HOME

DER Food-Trend: Warum Burger 2014 so unverschämt sexy waren

Burger waren dieses Jahr so hip, wie noch nie. Warum das so ist, hat viele Gründe - was die Trend-Buletten mit Omas Vorratsschrank und Selbermachen zu tun haben, verraten wir hier.

Von Denise Wachter

Ein Jahr lang hat Mathew Ramsey die genialsten Pornburger auf seiner Homepage pornburger.me präsentiert. Dieser Burger-Kandidat ist an Perfektion und Sexiness kaum zu überbieten.

Ein Jahr lang hat Mathew Ramsey die genialsten Pornburger auf seiner Homepage pornburger.me präsentiert. Dieser Burger-Kandidat ist an Perfektion und Sexiness kaum zu überbieten.

Es ist Ihnen sicherlich auch aufgefallen - vor allem, wenn Sie in einer größeren Stadt wohnen: Dieses Jahr eröffnete gefühlt an jeder Ecke ein Burger-Laden. Und zwar nicht einer der großen Fast-Food-Riesen, sondern kleine, schnuckelige Etablissements, die #link;hhttp://www.stern.de/genuss/essen/grillen-fuer-profis-dieser-burger-ist-unschlagbar-lecker-2118939.html;liebevoll zubereitete Buletten im Brötchen# anbieten. Do-it-yourself heißt der neueste Gastro-Trend, denn die "neuen" Burger-Läden setzen ganz aufs "Selbermachen" - ein Schlaraffenland für die Hipster unter uns.

Die Buletten in den Brötchen sind individuell belegbar - gewählt werden kann zwischen Burger mit Käse, Burger mit doppelter Menge Fleisch, Burger mexikanisch - mit Jalapeňos und Guacamole, Burger mit Bacon oder Ei, Burger mit Fisch und Fleisch - es gibt unbegrenzte Möglichkeiten des Zusammenstellens; dazu gibt es Pommes aus Süßkartoffeln, gekringelte, gerade oder einfach normale. Sogar für die Low-Carb-Anbeter ist meistens etwas dabei, denn jedes Burger-Menü kann auch kohlenhydratfrei bestellt werden. Zwar etwas paradox in einem Burger-Laden, aber man muss schließlich jeden Geschmack bedienen.

Aber warum sind Burger eigentlich so unwiderstehlich? Die Food-Trend-Forscherin Hanni Rützler hat darauf folgende Antwort: "Die Burger-Bewegung ist mehr als ein Hype. Die Entwicklung von Fast Food - exemplarisch ist der Burger - zeigt sich auf mehreren Ebenen: Endlich entwickelt sich Fast Food - vor allem was die Qualität angeht. Es geht um Frische - frische Säfte, frische Salate und ein neues Verständnis für regionale Qualität. Fast Food entwickelt sich spürbar zu Fast Good, denn schnell heißt nicht immer schlecht."

Do-it-yourself, baby

Cole-Slaw, selbstgemachte Soßen und sogar Limonade werden im Weckglas serviert. Das vermittelt Coolness, weil es anders wirkt, aber es ist irgendwie auch eine Hommage an Großmutters Vorratsschrank, der immer voll mit Einmachgläsern war. Das verkörpert den eigentlich alten Trend zur Do-it-yourself-Kultur, denn schließlich machte Oma auch schon alles selber.

Heute ist Selbermachen wieder total hip - und wer dafür keine Zeit hat, bekommt zumindest das Gefühl des Selbermachens, wenn er in einem Restaurant oder Imbiss seine Brötchen nach den eigenen Wünschen belegen darf.

Hinzu kommt, dass man in den heutigen Burger-Läden meist genau weiß, woher die Produkte kommen, die auf den Brötchen ruhen. Es ist schick geworden, sich dafür zu interessieren, woher sein Fleisch und Gemüse bezogen wird; für die Gastronomen auch, denn sie sorgen in Zeiten von Lebensmittelskandalen und Massentierhaltung für Transparenz. Was gut ist und ein geniales Marketingkonzept ist. Auch Vegetarier und Veganer kommen nicht zu kurz. Vegane Foodtrucks und sogar rein vegetarische Restaurants etablieren sich immer mehr in den Großstädten.

Die Faszination Burger ist auch mit seiner Einfachheit zu begründen, denn er "verhält sich wie der Döner. Es ist alles dabei - frische Beilagen wie Salat und Tomaten, aber auch Brot und ein Stück Fleisch. Was hinzukommt: Burger können mittags und abends gegessen werden. Er passt immer - das ist eine tolle Sache," sagt Foodexpertin Rützler.

Berlins Burger-Boom

In Berlin boomen Burger - vor allem in der Food-Szene: Auf dem Kreuzberger Streetfood Thursday oder der bestehenden Event-Reihe "Burgers & HipHop", das seit gut einem Jahr stattfindet, zeigt das vermeintliche Fast-Food-Gericht eine ganz neue Seite von sich. Burger haben sich gemacht und sich aus der Schmuddelecke herausgetraut. Denn sie können viel mehr sein als fettige Dickmacher der großen Fast-Food-Ketten, die lieblos mit einer Scheibe Essiggurke, holländischer Tomate und Fleisch von zweifelhafter Herkunft belegt sind.

Burger sind plötzlich en vogue und ein Stück Luxus - auch für Normalverdiener. Das liegt vor allem daran, dass man sieht, was man isst. Für Hanni Rützler ist es sogar noch mehr: "Der Burger leitet eine neue Ära ein. Luxus ist nicht mehr rar und edel - mit dem Burger-Hype hat sich auch eine neue Qualitätsmitte gefunden. Die Zutaten werden immer wichtiger. Welches Fleisch esse ich? Woher kommt es und aus welchem Teil des Tiers stammt es? Wir bewegen unser wieder weg von der Filetgesellschaft, der Trend geht zu weniger und hochwertigem Fleisch, das nicht unbedingt Kurzgebratenes sein muss."

Themen in diesem Artikel