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70-Jährige Köchin mit Michelin-Stern: Thailands Königin der Straßenküche: "Ich wünschte, ich könnte den Stern zurückgeben"

Der Michelin-Stern ist eigentlich der Ritterschlag für jeden Koch. Doch birgt er auch Nachteile: Die erlebt die erste Straßenköchin Bangkoks mit Michelin-Stern gerade am eigenen Leib. Sie hätte ihn am liebsten wieder los.

Auf Instagram ist Jay Fai häufig zu sehen: Links ein Portrait von thetravellist_net. Rechts die Köchin (mit Skibrille) in Action von Instagrammer jslim60.

Auf Instagram ist Jay Fai häufig zu sehen: Links ein Portrait von thetravellist_net. Rechts die Köchin (mit Skibrille) in Action von Instagrammer jslim60.

Noch im Dezember vergangenen Jahres platzte Jay Fai, die 70-jährige Köchin, fast vor Stolz. Sie erhielt als erste Straßenköchin Bangkoks einen  für ihr gleichnamiges Restaurant Raan Jay Fai: "Ich bin sehr stolz. Wir haben nicht viele Angestellte, weil ich ein bisschen schwierig und verrückt bin", sagte sie damals der "AFP" nach der Auszeichnung.

 Jay Fai, die eigentlich Supinya Junsuta heißt, trägt eine Beanie-Mütze, eine schwarze Schürze und eine Skibrille, die sie vor heißem, spritzenden Fett schützen soll. Der 70-Jährigen wurde die größte Ehre in der kulinarischen Welt zuteil, nach der andere Köche lechzen. Jay Fai musste aber zugeben, dass sie zwar von dem Namen Michelin gehört habe, aber nicht wusste, dass er etwas mit Kochen zu tun hat. Dass ihr Stolz so schnell in Argwohn umschlägt, damit hätte sie wohl selbst nicht gerechnet. "Ich wünschte, ich könnte den Stern wieder zurückgeben", sagt Jay Fai nun dem Food-Magazin "Eater".

"Viele kommen nur vorbei, um zu gucken"

Seit der Auszeichnung tummeln sich Touristen, Foodies und einige neugierige Beamte der Steuerbehörde um Jay Fais . Die 70-Jährige ist davon genervt: "Viele kommen nur vorbei, um zu gucken und Fotos zu machen, nicht unbedingt zum Essen", sagt sie. Zudem sind die Wartezeiten auf einen freien Tisch enorm: Zu Stoßzeiten müssen hungrige Gäste schon mal zwei Stunden warten, am Tresen hängt deswegen auch ein Warnschild: "Zeit nicht garantiert" - es kann also ruhig mal länger dauern.

Jai Fay brutzelt auf den Straßen seit jeher: Nudeln mit Garnelen und Krabben über Holzkohle, oder aber ihr berühmtes Krabben-Omelett. 

Nach der Michelin-Auszeichnung hat Jay Fais Tochter Yuwadee Junsuta ihren Job gekündigt, um ihre Mutter zu unterstützen. Es musste ein Reservierungs-System installiert werden, damit man überhaupt mit dem Gästeansturm klar kommt, und auch, um die Stammkundschaft nicht zu verprellen. "Wir raten den Gästen jetzt vorab telefonisch eine Reservierung zu machen", sagt Jay Fais Tochter. 

Ein Michelin-Stern ist nicht gleich Reichtum

In dem kleinen Straßenrestaurant mit weniger als zwölf Tischen arbeiten mittlerweile drei Kellner. Jay Fais Tochter kümmert sich ausschließlich um Reservierungen und ruft die Gäste nach der Reihe auf. Trotz des Ansturms kocht Jay Fai immer noch allein.

Es ist übrigens ein Trugschluss, dass eine Auszeichnung mit einem Michelin-Stern automatisch zu Reichtum führt. Jay Fai beispielsweise hat die Preise ihrer Gerichte nicht angehoben, obwohl sie mehr für Zutaten ausgibt, weil die Nachfrage gestiegen ist. "Ich hätte Kunden verloren", sagte sie "Eater", wenn sie die Preise angezogen hätte.

"Vor oder nach dem Michelin[-Stern], wir sehen uns immer noch als die gleichen, während andere uns als Michelin-Stern-Restaurant sehen. Aber das [Raan] Jay Fai ist immer noch Jay Fai", sagt Tochter Yuwadee dem Food-Magazin. "Immer wenn die Kunden zu uns kommen und sagen, dass sie unser Essen lieben, werden wir mit einer Million Sternen belohnt, die jeden Tag von Bedeutung sind."