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Vegan Food Award Peta zeichnet Billigfleisch-Aldi als "vegan-freundlichsten Supermarkt" aus – ein Widerspruch?

Vegane Lebensmittel im Einkaufswagen
Vegane Alternativen zu tierischen Produkten werden immer populärer. Das Angebot wächst rasant.
© Carmen Jaspersen/ / Picture Alliance
Der Discounter Aldi ist bekannt für extrem günstige Preise - auch bei Fleischwaren. Tierschutzorganisationen kritisieren das Preisdumping. Jetzt aber hat ausgerechnet Peta Aldi mit einem Award ausgezeichnet. Der Supermarkt soll besonders gut für Veganer sein.

Pflanzliche Alternativen zu Wurst, Fleisch und Milchprodukten gewinnen immer mehr Raum und haben ihren Weg aus dem Reformhaus in den Mainstream geschafft. Vegane Lebensmittel stapeln sich in Hülle und Fülle in den Supermarktregalen. Discounter wie Aldi sind längst auf den Zug aufgesprungen.

Die Tierschutzorganisation Peta hat Aldis Erweiterung der Produktpalette um pflanzliche Alternativen jetzt mit dem "Vegan Food Award" ausgezeichnet und die Vielfalt und Verfügbarkeit veganer Produkte honoriert. Demnach sei Aldi "vegan-freundlichster Supermarkt". Beurteilt wurde zudem das Engagement zum Thema "vegan" und die Kooperation mit der Organisation "Veganuary", deren Kampagne 2020 erstmals auch in Deutschland stattgefunden hat. 

"Vegan-freundlichster Supermarkt" ?

Zur Begründung der Auszeichnung sagte Frank Schmidt, Head of Corporate Affairs bei Peta: "Mit ihrem Gesamtsortiment und ihrer Unterstützung zum Ausbau der veganen Lebensmittelvielfalt beweist sowohl Aldi Nord wie auch Süd, dass sich Tierschutz, Gesundheit und Umweltschutz gemeinsam vereinen lassen." 

Auf der anderen Seite steht, dass Aldi zuletzt in der neuerlich entflammten Debatte um die Probleme der Fleischindustrie und die zu niedrigen Preise für Aufsehen sorgte. Trotz der bekannt gewordenen Missstände in den Schlachthöfen hatte der Discounter angekündigt, die Preise für Wurst und Fleisch zu reduzieren.

Gegenüber der "Lebensmittelzeitung" kritisierten Fleischhersteller diese Absichten. Der Discounter zünde damit "die Lunte an einem politischen Pulverfass". Und auch der Deutsche Tierschutzbund nannte die geplanten Preissenkungen ein völlig falsches Signal: "Die Tatsache, dass viele Verbraucher bis heute nicht bereit sind, für Fleisch und tierische Produkte mehr zu zahlen, geht auf das Konto von Aldi und Co. Einzelne Vorstöße des Konzerns, hin zu einem Mehr an Tierschutz, wirken angesichts der aktuellen Forderung nach einer Preissenkung unglaubwürdig." Ende vergangener Woche hat der Discounter sein Vorhaben dennoch im Stillen umgesetzt und die Preise einiger Wurstprodukte gesenkt. 

Food-Award kein Tierwohl-Award

Wie konnte ein Discounter, der Billigfleisch anbietet, also "Vegan freundlichster Supermarkt" werden? Der stern hat bei Peta nachgefragt. "Der 'Vegan Food Award' ist kein Tierwohl-Award. Bei dem Preis geht es ausschließlich um veganes Essen. Kritik üben wir an anderer Stelle", so Schmidt.

Der Award sei dafür da, vegane Produkte bekannter zu machen und die Konsumenten neugierig. Bei Aldi Nord und Aldi Süd habe sich in den vergangenen Jahren diesbezüglich viel getan. Und auch ein weiterer Aspekt spielt eine Rolle. Aldi ist bekanntermaßen günstig, das gilt auch für das vegane Sortiment. Die Schwelle, um zum fleischlosen Burger zu greifen, ist dementsprechend niedriger als anderswo. 

Während Aldi die vegane Produktpalette ausbaut, bleibt das Preisdumping mit Fleisch bestehen. Eine Tatsache, die Peta bewusst ist. "Wir kritisieren nicht nur Billigfleisch, sondern auch Bio-Fleisch. Wir hätten am liebsten gar kein Fleisch auf der Ladentheke", so Schmidt.

Aufgabe der Politik

Die Tierschutzorganisation stehe seit Jahrzehnten mit Aldi in Sachen Tierschutz in Kontakt. "Durch die Arbeit von Peta gibt es überhaupt erst so viele vegane Produkte im Sortiment“, so Schmidt, der von einem Fortschritt spricht. "Aldi verkauft keine Stopfleber, kein Kaninchenfleisch, keine Pelzprodukte."

Die grundsätzliche Frage nach tierverachtenden Haltungsbedingungen und der Schlachtung bleibe aber bestehen. Da könne auch kein Tierwohllabel helfen. Denn auch wenn dadurch die Haltung minimal verbessert werde, gut sei sie noch immer nicht.

"Das wird auch so bleiben, so lange sich der deutsche Markt preislich nicht an Schweizer Verhältnisse anpasst und Wirtschaftsunternehmen bei der Tierhaltung nur den Mindeststandard einhalten, um konkurrenzfähig zu bleiben." Das zu ändern sei Aufgabe der Politik. Leider, so Schmidt, herrsche diesbezüglich aber seit Jahren Staatsversagen.

Umso wichtiger seien pflanzliche Alternativen. "Die Menschen sind neugierig darauf, vegane Produkte auszuprobieren", sagt Schmidt, der sich auf den jüngsten Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft beruft. Demnach ist der Fleischkonsum in Deutschland leicht rückläufig. Knapp die Hälfte der Befragten (49 Prozent) hatte angegeben, schon einmal oder öfter pflanzliche Alternativen zu Milch, Käse oder Joghurt sowie Alternativprodukte zu Fleischwaren gekauft zu haben.  

Quellen:Peta, Lebensmittelzeitung, TierschutzbundBMEL, dpa

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