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Kommentar zu "Team Wallraff" in Großküchen: Hört endlich auf, Dreck zu fressen!

Die Deutschen lieben es, günstig einzukaufen - vor allem Fleischprodukte. Aber sollten uns Lebensmittelskandale nicht endlich aufrütteln? Ja, denn nur so können wir wieder bewusst essen.

Ein Kommentar von Denise Wachter

Eigentlich ist es gar nicht verwunderlich, dass das "Team Wallraff" Ekelzustände in Großküchen vorgefunden hat, oder? Den Verbrauchern ist bei der Auswahl des Mittagessens meistens egal, woher das Essen kommt oder unter welchen Bedingungen es produziert wurde, solange sie nichts davon wissen. Mehr noch: Im Supermarkt gucken die Deutschen eher auf den Preis als auf Herkunft und Haltung der Tiere.

Wir alle kennen die Bilder aus Massentierhaltungen, trotzdem zucken wir nicht davor zurück, ein halbes Hähnchen mit Pommes oder ein ordentliches Schweineschnitzel in der Kantine zu bestellen. Warum eigentlich? Weil wir die Bilder von zusammengepferchten Hühnern und Schweinen, die in ihrem eigenen Kot liegen und halbtot vor sich hinvegetieren, verdrängen? Ja, genauso ist es. Wie kann es sein, dass unzählige Lebensmittel- und Ekelfleischskandale über uns hereinbrechen - und kaum jemand zur Verantwortung gezogen wird? Ich habe es satt - und plädiere dafür, endlich bewusst zu essen, um Lebensmittelskandalen keine Bühne mehr zu bieten.

Geiz ist geil? Nein!

Essen bedeutet für uns Deutsche eigentlich nur: Es soll satt machen, es sollte möglichst viel sein und vor allem günstig. Dass der Deutsche knauserig und ein Sparfuchs ist, ist international bekannt. Kein Wunder, dass die Werbekampagne "Geiz ist geil" in den 2000er Jahren großen Erfolg hatte.

Trotzdem, warum geben wir uns mit so wenig zufrieden? Wieso essen wir nach wie vor Fleisch aus Massentierhaltung, wenn wir doch genau wissen, wie die Tiere gehalten wurden und welche Qualität unser Fleisch vorweist? Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Schließlich ist es doch unser Körper, der dieses Essen aufnimmt, und möchte man für seinen Körper nicht das Beste? Sollte man dann nicht darauf achten, wie viel Konservierungsstoffe und Medikamentenrückstande in dem Fleisch stecken, das man zu sich nimmt? Die Antwort ist ganz klar: ja! Genauso sollte man Verantwortung übernehmen - und zwar für die Haltung des Tieres, das man konsumiert.

Aus welchem Tier werden Schnitzel gemacht?

Wer weiß noch, wie das Schwein wirklich aussah, bevor es zu Schnitzeln verarbeitet wurde? Würden Bilder von kotverschmierten Schweinen auf der Verpackung kleben, würde niemand mehr zum abgepackten Schweineschnitzel greifen - und schließlich die meisten auf den vermeintlichen Fleischgenuss verzichten.

Abgepackte Wurst und abgepacktes Fleisch geht für die meisten klar, solange es nicht in Verbindung mit einem Tier zu bringen ist. Genau darum geht es aber! Wir müssen uns wieder bewusst machen, dass das Fleisch, das wir konsumieren, von einem Tier stammt und nicht in einer Plastikschale herangewachsen ist. Und auch, dass das Tier aus konventioneller Haltung höchstwahrscheinlich ein mieses Schweineleben gelebt hat und leiden musste. Deshalb: Hören wir auf, Mist zu fressen und fangen wir endlich wieder an, uns damit zu beschäftigen, woher unser Essen kommt. Denn nur so können wir Genuss und Bewusstsein verbinden - und Ekelfleischskandalen in Zukunft aus dem Weg gehen.

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