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Industrialisierte Landwirtschaft: Millionenfacher Vogelmord - das dunkle Geheimnis des Olivenöls

Bei der Ernte des Olivenöls saugen riesige Maschinen jedes Jahr Millionen von Vögeln tot. Dabei wäre das Massaker leicht zu verhindern, doch die Bauern verdienen zu gut am Vogelmord.

Das meiste Öl im Regal wurde nicht von Hand geerntet. 

Das meiste Öl im Regal wurde nicht von Hand geerntet. 

Getty Images

Schock im Lebensmittelregal: Ausgerechnet Olivenöl wurde als größter Vogelkiller entlarvt. Schuld ist die industrialisierte Landwirtschaft. Im traditionellen Anbau werden die Oliven tagsüber von Menschenhand von den Bäumen geschüttelt. Um die teuren Erntehelfer einzusparen, werden in Italien, Spanien und Frankreich immer mehr Erntemaschinen eingesetzt. Auch für die Landschaft ist das eine fatale Entwicklung. Aus einem klassischen Olivenhain, in dem die Bäume verstreut nebeneinanderstehen, wird eine Pflanzen-Kaserne, in der die Oliven in Reih und Glied angepflanzt werden.

Vögel wie gelähmt

Doch viel schlimmer für die Vögel ist der nächtliche Einsatz der Maschinen. Dann ist es kühler – die niedrige Temperatur soll das Aroma des Öls verbessern. Doch nachts ruhen Vögel in den Büschen, die unter dem Laub Schutz vor Räubern suchen. Sie werden zu Millionen von den Erntern abgesaugt, das berichtet die Fachzeitschrift "Nature".

So sieht die Vogelernte aus.

So sieht die Vogelernte aus.

Commons

"Die Saugernte bei Nacht tötet diese gesetzlich geschützten Vögel in einem fürchterlichen Ausmaß, da sie sich im Gebüsch ausruhen", schrieben die Forscher Luis da Silva und Vanessa Mata in "Nature". Tagsüber wären die Erntemaschinen nicht annähernd so gefährlich für die Vögel, die fliehen würden, wenn sie die Maschinen kommen hören. Doch das helle Licht von der Erntemaschine verwirrt die Vögel, sie fliehen nicht vor der Maschine, sondern versuchen, die Gefahr auszusitzen, und gehen so elend zugrunde. Vögel wie Rotkehlchen, Goldfinken, Grünfinken, Grasmücken und Bachstelzen gehören zu den am stärksten betroffenen Arten.

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Willkommene Schwarzeinnahmen

Besonders perfide: Das Absaugen der Vögel ist den Erntern durchaus willkommen. So generieren sie Schwarzeinnahmen, ein großer Teil dieser Vögel wird an die ländliche Gastronomie verkauft, die sie als "pajarito frito" anbieten. Obwohl diese Praxis illegal ist.

In einer Stellungnahme der Verwaltung von Andalusien, der "Junta de Andalucia", heißt es: "Sowohl nach Angaben der Guardia Civil als auch des Umweltministeriums wird ein großer Teil dieser Vögel von den Betreibern der Erntemaschinen oder der Genossenschaften an die ländliche Hotellerie zum Verzehr verkauft."

Die Untersuchung der Naturschutzbehörde in Portugal nimmt an, dass allein in Andalusien jedes Jahr 2,6 Millionen Vögel während der Ernte getötet werden, in Portugal sollen es 96.000 Vögel sein. Für Frankreich und Italien liegen keine Daten vor.

Einfache Lösung möglich 

Dabei ließe sich das Vogelmassaker leicht vermeiden, schreibt die Forscherin Vanessa Mata.

"Diese Maschinen sind perfekt, wenn sie tagsüber benutzt werden, da Vögel dann in der Lage sind, während des Betriebs zu sehen und zu entkommen." In Andalusien will die Regierung versuchen, vor der Ernte im Herbst eine Lösung zu finden, damit die Erntemaschinen nicht weiter nachts fahren. Ein Grund dürfte auch der enorme Imageschaden sein. Damit folgt die Regierung der Anregung der Verwaltung, wenn auch noch kein Gesetz auf den Weg gebracht wurde. "Die beste Option, um das Problem zu beenden, ist, dass die superintensive Ernte von Olivenhainen während der Nachtstunden verboten wird," heißt es in dem Schreiben der Junta. "Das würde auch verhindern, dass Zugvögel von den Scheinwerfern der Maschine gefangen werden."

Verbraucher können schon jetzt sicher gehen, dass für ihr Öl keine Vögel totgesaugt wurden. Auf italienischem Öl sagt die Bezeichnung "FAO GIAHS" (Globally Important Agricultural Heritage System), dass diese Oliven von Hand geerntet wurden. Damit unterstützt man Betriebe, die einem schonenden traditionellen Umgang mit der Natur verpflichtet sind.

Quellen: Olive Oil Times, Nature, Junta de Andalucia

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