuld an der sinkenden Eckrente sind Medienberichten zufolge vor allem steigende Kassenbeiträge.

Die mögliche Absenkung der so genannten Eckrente im nächsten Jahr stößt auf scharfe Kritik des Sozialverbandes VdK. "Was hier mit den Rentnern gemacht wird, grenzt an Unverschämtheit", sagte VdK-Präsident Walter Hirrlinger der "Leipziger Volkszeitung". Seit 2004 habe es keine Rentenanpassung mehr gegeben, und bis 2009 werde es auch keine mehr geben, dies habe die Politik bereits klargemacht. "Das bedeutet doch, dass die Rentner einen jährlichen Kaufkraftverlust in Höhe der Inflationsrate hinnehmen müssen", sagte Hirrlinger. "Mit anderen Worten: Wir nähern uns 2010 der Grundsicherung."

Nach zuletzt drei Nullrunden hintereinander stehen Deutschlands Rentnern laut einem Zeitungsbericht weitere Einbußen bevor. Unter Berufung auf den Entwurf des Rentenversicherungsberichts von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) berichtet die "Süddeutsche Zeitung", dass die so genannte Eckrente sinken werde. Das Ministerium wollte dies weder bestätigen noch dementieren. Der Rentenversicherungsbericht befinde sich noch in der Abstimmung mit den Ressorts, sagte ein Sprecher. Das Kabinett werde sich Ende November mit dem Bericht befassen. Es bleibe aber bei der Zusage Münteferings, dass die Renten bis zum Ende der Wahlperiode nicht sinken werden.

Die Eckrente schrumpft

Laut "Süddeutsche Zeitung" könnte die Eckrente von derzeit 1065,76 Euro im nächsten Jahr auf 1061,06 Euro im Westen sinken. Im Osten schrumpfe sie von 939,46 Euro auf 935,32 Euro. In den Folgejahren steige sie nur langsam an und übertreffe den heutigen Wert erst wieder 2010. Die Eckrente gibt an, wie viel ein Rentner erhält, wenn er 45 Jahre Durchschnittsbeiträge gezahlt hat.

Müntefering erwartet dem Bericht zufolge, dass der Rentenbeitrag bis 2012 stabil bei 19,9 Prozent des Bruttogehalts bleibt. Danach soll er bis 2014 auf 19,2 Prozent sinken und bis 2020 auf 20 Prozent steigen. Das Rentenniveau vor Steuern schrumpfe von 52,4 Prozent im Jahr 2006 auf 46,6 Prozent im Jahr 2020.

Grund für die Entwicklung bei der Eckrente sei vor allem die Gesundheitsreform. In den nächsten Jahren wollen etliche Krankenkassen ihre Sätze erhöhen. Zugleich stehen den Ruheständlern 2007 und 2008 weitere Nullrunden bevor, so dass ihre Bezüge in diesen Jahren nicht wachsen werden. Bereits in den vergangenen Jahren mussten die Rentner Verluste hinnehmen, weil sie bei der Kranken- und Pflegeversicherung zusätzlich belastet wurden und die Regierung die Altersbezüge seit 2004 nicht mehr anhob.

Steigende Gesundheitskosten lassen Renten sinken

Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte von der Bundesregierung, die Gesundheitsreform von Grund auf zu überarbeiten. Gerade die steigenden Gesundheitskosten führten dazu, dass die Rentner in Deutschland immer weniger Geld zur Verfügung hätten, sagte SoVD-Präsident Adolf Bauer. "Dieses Abkassieren bei den Rentnern muss ein Ende haben."

Mit dem Rentenversicherungsbericht gibt die Bundesregierung stets im November eine Vorausschau ab, wie sich die Finanzen der Alterskasse in den nächsten 14 Jahren entwickeln. Dabei zeigt sich dem Bericht zufolge, dass die Altersbezüge auch wieder steigen sollen. So sollen sie bis zum Jahr 2020 um insgesamt 21 Prozent zulegen. Daneben verweise der Bericht auch darauf, dass das Einkommen der Ruheständler nicht nur aus der gesetzlichen Rente besteht. Viele Ältere erhielten zudem Betriebsrenten oder Zuwendungen aus anderen Versorgungssystemen, manche bekämen auch Erträge aus Wohnungen oder Versicherungen.

DPA / DPA

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